WÄRE er nicht zu lang, würde ich diesen Erinnerungen den Titel geben: Der Humanist und der Humanismus Fidels. Zahlreiche Erfahrungen bestätigen diese Besonderheit an ihm

humanist_castroDer Humanist

Autor: Marta Rojas Rodríguez

Quele: Granma, septembre 5, 2016

WÄRE er nicht zu lang, würde ich diesen Erinnerungen den Titel geben: Der Humanist und der Humanismus Fidels. Zahlreiche Erfahrungen bestätigen diese Besonderheit an ihm. Immer wieder erinnere ich mich an Vorkommnisse, die dies belegen und deren Zeugin ich in verschiedenen Momenten war. Als Journalistin habe ich mich auf diese und viele andere bezogen.

EPISODE

Nie zuvor war ich Zeugin eines so anregenden Gesprächs zwischen Fidel und einer Gruppe von Teenagern über das Leben und seine Erkenntnisse gewesen. Noch immer besitze ich das Heft mit den Notizen, die ich mir damals machte.

Er saß auf einem Schemel, wie er es gewöhnlich tat, wenn er die Dörfer besuchte, und war von Leuten umgeben. Dies aber war ein recht abgelegener Ort an der Südküste der Ostregion, in der Nähe von La Mota, wo er den „Alten“ Cardero besuchte, einen Mann der Sierra, und Familienmitglieder und Freunde des Bauern hinzu kamen. In dieser Atmospäre unterhielt er sich vor dessen Hütte mit der Gruppe Teenager, mit denen er bereits am Nachmittag an der gleichen Stelle Eindrücke ausgetauscht hatte.

„Du hast mir vorhin von einer Freundin erzählt, die durch den Zyklon ihr Haus eingebüßt hat und dringend ein anderes braucht. Aber auch von dem Problem mit dem Kino von Yara. Was glaubst du? Sollten wir zuerst das Problem mit dem Kino lösen oder der Frau das Haus bauen?, fragte Fidel eines der Mädchen, und dieses antwortete ihm, zuerst käme das Haus.

Das Mädchen — Hilda — fügte noch hinzu: „Und der Park von Yara ist nicht fertig und die Kühe dringen dort ein.“

„Nun, das ist nicht gut, ein Park muss behütet werden“, fand Fidel und fragte weiter nach ihrem Leben, ihren Beschäftigungen und Vorhaben.

„Warum sagt deine Freundin nichts, wie heißt sie denn?“, wollte Fidel wissen.

„Sie heißt Marta, aber ich weiß nicht, warum sie nicht spricht“, antwortete sie ihm und daraufhin sagte jenes Mädchen: „Ich habe Ihnen zugehört“. Fidel führte das Gespräch weiter. Er fragte sie nach ihrem Alter, und ob sie arbeite oder studiere.

„Ich war auf einer Internatsschule, aber ich musste sie verlassen, um meiner Mutter zu helfen, weil sie krank war und meine Geschwister Jungen sind“, antwortete sie.

„Und hast Du einen Freund?“, fragte Fidel. Das Mädchen antwortete nicht, aber Hilda bemerkte:

„Anscheinend ist da noch was …“

„Also hattest du einen Freund. Was ist dir passiert, hat er dich etwa verlassen, um sich eine andere zu suchen …?“, fragte er.

„Er hat geheiratet“, sagte sie.

„Und du denkst noch immer an diesen Mann? Er hat bewiesen, dass er dich nicht liebte, zu diesem Schluss sind wir gekommen“, sagte Fidel, und Sofía, ein anderer Teenager der Gruppe, mischte sich ein:

„Was sie machen sollte, ist, sich wieder zu verlieben. Es gibt viele gute Männer hier.“

„Du hast tatsächlich Recht! Du bist sehr intelligent, aber heute Nachmittag hast du dich da drinnen versteckt, und als ich dich fragte, ob du lernen wolltest, hast du geantwortet, das interessiere dich nicht“, sagte Fidel zu Sofía und wendete sich weiter an sie:

„Später hast du gesagt, dass du doch lernen würdest, und ich dachte, dass die andere Antwort nicht ernst gemeint war und am Tisch habe ich gemerkt, dass du intelligent bist.“

„Ich habe beobachtet. Ich beobachte die Dinge erst und spreche dann“, antwortete Sofía.

„Wo hast du diese Philosophie denn gelernt? Du riskierst nichts, ohne das Gelände zu kennen, nicht wahr?“

„So ist es, aber ich habe das nirgendwo gelernt, das ist meine eigene Idee, ich überdenke die Dinge und ergründe sie“, antwortete ihm Sofía lächelnd. Sie war die Kleinste der drei.

„Morgen gehen wir an den Strand. Warum kommen Sie nicht mit, damit sie ihn kennen lernen?“, lud Sofía ein.

„Ist das nah von hier?“, wollte Fidel wissen.

„Ja, dort an der Küste. Kommen Sie mit?“, beharrte Sofía, deren Persönlichkeit sich durchgesetzt hatte.

„Ich verspreche es nicht, weil wir zeitig los müssen“, antwortete ihr Fidel.

Als die jungen Mädchen loszogen, analysierte der Revolutionschef das Gespräch ausgiebig:

„Wie viele Situationen und Persönlichkeiten es doch hier in der Sierra gibt! Es besteht ein völlig falsches Konzept, wonach die Bauern als dumm und unwissend dargestellt werden. Das Gespräch, das wir mit diesen Mädchen geführt haben, beweist das genaue Gegenteil: ihre Bemerkungen waren umfassend und lehrreich.“

2. EPISODE

Der Hubschrauber überfliegt Birán. Überall halten die Bauern Ausschau nach Fidel.

—„Hier hat es geregnet, schaut mal, wie grün die Wiesen hier sind“, sagt er zufrieden. Er hängt an einer der Fensterscheiben des Hubschraubers und betrachtet die Felder.

Kapitän Venero und Hauptmann Carrión lenken den Hubschrauber nach der Route, die Fidel mit Worten vorgibt. Am Boden wird er sofort umringt. Ein alter Haitianer unter vielen anderen nähert sich Fidel.

„Junge…!“, sagt er zu ihm und er erkennt ihn wieder.

„Piti, wie geht es dir? Und was macht dein Hals?“, fragt er ihn.

„Ist wieder gut“, — antwortet der Haitianer Fidel. Dieser dreht sich zu einem anderen Greis um und fragt diesen:

„Was ist los, Jesús?“

„Ich hatte eine Embolie, Fidel, Junge“ — antwortet er ihm und dieser spricht ihm Mut zu.

„Aber du siehst gut aus. Bist du in Rente gegangen?“

Der Haitianer bestätigt die Annahme und ein anderer Bauer fügt hinzu:

„Fidel, fast alle Haitianer sind in Rente gegangen.“

Die Bildung konnte nicht fehlen. Die Lehrerinnen der Schule „6. August“ aus Birán nähern sich und er informiert sich über die Arbeit der Schule.

„Jetzt kann jeder, der es will, lernen“. Er verabschiedet sich und hört die Rufe:

„Kommen Sie wieder, Fidel“, sagen sie ihm, damit er ihre Siedlung wieder besucht.