Manchmal, wenn das Staatsoberhaupt Frankreichs mit dem Marschbefehl für seine Truppen zum nächsten Massaker in diesem oder jenem von Schurken regierten Staat zögert, macht Lévy, ein Millionär mit eigenen Medien, soviel Krawall, dass der Mann im Elysée-Palast nicht mehr anders kann und endlich sagt, was er schon längst sagen wollte:

Schwarzer Kanal:

Der Mordmillionär

Quelle: jungeWelt vom 23.04.2016

levyDas Totschlagen aus politischer Lust am Totschlag hat in Europa mehrere Namen, einer lautet Bernard-Henri Lévy. Der französische Publizist ist seit Jahrzehnten hingebungsvoller Kriegshetzer gegen jeden, gegen den der jeweilige Präsident Frankreichs oder der Westen insgesamt gern zu Felde zieht oder ziehen möchte. Manchmal, wenn das Staatsoberhaupt Frankreichs mit dem Marschbefehl für seine Truppen zum nächsten Massaker in diesem oder jenem von Schurken regierten Staat zögert, macht Lévy, ein Millionär mit eigenen Medien, soviel Krawall, dass der Mann im Elysée-Palast nicht mehr anders kann und endlich sagt, was er schon längst sagen wollte: »Feuer frei!« Das kostete z. B. 2011 in Libyen einige zehntausend Menschen das Leben. Von dort rief Lévy im März jenes Jahres den von Muammar Al-Ghaddafi mit 50 Millionen Euro geschmierten Nicolas Sarkozy an und versprach, ihm einen Krieg zu liefern, in dem Ghaddafi samt seinem Wissen über Sarkozy in die Grube fahren sollte. Selbstverständlich brachte Lévy das nicht so plump vor. Er alarmierte, wie im Westen in solchen Fällen üblich: Ein »Völkermord« stehe kurz bevor. Als das Land zerstört und von Sarkozy und seinen NATO-Spießgesellen irgendwelchen Kopfabschneidern überlassen worden war, hörten die nicht einfach auf, sondern versuchten, Mali zu zerlegen. Versteht sich, dass Lévy begeistert war, als der Nachfolger Sarkozys, Francois Hollande, am Jahreswechsel 2012/2013 seine Kolonialtruppe dorthin in Marsch setzte. In der FAZ vom 15. Januar 2013 jubelte er: »Für die Anhänger der Pflicht, sich einzumischen, für all diejenigen, die glauben, dass die Demokratie nicht da endet, wo der Terrorismus beginnt, ist es ein Fortschritt.« An der Doktrin des Drauf- und Reinhauens angesichts der Weltaufteilung zwischen Terroristen und Demokraten hat Lévy großen Anteil. Die Terroristen saßen für ihn einst in der Sowjetunion, in Serbien in den 90er Jahren, später in Bagdad oder Tripolis, jetzt wieder in Russland. Auf dem Kiewer Maidan war er sich mit den dort kommandierenden Antisemiten und Faschisten 2014 einig, dass nun die »Prorussen« an der Reihe sind.

Am Montag rief er in der Welt wieder einmal zum Endkampf gegen »die dritte weltweite Variante des Totalitarismus, den hartnäckige Kritiker ein Vierteljahrhundert angeprangert hatten« – also er selbst –, gegen den Dschihadismus. Diesem gegenüber hätten sich die französischen Regierungen »der Verantwortung entzogen«, worauf »vorsätzliche Blindheit« bei ihnen eingetreten sei, »dass es sich bei dem militanten islamischen Fundamentalismus eigentlich um Islamofaschismus handelte«. Schließlich gebe es noch »die bisweilen bei unseren Eliten zu beobachtenden memmenhaften Rückzieher«, obwohl ihnen Lévy stets erklärte hatte: »Die Beschwichtigung des gewalttätigen Radikalismus bringt nur noch mehr Radikalismus hervor«. Die Folge sei ein »intellektueller Ausnahmezustand«. Und nun? Nichts leichter als: Krieg und noch mehr Krieg, nicht nur zu Lande, zu Wasser und in der Luft – eine Vorstufe, die Lévy hinter sich gelassen hat. Vielmehr handele es sich nun »um einen Krieg, der Welten, Kulturen und von uns zu Recht als Zivilisationen bezeichnete Bereiche betrifft«. Wo Lévy ist, herrscht die totale Kriegsbereitschaft. Der Jurist des Naziführertums, Carl Schmitt, meinte einst, souverän sei, wer über den Ausnahmezustand entscheide. Er kannte nicht den permanenten Ausnahmezustand des heutigen Imperialismus und einen seiner eifrigsten Schreibtischmörder. In Frankreich formuliert sich der den eigenen Weltuntergang hysterisierende Millionär seinen Faschismus noch selbst zusammen. Dagegen sind AfD, CSU und Co. ein müder Abklatsch.