Ist Franziskus Nummer eins ein Karol Wojtyła Nummer zwei?

Ist Franziskus Nummer eins

ein Karol Wojtyła  Nummer zwei?

Von Günter Ackermann

Kommunisten-onlipapst_franzne vom 15. März 2013 – Ein neuer Papst regiert die katholische Kirche, die Medien überschlagen sich mit Lobhudeleien. Kaum ein Wort mehr über die Skandale der letzten Jahre, der massenhaften Übergriffe von Klerikern gegen Kinder und andere Schutzbefohlene – die römische Kirche steht auf einmal wieder sauber da. Dabei hat sich nichts geändert nur, dass ein päpstlicher Greis die Brocken hingeworfen hat und jetzt ein „junger“ Greis dessen Nachfolge antrat. Geändert aber hat sich gar nichts – nur die Figur an der Spitze.

Ich sehe vielmehr eher eine Kontinuität zum polnischen Papst Karol Wojtyła. Ich erinnere mich noch sehr genau, als der polnische Papst damals das erste Mal Polen besuchte. Damals studierte ich als  deutscher Student an der Universität Kraków, also in der Stadt, in der Karol Wojtyła Bischof gewesen war. Man hatte den Eindruck, die Masse der Polen habe den Verstand verloren. Es war unbeschreiblich, sogar das Theater brachte ein Stück aus der Feder des Papstes als der noch Bischof in Kraków war.

Kurz danach begannen die Unruhen in Polen. In Gdansk streikten die Werftarbeiter. Nicht, dass die Gründe des Streiks abwegig gewesen wären, die Versorgungslage war eine Katastrophe; selbst Grundnahrungsmittel wie Brot, Milch, Butter waren nur nach langem Stehen in der Schlange zu bekommen – oder auf dem mehr oder weniger geduldeten Schwarzmark oder von privaten Händlern zu total überhöhten Preisen. Wer ehrlich  arbeitete war schlecht dran, wer Schiebergeschäfte machte oder Devisen besaß, war King.

Lech Walesa, der angebliche Arbeiterführer, hatte immer im Schlepptau einen in der Soutane, der soufflierte Walesa dann auch. Walesa hatte Revers  ein Handteller großes Bild der Madonna, seine erst Reise ins Ausland ging nach Rom zum Papst.

Die Gewerkschaft Solidarność, so hatte man den Eindruck, wird von den Schwarzkitteln geführt, denn keine Bild im Fernsehen oder der Presse ohne die Schwarzkittel. Das stimmt zwar nur eingeschränkt, die Kirche spielte dennoch eine nicht unerhebliche Rolle bei Solidarność. Die konnten sich sicher fühlen, denn die Tatsache, dass der Papst Pole ist, machte die Kirche unangreifbar – falls die Revisionisten in der Partei- und Staatsführung je vor hatten, gegen den Einfluss der Kirche etwas zu unternehmen.

Die Kirche schürte in Polen die Unruhe, wenn es aber dann zu großen Streikaktionen kam, beschworen Papst und Kardinal Wyszyński – der damalige Primas von Polen – die Arbeiter über alle Sender der Volksrepublik Polen, im Interesse des Vaterlandes nicht zu streiken.

Die Kirche schreckte auch nicht vor Geschichtsfälschung zurück. An 2. Mai 1981 – der 200. Jahrestag der ersten Verfassung Polens – predigte ein Radio ein Kleriker für diese damals erste Verfassung Europas mit Rechten, wie in keinem anderen Land für das Volk, selbst nicht in England und der Schweiz. Aber die Verfassung scheiterte, es kam zum Krieg der Magnaten und des hohen Klerus gegen den König, dadurch zum Eingreifen der Großmacht Russland – Polen hatte aufgehört zu existieren.

Das sagte der Prediger aber nicht, man hatte den Eindruck, die Kirche habe schon 1781 die Volksrechte hoch gehalten.

Papst Johannes-Paul II. war ein entschiedener Antikommunist und tat alles, um das sozialistische Lager zu schwächen, auch und vor allem in seiner Heimat Polen. Das Ende des realen Sozialismus war zwar nicht das Werk des Papstes – dazu war der nicht fähig – aber aus Rom wurde zumindest der Sozialismus in Polen stark geschwächt.

Dabei nutzte der Klerus die Schwachstellen und Fehler der Partei geschickt aus um seich selbst stärker zu machen und um das sozialistische System zu schwächen. So war für die katholische Kirche der Umstand, dass in Polen die Abtreibung ohne Einschränkungen erlaubt war, zunächst kein Thema. Man nahm es hin – bis direkt nach dem Ende der Volksrepublik.

Dass es keine Butter, Milch usw. gab, war Thema und man verwendete sie diesen Missstand gegen den Sozialismus. Natürlich fand ich es damals einen Skandal, wenn wichtige Nahrungsmittel, nur schwer oder nur zu horrenden Preisen, zu bekommen waren. Ich fand, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung berechtigt sei, aber dass die Kirche darauf ihr Süppchen kochte, war ein auch ein Skandal.

Heute meine ich, dass beim Konklave 1978 Karol Wojtyła vor allem deshalb zum Papst gekürt wurde, damit er als Papst zersetzend gegen den Sozialismus wirken konnte. Das tat er dann ja auch sehr intensiv.

Und jetzt der Italo-Argentinier Jorge Bergoglio, alias Franziskus Nummer eins auf dem Papstthron. Die Medien sind begeistert und verkaufen ihn als wahre Heiligen: der hat doch wirklich als Bischof von Buenos Aires mal einen Slum besichtigt und dabei sogar sich eine Armenküche angesehen haben. Oder, eben erst als Papst gewählt, am ersten Tag nach einem Gebet in einer Kirche, hatte er auf der Rückfahrt vor allem die Absicht und realisierte das auch, seine Rechnung im Gästehaus, in dem er beim Konklave wohnte, zu bezahlen. Man stelle es ich vor; Das regiert doch tatsächlich ein Papst, ein Stellvertreter Gottes auf Erden und der bezahlt banale Rechnungen! Überwältigend!

Die bürgerliche Presse behauptet sogar, er sei von der Theologie der Befreiung beeinflusst. Franziskus I. als Inkarnation des ermordeten Bischofs von El Salvador, Óscar Romero. Man soll’s nicht glauben – und ich glaub es auch nicht. Dass der neue Papst alles andere ist, als ein Befreiungstheologe, spricht allein die Tatsache, dass seine Papstvorgänger, zumindest seit Wojtyła, die Befreiungstheologie auf das heftigste bekämpften.

Jorge Bergoglio aber machte als Kleriker Kariere unter Förderung der Päpste Wojtyła und Ratzinger. Sie förderten ihn. 1992 weihte ihn Papst Wojtyła zum Weihbischof, 1998 wurde er Erzbischof von Buenos Aires. Schließlich wurde er von Johannes Paul II.  2001 mit der Ernennung zum Kardinalpriester papstfähig gemacht und zum Kardinal ernennt.

Der neue Papst steht vielmehr der Vereinigung Comunione e Liberazione nahe, einer reaktionären Gruppe, die sowohl von Papst Johannes Paul II. wie auch Benedikt XVI. gefördert wurde, also v on nicht eben progressiven Päpsten. Die Vereinigung Comunione e Liberazione angegliedert ist die Priesterbruderschaft der Missionare des heiligen Karl Borromäus, die sich stark der Gegenreformation zuwendet.

Das also ist der Franz Nummer eins – kein Befreiungstheologe, eher das Gegenteil dessen. Und der mauschelte in der Zeit der Militärdiktatur mit den Generälen der Junta.

Jorge Bergoglio war damals Chef der Jesuiten in Argentinien. Zwei Mitglieder seines Ordens, Orlando Yorio und Francisco Jalics, engagierten sich für die Armen. Bergoglio schloss sie wegen theologischer Differenzen aus dem Orden aus. Und prompt ließen die Junta-Generäle diese beiden entführen, monatelang inhaftieren und foltern. Der Provinzial ihres Ordens, de jetzige Papst, rührte keinen Finger für sie.[1]

Die Madres de la Plaza de Mayo, von Reportern dort in Buenos Aires auf die Wahl Bergoglios zum Papst angesprochen, zeigten sich entsetzt.

Ich sehe hier eine klare Parallele zur Wahl Wojtyła zum Papst. Damals bemerkte der Imperialismus sehr wohl die wirtschaftlichen und vor allem die ideologischen Probleme der sozialistischen Länder und man suchte Wege, hier Wühl- und Zersetzungsarbeit zu leisten. Was lag näher, als einen reaktionären Kleriker aus einem dieser Länder zum Papst zu wählen? Infrage kamen damals Ungarn, die Czechoslowakei und Polen. In Ungarn und in der CSSR war der Einfluss der Kirche begrenzt, auch weiß ich nicht, ob wahlfähige Kardinäle aus diesen Ländern zur Verfügung standen.

In Polen aber war die Kirche stark und sie wurde, indirekt gefördert durch die Partei- und Staatsführung, immer stärker. Ein Kleriker aus Polen wäre eine Art Fanal für alle Katholiken in sozialistischen Ländern geworden. Johannes Paul II. erfüllte die Erwartungen perfekt.

In Lateinamerika ist in den letzten Jahren eine antiimperialistische Strömung zum breiten Strom geworden. Ausgehend von Venezuela breitete sich die Bolivarische Bewegung in ganz Lateinamerika aus. In Argentinien regiert die linksgerichtete Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, in Bolivien der sozialistische Präsident Juan Evo Morales Ayma, in Ecuador wurde letztens sogar die Weltbank mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt.

Eine auf Anregung des Präsidenten Venezuelas, Hugo Chavez, gegründete Bank des Südens (Banco del Sur), die in Konkurrenz zur Weltbank und dem IWF steht, versorgt die Länder zu fairen Bedingungen mit Kapital. Die Abhängigkeit von IWF und Weltbank, somit auch vom US-Imperialismus, schwindet, die Imperialisten sehen in Lateinamerika ihre Felle davon schwimmen. Diese Länder können den Finanzdiktatoren der Weltbank und des IWF nun eine lange Nase machen und das Kapital nicht für die Profite der Konzerne in den UJSA und Europa, sondern nun für die Wohlfahrt der Bürger ihres Landes verwenden,

Es wird die wichtigste Aufgabe der neuen Papstes sein, die Lateinamerikaner wieder zu braven und gehorsamen Schäfchen auf dem USA-Hinterhof zu machen, die zwar mal blöken dürfen, aber dann von Hütehunden in den Regierungen ins Bein gebissen werden und sonst das tun, was die Imperialisten wollen.

Ich denke aber, die Völker haben die Nase voll von den Kläffern Washingtons, die wollen die Früchte ihrer Lände selbst ernsten und sich nichts mehr vorschreiben lassen, vor allem nicht, wem ihr Land und ihre Bodenschätze gehören. Daran wird auch der neue Papst nichts ändern können.

Ich hoffe, die Völker sind wachsam genug und lassen sich nicht vom frommen Gesäusel einlullen, nicht vom Weihrauch betäuben und nicht vom Weihwasser besoffen machen – und mag alles auch noch so verlockend sein.

G.A.



[1]  Siehe: Der Junta-Papst mehr