„Ich habe in Kambodscha eine Menge Freunde und Bekannte, war selbst schon am Grab von Pol Pot und konnte aber eine „tiefe Zuneigung“ der Bevölkerung zu den Roten Khmer, wie sie hier behauptet wird, absolut nicht erkennen.“

kambodschaZum Thema Pol Pot und Rote Khmer schrieb Cathrin:

„Wenn hier irgendwo Geschichtsfaelschung betrieben wird, dann doch wohl mit diesem Artikel. Vor etwa 1 1/2 Jahren bin ich mit einer ganz aehnlichen Aussage konfrontiert worden. aber dieser Artikel setzt noch eins drauf. Ich bin entsetzt, dass so etwas in kommunistischen Kreisen zirkulieren kann und es widerstrebt mir zutiefst, die Autorin als meine Genossin zu bezeichnen. Die Leugnung des Genozids in Kambodscha hat fuer mich die gleiche Bedeutung wie die Leugnung des Holocaust.

Leider fehlt es mir im Moment an der Zeit, ausfuehrlich darauf einzugehen. Deshalb nur einige Links zu meinem Blog, in dem ich mich schon oft mit dieser Problematik beschaeftigt habe:
http://cathrinka.blog.de/2009/01/08/7-januar-1979-ende-voelkermordes-5342789/
http://cathrinka.blog.de/2009/05/25/mysterium-organisation-angka-laengerer-ausflug-juengere-kambodschanische-geschichte-6175885/
http://cathrinka.blog.de/2009/12/21/trauma-volkes-7616641/
http://cathrinka.blog.de/2010/07/28/suesse-klang-voelkermords-9061143/
http://cathrinka.blog.de/2012/01/07/beziehungen-vietnam-kambodscha-12406814/
Ich habe in Kambodscha eine Menge Freunde und Bekannte, war selbst schon am Grab von Pol Pot und konnte aber eine „tiefe Zuneigung“ der Bevoelkerung zu den Roten Khmer, wie sie hier behauptat wird, absolut nicht erkennen.

Der letzte Absatz mit der Kritik an der KPV ist dann einfach nur noch laecherlich.“

Es gab auf ihrem Blog heftige Diskussionen, bei weitem nicht immer klassenmäßige. Auch von ihr nicht. Sie sieht es aus vietnamesischer Sicht und zitiert westliche Autoren. Meine Antwort ist so (und K. – der mich vorhin anrief – gab mir im Prinzip recht):

„Danke, Cathrin, für die vielen Hinweise. Ich habe mich bemüht, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen und neben dem Text von L.P. auch andere Quellen unterschiedlicher Art heranzuziehen. Nun ist es für uns schwer, die Wahrheit herauszufinden, einerseits weil die Sache schon so lange her ist, und weil belastbare Unterlagen, Beweise und Zeugenaussagen möglicherweise nicht mehr oder nur schwer aufzutreiben sind (z.B. wer bezahlte die Waffen?). Und andererseits, wenn wir schon von Fälschung reden: weil die mutmaßlichen Fälscher bisher nicht überführt wurden*. Die Sache emotional zu betrachten, führt nicht weiter. So gesehen ist der vorliegende Text auch nichts weiter als eine Schlußfolgerung. Eine parteiliche Betrachtungsweise aus der Sicht des Marxismus-Leninismus läßt die Gedanken der Autorin zumindest sehr wahrscheinlich werden. Das spricht für sie, und keinesfalls für die Imperialisten.

Von den meisten westlichen Buchautoren ist eine marxistisch-leninistische Einschätzung wohl eher nicht zu erwarten. Wenn es sich also beim Sturz von Lon Nol um das Ergebnis eines antiimperialistischen Kampfes gehandelt hat, und in der Folge um eine Revolution gegen die herrschende Ausbeuterklasse, so ist ein Vergleich mit dem Faschismus hier absolut unangebracht. Totenschädel allein und Gemälde genügen nicht. Entscheidend sind die Hintergründe, Absichten und Zusammenhänge, und entscheidend ist eben auch die Klassenfrage, wenn man sich ein Urteil bilden will.

Die Geschichte ist also offenbar komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint, zumal die USA von Anfang an ihre schmutzigen Finger im Spiel hatten und vor allem Zwietracht säten. Zusätzlich wird die Aufklärung heute natürlich auch dadurch erschwert, daß sich der Imperialismus gegenwärtig in einer stärkeren Position befindet und keineswegs daran interessiert sein dürfte, die Wahrheit herauszufinden. Welchen Grund sollten die Roten Khmer denn gehabt haben, „das eigene Volk abzuschlachten“? Mit apodiktischen Feststellungen, die Sache sei eben so oder so gewesen, kommt man jedenfalls auch nicht weiter…“

*(Ganz im Gegensatz zu Katyn. Hier wurden die Fälscher durch Prof. Iljuchin entlarvt.
Siehe: Fälscher im Russischen Staatsarchiv. In der Katyner Sache ist eindeutig klar, daß die Nazis die polnischen Offiziere erschossen haben.)

Rote Grüße
G.

Siehe: Warum erinnert sich das Volk von Kambodscha voller Zuneigung an den „Tyrannen“ Pol Pot? mehr