Hans Beimler Kamerad – vor 80 Jahren fiel in der Schlacht um Madrid der Kommunist und Kommissar der Interbrigaden Hans Beimler

beimler_briefmarkeSeine Heimat musst er lassen, weil er Freiheitskämpfer war

Vor 80 Jahren fiel Hans Beimler vor Madrid

von Nico Diener

Quelle: AmericanRebel vom 1. Dezember 2016

siehe auch: Hans Beimler: Mörderlager Dachau

Vor Madrid auf Barrikaden
In der Stunde der Gefahr
Mit den Inter-Kampf-Brigaden,
Sein Herz voll Hass geladen,
Stand Hans, der Kommissar.

Seine Heimat musst er lassen
Weil er Freiheitskämpfer war
Auf Spaniens blut’gen Straßen
Für das Recht der armen Klassen
Starb Hans, der Kommissar.

Eine Kugel kam geflogen
Aus der “Heimat” für ihn her
Der Schuss war gut erwogen
Der Lauf war gut gezogen -
Ein deutsches Schiessgewehr.

Kann dir das Wort drauf geben
Vencerá la liebertsd!
Und du wirst weiterleben
In uns und unserem Streben -
Hans Beimler, Kamerad.

Text: Ernst Busch, Musik: trad. (nach der Melodie von “Ich hatt’ einen Kameraden”).
Version von 1953

beimler_kamerade_originalHans Beimler, Kamerad von abertausend Genossen auf der ganzen Welt, starb heute vor 80 Jahren am 1. Dezember 1936 – Wer genau war der unbeugsame Genosse, nach dem, nicht nur in der DDR, Straßen, Plätze, Schiffe und Schulen benannt wurden?

Hans Beimler wurde in München geboren und wuchs in Waldthurn in der Oberpfalz bei seiner Großmutter auf, wo er die Volksschule besuchte und das Schlosserhandwerk erlernte. 1913 wurde Beimler in München Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Den 1. Weltkrieg musste er als Matrose mitmachen; im November 1918 beteiligte er sich an der Revolution in Cuxhaven. Er wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und nahm im Mai 1919 aktiv an den Kämpfen um den Erhalt der Münchner Räterepublik teil. Mit seiner Frau Lena, die er 1919 heiratete, hatte er zwei Kinder, die 1919 geborene Rosi und den 1921 geborenen Hansi. Von 1921-23 saß er als politischer Häftling in der Strafanstalt Niederschönenfeld ein (Verurteilung wegen angeblich geplanter Brückensprengung, die die Verlegung bayerischer Truppen in das mitteldeutsche Aufstandsgebiet verhindern sollte). 1925 wurde er als Gewerkschaftsverantwortlicher in die KPD-Bezirksleitung Südbayern gewählt. Nach dem Freitod seiner ersten Frau Lena war er als Sekretär des Unterbezirks Schwaben der KPD in Augsburg tätig und wurde 1929 in den Stadtrat gewählt. In Augsburg heiratete er die Münchnerin Centa Herker-Beimler, geb. Dengler.

Aufgrund seiner inzwischen großen Popularität in Bayern stieg er 1932 zum politischen Leiter im Bezirk Südbayern auf und war von April bis Juli Abgeordneter des Bayerischen Landtages, anschließend bis 1933 dann Mitglied im Deutschen Reichstag. Am 11.4.1933 erfolgte in München die Verhaftung durch die Nazis, die ihn im Polizeigefängnis wie auch im Konzentrationslager Dachau, in das er am 25.4.1933 verschleppt wurde, brutal folterten. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1933 gelang ihm die Flucht über München, Berlin und Prag in die Sowjetunion. Ab Ende 1933 bis zum Sommer 1936 arbeitete er in Paris, Prag und Zürich für die Rote Hilfe, um den Widerstand in Deutschland zu unterstützen. 1934 wurde Beimler aus Nazideutschland ausgebürgert. Als Teilnehmer am spanischen Bürgerkrieg und politischer Kommissar des “Thälmann-Bataillons” der XI. Internationalen Brigade, fiel er am 1. Dezember 1936 vor Madrid.

Nach der Flucht Beimlers aus dem Konzentrationslager Dachau wurde im August 1933 in Moskau sein Erlebnisbericht “Im Mörderlager Dachau – Vier Wochen in den Händen der braunen Banditen” veröffentlicht. Das Buch fand als eines der ersten authentischen Zeugnisse über den Terror in den deutschen Konzentrationslagern weltweite Beachtung. Hier ein kurzer Auszug:

(…) Während ich so … nachdachte, wurde die Tür meiner Zelle aufgestoßen und drei SS-Männer … traten ein mit den Worten: “Jetzt haben wir dich, Hetzer, du Landesverräter, du Bolschewistensau, du Bonze.” (Danach beschreibt er, wie er Jacke und Hose ausziehen musste und, auf einer Pritsche liegend, mit einem Ochsenziemer geschlagen wurde, Anm. der Red.).

Nun überreichte er (der Lagerverwalter Vogel, Anm. der Red.) mir einen 2 Meter langen Kälberstrick von der Stärke eines Fingers und forderte mich auf, denselben am kleinen Wasserleitungshahn aufzuhängen. … Ich stieg auf die Pritsche und hängte den Strick … an den Hahn. Nachdem ich wieder heruntergestiegen war, gab er mir folgende Weisung: “Wenn in Zukunft wieder jemand die Zelle betritt, haben Sie eine militärische Haltung einzunehmen und zu sagen: ‘Der Schutzhaftgefangene Beimler meldet sich zur Stelle’ und” – auf den Strick zeigend – “sollten Sie irgendwelche Zweifel bekommen, dann steht er ihnen zur Verfügung.” Später: “Na, Beimler, wie lange gedenkst du denn die Menschheit mit deinem Dasein zu belästigen? Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du in der heutigen Gesellschaft, im Nationalsozialistischen Deutschland, ein überflüssiges Subjekt bist.” Ihm wurde eine “Frist” von 2 Stunden gesetzt. Nach einer Stunde erschien einer der SS-Männer und knüpfte die Schlinge: “So, jetzt habe ich alles getan, was ich tun konnte, mehr kann ich dir nicht helfen. Also, du brauchst jetzt bloß mehr den Kopf hineinzustecken, das andere Ende in das Fenster hinhängen und alles ist fertig. In zwei Minuten ist alles erledigt. Es ist doch nichts dabei; außerdem kommst du ja doch nicht mehr lebendig aus der Zelle raus. Der Befehl des Herrn Kommandanten muss ausgeführt werden!”

(…) Sie hatten die Zellentür kaum zwei Minuten zugeschlossen, da wurde schon wieder aufgesperrt. – Der Mordbandit riss mich mit dem Wort: “Raus!” aus der Zelle und warf mich in die Zelle 4. Es war der erschütterndste Augenblick meines Lebens. Vor meinen Füßen auf dem Steinboden lag die zerschundene, mit dicken Beulen bedeckte Leiche meines langjährigen Kampfgenossen Fritz Dressel.

Der linke Arm lag ausgestreckt auf dem Boden, quer über den Vorderarm drei Schnitte, das Brotmesser daneben.

Es war alles aufgeklärt. Der Genosse wurde durch die unerhörte Quälerei in den Tod getrieben, gezwungen, Hand an sich zu legen, wie das an mir und auch an den Genossen Götz und Genossen Hirsch geschah. Er wurde dabei “unvorsichtigerweise” von einem Sturmführer gefunden, als er noch nicht verblutet war…

Sollte ich vielleicht so lange bei meinem toten Genossen in der Zelle gelassen werden – bis ich es ihm gleichtat? – Wenn sie mich auch nach wenigen Minuten wieder aus der Zelle holten und in “meine” zurückbrachten – so sollte ich doch gleich erfahren, warum sie mich in die Todeszelle geworfen haben.

“So!” – sagte der Verbrecher, im Lager als Kommandant bezeichnet – “so, jetzt hast du es wohl gesehen, wie man es macht. Du musst nicht glauben, dass du deshalb zu deinem Freund hineingekommen bist, um ihn nochmals zu sehen und von im Abschied zu nehmen, du sollst bloß sehen, wie man es macht, und dass er nicht so feig war. Er hatte mehr Charakter als du, feige Sau. (…)”

Hans Beimler, Kommisar der Internationalen Brigaden

Im Juli 1936 begann der faschistische Aufstand in Spanien. Dieser Aufstand war eine Antwort der Reaktion auf den Sieg der spanischen Volksfront bei den Parlamentswahlen im Februar (zum ähnlichen Zeitpunkt hatte auch die Volksfront im Nachbarland Frankreich einen Sieg gefeiert). Während der ersten Wochen war der Aufstand nicht erfolgreich. Ein Großteil des Heeres und fast die ganze Flotte sind nicht den Generälen gefolgt, und die republikanische Regierung konnte die Macht in den meisten Städten erhalten. Einer der Anführer des faschistischen Aufstandes, General Molah, schrieb in den ersten Tagen an Franco, er hielte die Sache für verloren. Dann kam Hilfe für die Aufständischen von außen. Mit Transportflugzeugen des faschistischen Hitlerdeutschlands wurden 18.000 voll bewaffnete marokkanische Soldaten und Offiziere und dann auch Fremdenlegionen nach Spanien eingeflogen. Auf Hitlers Weisung wurden mehrere Fliegerregimenter (die so genannte Legion Condor) geschickt. Außerdem erhielten die aufständischen spanische Faschisten 650 Flugzeuge, etwa 200 Panzer und 700 Geschütze aus Nazideutschland.

Das faschistische Italien schickte über 150.000 Soldaten und Offiziere, mehr als 1.000 Flugzeuge, 950 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, fast 2.000 Geschütze und riesige Mengen von Munition nach Spanien. Faschistische Länder begannen eine breite propagandistische Kampagne, der Berliner Rundfunk teilte der Welt mit, dass eine Gefahr der “Bol­schewisierung” Spaniens drohe und dass die sozialistische Sowjetunion Spanien für einen “Sprung nach Frankreich” benötige. Westliche Demo­kratien haben die spanische Republik in keiner Weise unterstützt. Sie mischten sich nicht in angeblich “spanische Angelegenheiten” ein.

Die Führung der Sowjetunion (UdSSR) ging davon aus, dass, wenn alle Großmächte an dieser Politik festhalten würden, die spanische Republik den Aufstand auch alleine niederkämpfen könne, und hat diesen politischen Ansatz zunächst unterstützt. Aber sehr bald wurde klar, dass beide faschistischen Mächte es nicht beabsichtigten, dem Geschehen fernzubleiben und dass sie ihre Einmischung in den Bürgerkrieg in Spanien verstärkten. Bereits im Oktober 1936 hat die sowjetische Regierung von der Notwendigkeit gesprochen, der vom Volk gewählten Regierung Spaniens erneut das Recht und die Möglichkeit zu geben, Waffen außerhalb Spaniens zu kaufen.

Im Laufe eines Jahres “von Oktober 1936 bis September 1937″ sind 23 Transportschiffe mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kriegsmaterial aus sowjetischen Häfen in Richtung Spanien ausgelaufen. Die spanische Republik wurde mit 806 Kampfflugzeugen, 1.555 Geschützen und über 15.000 Granatwerfern unterstützt. Sowjetische Flieger, Artilleristen und Panzergrenadiere kamen dem spanischen Volk zur Hilfe. Als militärische Berater der republikanischen Armee kamen hervorragende militärische Spezialisten, und 160 sowjetische Flieger nahmen an der Verteidigung Madrids teil. Die Gesamtzahl der sowjetischen militärischen Spezialisten, die auf der Seite der Republik gekämpft haben, betrug 2.000.

In der UdSSR entwickelte sich eine breite Solidaritätskampagne mit der Spanischen Republik. Arbeiter, Bauern, Ingenieure, Ärzte, Künstler haben Geld gesammelt, mit dem Waren für die spanische Bevölkerung bezahlt wurden. An Kundgebungen in Moskau, Leningrad und anderen Städten nahmen Hunderttausende teil. Tausende Kinder republikanischer Kämpfer wurden in die UdSSR geschickt und vom Sowjetvolk herzlich begrüßt.

Viele Städte Spaniens wurden von den Eindringlingen aus der Luft bombardiert und von der See beschossen, zwei Städte, Almeria und Guernica, ganz zerstört. Die Förderer der Aufständischen haben versucht, eine Blockade der Republik zu organisieren. Italienische U-Boote griffen sowjetische Schiffe an. Die Transportschiffe “Komsomol”, “Timirjasjew” und “Blagojew” wurden versenkt. Die sowjetische Regierung nahm an der Konferenz von neun Staaten in Nion (September 1937) teil, auf der England und Frankreich, die eine Ausweitung der Piraterie befürchteten, eine Verpflichtung übernahmen, jedes U-Boot bzw. Flugzeug zu vernichten, das Handelsschiffe angegriffen hat.

Die Ereignisse in Spanien machten den demokratischen Kräften deutlich, dass der Faschismus zur bewaffneten Offensive übergegangen ist. Überall entstanden Solidaritätskomitees mit der Spanischen Republik. In Spanien wurden sechs internationale Brigaden aus Freiwilligen gebildet, die von allen Kontinenten gekommen waren. Ihre Gesamtzahl betrug über 30.000. Das waren in der Regel Mitglieder kommunistischer und sozialistischer Parteien. Um die spanische Republik zu verteidigen sind Palmiro Togliatti, Luigi Longo und Pietro Nenni (Italien), Franz Dahlem, Hans Beimler, Erich Mielke, Manfred Stern und Ludwig Renn (Deutschland), André Malraux (Frankreich), Ralf Fors (England), Mate Zalka (Ungarn), Karol Svercherskj (Polen) und viele, viele andere gekommen. Nicht weniger als die Hälfte der Freiwilligen ist ums Leben gekommen bzw. wurde verletzt, und viele sind Invaliden geworden.

Hans Beimler wurde zum Kommissar der beiden deutschen Bataillone “Ed­gar André” und “Thälmann” er­nannt. Ende November 1936 waren die schweren Kämpfe um Madrid abge­flaut und der Angriff der Franco-Trup­pen zum Stehen gebracht worden. Vor seiner Abreise nach Barcelona wollte Hans Beimler am 1. Dezember mit seinem Begleiter Franz Vehlow (“Louis Schuster”) die Stellungen des Thälmann-Bataillons besuchen. Allen Warnungen zum Trotz benutzte er einen von faschistischen Scharfschützen, wahrscheinlich Marokkanern, einsehbaren Hohlweg unweit des zur Universität gehörenden Musterguts “El Palacete”.

Was in den nächsten Minuten wirklich geschah, wird wahrscheinlich nie mehr definitiv aufgeklärt werden können, zu unterschiedlich sind die Aussagen der Zeitzeugen. Nach offizieller Darstellung wurde Hans Beimler von einer Kugel mitten ins Herz getroffen und war sofort tot. Vehlow, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde am Kopf verletzt und verstarb ebenfalls kurz darauf. Schnell wucherten Gerüchte, Beimler, der Unbequeme, der Unangepasste, sei von den eigenen Leuten umgebracht worden. Die Mord-These wurde aber schnell widerlegt. Hans Beimler erwarb sich durch seinen mutigen und unerschrockenen Kampf nicht nur die tiefe Achtung seiner Kameraden in Spanien, er wurde zum Vorbild vieler tausend Kämpfer und Kämpferinnen der Internationalen Brigaden.

Die geografische Nähe Deutschlands und Italiens zum Schauplatz und der reibungslose Nachschub für die Aufständischen aus beiden großen faschistischen Staaten führten zum wesentlichen Vorteil der Faschisten und ihrer Verbündeten gegenüber den Kräften der republikanischen Armee. Im März 1939 nach 32 Monaten eines heldenhaften Kampfes ist die Spanische Republik gefallen. Für fast 40 Jahre wurde im Land eine totalitäre Diktatur errichtet. Aber das war nur die erste Schlacht in der stürmischen Geschichte der 30er und 40er Jahre.

Quellen: Ilja Kremer (Moskau), Roter Morgen Dez. 1976, Hans-Beimler-Zentrum Augsburg, Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936 – 1939 e.V.

Siehe auch:
Spanische Erinnerungen
Frauen und der spanische Krieg 1936 – 1939