Eigentlich hat er mir eine Ehre erwiesen, wenn er der Meinung war, dass ich genauso gefährlich für den Staat Israel sei, wie Hitler für die Juden. Beschämt und diffamiert hat er nur sich selbst und die Zeitungen, die ihn beschäftigen.

Brief des Verlegers Abraham Melzer an die Zeitung „DIE WELT“

Henryk M. Broder schwingt die Antisemitismuskeule

Henryk M. Broder schwingt die Antisemitismuskeule

Sehr geehrter Herr Schuster,

noch etwas zu Ihrer Aufregung über das Wort „Schreiberling“:

Ihr Starreporter Henryk M. Broder scheut auch vor heftigen Schmähungen nicht zurück. Über Bodo Ramelow schrieb er am 13. September 2014 um  20:05 in seinem Blog:  „Lassen wir es mal offen, ob B.R. ein Antisemit light oder ein arrogantes, kaltschnäuziges Arschloch ist, das aus geringstem Anlass hyperventiliert.“ Noam Chomsky war für HMB ein „absoluter Psycho“, Alfred Grosser nannte er „eine postsenile Plaudertasche“ Horst Eberhard-Richter betrieb für ihn „Psychoanalyse auf Al-Kaida Niveau“ und Jörg Zink, ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer, Publizist und einer der bekanntesten Sprecher der Friedens- und Ökologiebewegung, war für ihn ein „alter Nazi im Theologen Kostüm“, weil er Verständnis für den Mut jugendlicher palästinensischer Selbstmordattentäter hatte.

Mit Stephan Weichert und Lutz Hochmeister war er mehrmals vor Gericht wegen persönlicher Beleidigung, Reuven Moskowitz nannte er den „nützlichen Idioten der Linken“ und Jakob Augstein war für ihn ein „lupenreiner Antisemit“. Günter Grass sei, so meinte er, „nicht ganz dicht, aber ein Dichter“,  und „Peter Scholl-Latour, Michael Lüders, Udo Steinbach, Volker Perthes, Ulrich Kienzle, Sussane Knaul, Günther Meyer, Karin Leukenfeld, Jörg Armbruster, Sebastian Engelbrecht, Norbert Blüm, Alice Schwarzer, Rainer Werner Fassbinder, Christian Ströbele, Rupert Neudeck u.v.a. gehörten wohl der „gleichen Bande“. Sie alle haben es gewagt, an Broders Zensur vorbei, Israel zu kritisieren. Auch Juden wie Michael Wolffsohn, Thomas Rothschild, Rafael Seligmann, Hajo Meyer und ich wurden von ihm nicht verschont und lächerlich gemacht. Dabei sind Wolffsohn und Seligmann genauso  brave Zionisten, wie Broder selbst, und Rafael Seligmann würde sich sogar zur Verteidigung des zionistischen Staates freiwillig melden, wenn er noch wehrtauglich wäre.

Über mich und meinen Autor, den Auschwitzüberlebenden Hajo Meyer, den Broder als „Berufsüberlebenden“ diffamiert hat, sagte er: „Sie machen den Leipzigern den Adolf“. Hajo Meyers Vergehen war, dass er ein Buch mit dem Titel, Das Ende des Judentums,* schrieb. Darin vertrat er die These, dass der Staat Israel mit seiner militanten und brutalen Politik, die Moral des Judentums ad Absurdum führt. Mein Vergehen war, dass ich Meyers Buch verlegt habe. Hajo Meyer ist inzwischen tot. Er starb 90-jährig Anfang September 2014 in seinem Haus in der Nähe von Amsterdam.

Ich bedauere heute, dass ich damals Broder wegen Beleidigung verklagt habe. Eigentlich hat er mir eine Ehre erwiesen, wenn er der Meinung war, dass ich genauso gefährlich für den Staat Israel sei, wie Hitler für die Juden. Beschämt und diffamiert hat er nur sich selbst und die Zeitungen, die ihn beschäftigen.

MfG

Abraham Melzer