Die Mehrheit der Mitglieder der KPRF sind nostalgisch empfindende Kleinbürger. Sind wissen und verstehen nur eines sehr genau: bei der Sowjetmacht war alles besser. Bei der Sowjetmacht bekamen sie hundert Rubel und das reichte für alles aus, und jetzt haben sie eine Rente von 5.000 Rubel, und das reicht nicht einmal mehr für die Medikamente. Es größtenteils keine schlechten Menschen, sie haben ein Leben lang gearbeitet und sie lehnen die bürgerliche Ordnung instinktiv ab. Doch sie haben keinen Begriff davon, was wissenschaftlicher Kommuinismus ist und was in unserer Gesellschaft tatsächlich vor sich geht.

rabotsch
Wie die KPRF den Kapitalismus stärkt…    

von Fatima Bikmetowa

Quelle: Рабочий путь vom 02.12.2013

Übersetzung: Florian Geißler

Scheinbare Freunde sind gefährlicher als offene Feinde. Die Feinde der kommunistischen Idee stehen öffentlich dagegen auf, sie lehnen sie wütend ab, sie lügen und sie verleumden sie. Bei ihnen ist alles klar – Feinde sind eben Feinde. Anders handeln dagegen die scheinbaren Freunde. Sie bezeichnen sich im Gegensatz zu jenen als Anhänger der kommunistischen Idee, sie nennen sich Kommunisten (manchmal halten sie sich sogar selbst dafür). Dabei entstellen sie völlig die kommunistische Idee, verwischen alle Begriffe, verdunkeln den Sinn und reißen auf spießige Weise alles ein, was bisher zustande kam. Um sich mit den wirklichen Feinden des Kommunismus zu versöhnen, um sie zufriedenzustellen, sagen sie sich von allem los, was damit verbunden ist, sie erfinden irgendeinen „Kommunismus ohne Kommunismus“ und bringen diesen verräterischen Schandbrei als den wahrhaftigsten Kommunismus dar. Und sie erklären sich für die wahren Kämpfer für den Kommunismus – für Kommunisten. Diesen Pseudokommunisten sind für die Sache des Kommunismus schädlicher, als dessen aufrichtige Feinde. Die Feinde diskreditieren ihn, und die Pseudokommunisten entstellen und verzerren ihn.

Die pseudokommunistische Sjuganowsche KPRF ist heute für unsere Sache schädlicher, als alle aufrichtigen antikommunistischen Parteien; der Sjuganowsche „Kommunismus“ ist schlimmer als jeder Antikommunismus. Die Sjuganowtruppe und ihre Anhänger sind eine echte „Anti-Reklame“ für den Kommunismus, eine Goldgrube für die antikommunistische Propaganda. Der Spießbürger sieht irgendwelche unverständlichen, eiligen Versöhnter, die ebenso, wie alle übrigen bürgerlichen Parteien, der „Wählerschaft“ hinterher jagen, die ebenso bereit ist, zu versprechen, und die ebenso, wie alle übrigen, friedlich davon träumen (und es ist sehr nützlich für deren Portemonnaie), einen Sitzplatz im bürgerlichen Parlament zu haben. Die bürgerliche Propaganda benutzt sie als nette Wesen, und stellt mit Schadenfreude fest: Das sind sie, die Kommunisten, sehen Sie sich das an! So sind sie: Sie sind eigennützig wie alle, sie sind schlau wie alle und sie sind Demagogen wie alle anderen auch! Wie soll man sie von den übrigen unterscheiden? Und der Kleinbürger glaubt, und der Kleinbürger ist überzeugt – die Sjuganowtruppe, das ist der Kommunismus.

In Wirklichkeit sind die Mitglieder der KPRF in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht nur keine Kommunisten, sondern sie haben überhaupt keine besondere Ideologie. In dieser Hinsicht ist die Sjuganow-Partei vergleichbar mit einer Mülltonne, man wirft hinein, was nicht mehr gebraucht wird – bis sie voll ist.

Die Sjuganowsche bunte Mischung

Die Mehrheit der Mitglieder der KPRF sind nostalgisch empfindende Kleinbürger. Sind wissen und verstehen nur eines sehr genau: bei der Sowjetmacht war alles besser. Bei der Sowjetmacht bekamen sie hundert Rubel und das reichte für alles aus, und jetzt haben sie eine Rente von 5.000 Rubel, und das reicht nicht einmal mehr für die Medikamente. Es größtenteils keine schlechten Menschen, sie haben ein Leben lang gearbeitet und sie lehnen die bürgerliche Ordnung instinktiv ab. Doch sie haben keinen Begriff davon, was wissenschaftlicher Kommunismus ist und was in unserer Gesellschaft tatsächlich vor sich geht. Sie glauben, dass das Sjuganowtum Kommunismus ist, und dass sie Mitglied in einer kommunistischen Partei sind.

Es ist nicht verwunderlich, dass viele von diesen kleinbürgerlichen „Kommunisten“ eifrige Kirchengänger sind. Sjuganow sagte voller Stolz, wie über eine besondere Errungenschaft, dass bei ihm in der Partei ein Drittel Gläubige sind. Und er ist der Führer einer  Partei von Kommunisten, einer Partei von Anhängern der materialistischen Lehre von Karl Marx? Es wäre klar, wenn er mit Bedauern darüber sprechen würde: „Also, Genossen, die reaktionäre klerikale Propaganda ist so stark, dass wir vorerst keine Kräfte haben, um erfolgreich dagegen anzukämpfen, man kann nicht nur die vollkommen klassenbewussten Bürger in eine Partei aufnehmen. Aber wir arbeiten daran, wir bilden weiter und wir bemühen uns, aus ihnen echte Kommunisten zu machen. Nein, Sjuganow stellt es wie einen Verdienst hin, dass ein Drittel der Mitglieder seiner Partei, einer marxistischen Partei, Antimarxisten, Mystiker sind. Damit will er offenbar „Pluralismus“ seiner Partei demonstrieren – doch in Wirklichkeit demonstriert er damit Beliebigkeit. Oder vielleicht hofft Sjuganow auch, dass nach solchen Worten der Pope Gundjajew gerührt ist und die KPRF segnen wird? (Und wenn das so weiter geht, dann ist daran auch nichts Merkwürdiges. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich der Führer der KPRF an den Patriarchen von ganz Russland wendet mit der Bitte, für seinen Wahlsieg zu beten. Und der Patriarch wird beten und Gennadij Andrejewitsch Sjuganow segnen, in der Duma auch weiterhin für Festigung der bürgerlichen Ordnung zu arbeiten.)

Entweder Kommunismus oder Religion – ein Mittelding gibt es nicht!

Man darf gespannt sein, wie er sich verhalten wird, und was so ein gläubiger „Kommunist“ fühlen soll, wenn er in der Kirche für die „unschuldig von den Bolschewiki ermordeten“ heldenhaften Märtyrer „betet“? Wir es für Romanow beten, und die Bolschewiki verfluchen? Oder wird er andere dafür beten lassen? Oder so tun, als ob er das  Gebet nicht hört?

Oder wenn am Eingang Unterschriften für die Liquidierung des Lenin-Denkmals gesammelt werden – wie soll ein solcher Kommunist sich verhalten? Wenn du ein Gläubiger bist, dann heißt das, dass Lenin, der die Religion abgelehnt und bekämpft hat, dein Feind ist. Und wenn das so ist, was machst du dann in einer kommunistischen Partei, in einer Partei, die die Sache Lenins fortsetzt? Und umgekehrt: Wenn du in einer Leninschen Partei bist und auf der Position Lenins stehst, was suchst du dann in einer Kirche, die gerade erklärt hat, das Lenin ihr Feind ist?

Hier gibt es nur ein Entweder-Oder. Entweder du bist orthodox-religiös, oder du bist Kommunist. Entweder du erklärst dich für orthodox und kämpfst zusammen mit Gundjajew, verfluchst die Bolschewiki und erklärst den Sozialismus für „historisch abartig“. Oder du handelst wie ein Kommunist, bist ein Marxist-Leninist und erklärst, dass du die Religion als ein Instrument betrachtest, das zur Festigung der Macht in den Händen der herrschenden Klassen dient, und du bekämpfst sie. Kläre dich, und entscheide dich, wer du bist und wofür du bist – und dann handle schon entsprechend deinen Überzeugungen. Und wenn du versuchst, sowohl für die einen als auch für die anderen zu sein, dann bedeutet das, du bist weder Fisch noch Fleisch, du belügst doppelzüngig sowohl dich als auch die Menschen.

Das Karma der Sjuganowschen Mystik

Marx und Lenin standen auf festen Klassenpositionen – auf den Positionen des Proletariats. Sie hatten als Kommunisten, als Menschen klare Überzeugungen, und jede Verschwommenheit und Unbestimmtheit war ihnen verhasst. Sie wussten sehr gut, dass gerade die Verschwommenheit und das Unvermögen früher oder später zum Verrat führen. Ganz im Gegenteil dazu ist den Sjuganowanhängern ist die Verschwommenheit und Unbestimmtheit ganz recht. Deshalb kann man in ihrer Partei auch solchen der Natur widersprechenden Erscheinungen, wie „russisch-orthodoxen Kommunisten“ begegnen.

Im Übrigen gibt es in der KPRF neben dieser Mystik auch noch andere Richtungen. Beispielsweise solche, die an ein Karma glauben und an Transformation. Ein solcher Karmist kann detailliert alle Transformationen aufzählen, und er weiß genau, dass er zu seiner dritten Geburt ein Pharao, zu seiner fünften ein Tamerlan, und zu seiner siebenundzwanzigsten die Lieblingsfrau des indischen Radschi gewesen war. Warum ist für einen solchen Karmisten der Kommunismus unverständlich? Warum soll er um eine gerechte, klassenlose Gesellschaft kämpfen? Wenn es ihm plötzlich ist es ihm bestimmt ist, zu seiner folgenden Geburt ein Oligarch zu werden? Soll er sich deshalb eine Grube graben…

Die Sjuganowanhänger verachten den Marxismus-Leninismus

Wenn sich in der KPRF orthodoxe Kommunisten und kommunistische Karmisten treffen, warum sollten sie nicht auch nationalistische Kommunisten sein? Sie sind es, und sogar in großer Anzahl. Die Sjuganowanhänger dieser Kategorie missachten Lenin, da er auf den Positionen des Internationalismus stand, und umgekehrt heben sie Stalin dafür hoch, dass ihrer Überzeugung nach angeblich auf den Internationalismus verzichtet habe und für nationale Großmachtpositionen eingetreten sei. Bei Marx wissen sie nicht, wie sie sich verhalten sollen – Marx war Jude, und das ist schlecht! Freilich, warum das schlecht ist, können sie nicht sagen. Und im Übrigen sind einige sogar noch weiter gegangen in der Beziehung zu ihm. Sie wissen genau, dass Marx der getaufte Jude Mardochaj ist, und überhaupt, dass an allen Nöten Russlands und der Menschheit die Juden schuld sind. Wiederum ist unverständlich, warum diese „Kommunisten“ nicht zu den Skinheads gegangen. Wären sie doch gleich, anstatt sich unter dem roten Banner zu versammeln, unter dem Hakenkreuz marschiert und hätten Hitler verehrt, der die Juden vernichtete.

Solch’ eine abgestandene, ideologische kalte Brühe stellt die Sjuganow-Partei dar. Man kann möglicherweise sagen, dass Sjuganow selbst ein guter Mensch ist, und dass er in seiner Güte niemand deshalb kränken will, und deshalb alle nacheinander aufnimmt. Oder, dass er vielleicht in seiner Partei verschiedene Ideologien vereinigen will. Aber gerade das ist Opportunismus. Der Wunsch, sich mit niemandem zu verzanken und alle zufriedenzustellen, gegensätzliche Ideen auf einen Haufen zu werfen – und man erhält keine Ideologie, sondern einen spießerischen Brei.

Wählen Sie uns – sonst gibt es eine Revolution!

Man kann sich unfehlbar davon überzeugen, dass die KPRF, die sich kommunistisch nennt und eigentlich nicht ist, eine antikommunistische Partei ist. Es reicht aus zu beobachten, wie sie ihre Kundgebungen beenden und was die KPRFniks schließlich in ihren Artikel darüber schreiben. Nachdem sie die Notlage im Land beschrieben haben, erklären sie, dass die Geduld des Volkes schon am Ende ist, und dass der einzige Weg, um ein künftiges Blutvergießen zu verhindern, darin besteht, sie an die Macht zu wählen. Ja, man hält es nicht für möglich – „Kommunisten“, die das Volk vor der Revolution, also vor einem „Blutvergießen“(!) erschrecken. Und diese „Kommunisten“ bieten sich als ein Mittel der Rettung GEGEN die Revolution an!

Ach, Herr Sjuganow! Begreifen Sie eigentlich auch selbst, in welche Schande sie abgeglitten sind? Lenin und seine Genossen riefen auf zur Revolution, sie redeten über ihre Notwendigkeit, und sie bereiteten das Bewusstsein der Massen darauf vor – und Sie erschrecken die Arbeiter vor der Revolution! Und da soll es noch eine Revolution geben? Eine solche grundlegende Veränderung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens – in der Politik, in der Wirtschaft und in der sozialen Sphäre! Eine solche Veränderung, bei der die Macht in der Gesellschaft wirklich dem einfachen Volk gehören wird, und nicht Einzelnen, die sich für eine Elite der Gesellschaft halten. Die Revolution ist das, worauf Millionen unserer Bürger, die vom Ruin der letzten Jahrzehnte unendlich ermüdetet sind, leidenschaftlich warten. Gegen die Revolution aufzutreten, heißt gegen Veränderungen in der Gesellschaft zu sein. Die Bolschewiki bereiteten die Revolution vor, um die Arbeiter von der Herrschaft der Bourgeoisie zu befreien, und wen wollen Sie vor der Revolution retten? Die bürgerliche Ordnung? Von wegen „Kommunisten“!

Und woher haben Sie, Herr Sjuganow, denn genommen, dass die Revolution gerade morgen kommen und auf uns herabfallen wird? Eine Revolution fällt nicht vom Himmel. Die Revolution muss man hartnäckig und zielgerichtet vorbereiten, man muss sie propagieren und über ihre Notwendigkeit reden. Und wer beschäftigt sich damit bei uns? Sie? Nein, Sie, wie auch die übrigen kleinbürgerlichen Parteien, haben aus der Revolution ein Schreckgespenst gemacht, und Sie schütteln sich von ihr und bitten bei der Bevölkerung darum, dass man Ihnen bei den bürgerlichen Wahlen die Stimme gibt, was nichts im Lande ändert und auch nichts ändern kann.

Der Bourgeoisie das Fleisch und dem Proletariat die Knochen

Ja, solange Sjuganow um das Recht des Kommunismus kämpft, kann die Bourgeoisie ruhig schlafen. Über die Utopie, dass die Arbeiter  auf parlamentarischem Weg an die Macht kommen, wurde viel gesagt. Wenn Sjuganow auch nur irgendwie eine Gefahr für die bürgerliche Ordnung darstellen würde, hätte man ihn dann wirklich in der Duma zugelassen? Man hat ihn dorthin gelassen, weil er überhaupt nicht gefährlich ist. Ganz im Gegenteil: er ist für die Kapitalisten sehr nützlich.

Nehmen wir einmal an, die KPRF käme an die Macht. Und weiter? Was würde diese „kommunistische“ Partei tun, die den „Sozialismus“ zu ihrem Ziel erklärt? Was würde dann geschehen? Vielleicht denken Sie jetzt, dass diese an die Macht gekommene Partei des Proletariats zu allererst eine Diktatur errichtet und das Privateigentum aufhebt? Dass die proletarischen Abteilungen durch die Straßen gehen und mit der Verstaatlichung beginnen. Dass sie der Bourgeoisie die Fabriken und Betriebe wegnehmen und sie ins Eigentum des Volkes zurückgeben? Keineswegs. Die Diktatur – sogar dieses Wort erscheint Gennadij Andrejewitsch viel zu heftig, und er mag nichts Heftiges. Ihm ist irgendwie so, dass sowohl dieser als auch jener zufrieden ist, und dass niemand etwas übelnimmt. Und sich am kapitalistischen Eigentum vergreifen – Gott bewahre! Das allergrößte, was die KPRF machen würde: solche Industriezweige, wie Gas, Erdöl, die Eisenbahnen, die Zentralbank und ein Paar Fernsehkanäle ins Eigentum des bürgerlichen Staates überführen. Und was bedeutet das? Alles was früher Privatpersonen gehört hat, das wird dann unmittelbar der Klasse der Bourgeoisie insgesamt, d.h. allen Kapitalisten gehören. Der ganze Rest – die Betriebe, die Fabriken, die Handelsnetze, die Banken werden nicht verstaatlicht, sie befinden sich wie eh und je in den Händen der Kapitalisten, der Privatunternehmer.

Daraus ergibt sich, dass die Sjuganowsche Nationalisierung eine Fiktion ist, ein Märchen für Idioten, die nicht verstehen, worin der Unterschied zwischen dem bürgerlichen Staat und dem Staat des arbeitenden Volkes besteht. Bei der Sjuganowschen Nationalisierung braucht die Bourgeoisie keinen Finger zu, und ihrem Eigentum droht keine Gefahr. Von solch einem „Sozialismus“ kann sie nur träumen. Deshalb spendet die Bourgeoisie der KPRF beeindruckende finanzielle Mittel für den Erhalt der Partei, weil solche „Kommunisten“ ihr sehr von Vorteil sind. Niemand beschützt die bürgerliche Ordnung vor den Eingriffen des arbeitenden Volkes besser als sie.

Die Pseudokommunisten der KPRF sind Verräter am Proletariat!

Aber die KPRFniks erklären, dass sie für den wahren Sozialismus sind. Sie erklären, dass sie den Markt regulieren werden, dass sie die Bourgeoisie verpflichten werden, den Arbeitern anständige Gehälter zu zahlen, Kindergärten usw. zu bauen. Was ist denn nach Meinung der KPRF ein anständiges Gehalt? Dass es für einen Sarg reicht? Das alles sind weiter nichts als Märchen, ist eine Utopie für Idioten, so ähnlich wie der Traum, man könne die Politik eines bürgerlichen Landes durch das bürgerliche Parlament beeinflussen. Das gab es noch nie, dass der bürgerliche Staat, dem die Klasse der Bourgeoisie aufgetragen hat, das Land zu verwalten, sich gegen deren eigene Interessen gestellt hat.

Wir haben alle in den letzten 20 Jahren gesehen, dass die Gesetze bei uns den Interessen der Bourgeoisie entsprechen. Und bei einer Sjuganow-Regierung wird das nicht anders sein. Die Kapitalisten behalten ihr Eigentum – das bedeutet, sie behalten die reale Macht – die Macht des Geldes. Und Sjuganow wird gezwungen sein, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Und er weiß das. Er will alle Kräfte der Bourgeoisie zufriedenstellen und die Arbeiter nicht zu sehr zu ärgern. Er will einen solchen Sozialismus, wo die bürgerlichen Wölfe satt werden und die proletarischen Schafe heil bleiben. Der arme „Kommunist“!

Und wohin hat der Sjuganowsche „Kommunismus“ geführt? Vom Materialismus zum Idealismus, zur Schmeichelei gegenüber der Gundjejewschen orthodoxen Religion, vom Internationalismus zum Nationalismus und zum Chauvinismus. Von der Revolution haben sich die Sjuganow-Anhänger losgesagt, nach einer Diktatur des Proletariats steht ihnen nicht der Sinn, und Aufhebung des Privateigentums – um Gotteswillen!

Was bleibt übrig? Feigheit, Verrat, Prinzipienlosigkeit und Spießbürgertum. Oder anders gesagt: Sjuganowtum.

(veröffentlicht am 02.12.2013)

Übersetzung: Florian Geißler