Die Inquisition verbot dem italienischen Priester Andrea Gaggero, am Kampf um die Erhaltung des Friedens teilzunehmen, doch als er sich weigerte, den Befehl der Kirche auszuführen, wurde ihm die geistliche Würde entzogen. Je nach Bedarf bedienen sich die heutigen Inquisitoren in Gestalt von Missionaren oder Mönchen manchmal der Methode des Mordes „ohne Blutvergießen“.

InquisitionDie päpstliche Inquisition

und die Ermordung des sowjetischen Schriftstellers Jarosław Hałan

von Jekaterina Andrejewa

So wild es auch klingt, aber auch im 20. Jahrhundert gab es die Inquisition. Der letzte Scheiterhaufen der Inquisition, auf dem lebendige Menschen verbrannt wurden, war 1826 in Spanien angezündet worden. Und 70 Jahre später besang Papst Leo XIII. in einer theologischen Monatsschrift[1] die „gesegneten Flammen der Scheiterhaufen“ und den grausamen Fanatiker Torquemada[2], der sich durch die „Vernunft seines Eifers“ heraushebt. Und obwohl heute der Qualm inquisitorischer Scheiterhaufen einer fernen Vergangenheit angehört, blieb der Geist der Inquisition dennoch erhalten, und wie schon früher, besteht die Tätigkeit der „heiligen Kongregation“ in der „Reinigung“ der katholischen Kirche von „Ketzern“.  Alle der Ketzerei Verdächtigten werden vom Kongregationsgericht verurteilt und exkommuniziert. „Gefährliche“ Bücher werden geächtet und verboten, und progressive Persönlichkeiten werden auf jede nur mögliche Weise verfolgt.

Der abgrundtiefe Haß des Vatikans auf den Kommunismus

Am wenigsten erträgt der Vatikan die Sozialisten und die Kommunisten. Am 1. Juli 1949 veröffentlichte die moderne Inquisition ein Dekret[3] über die Trennung von der Kirche von den Kommunisten, sowie von allen, die sich zum Kommunismus bekennen, ihn verteidigen und propagieren, die kommunistischen Parteien unterstützen und sogar von alle die ihre Zeitungen lesen.. Nachdem alle Kardinäle dieses Dekret angenommen hatten, erklärten sie, daß es im Interesse des Glaubens und der Moral sei. Die Inquisition verbot dem italienischen Priester Andrea Gaggero[4], am Kampf um die Erhaltung des Friedens teilzunehmen, doch als er sich weigerte, den Befehl der Kirche auszuführen, wurde ihm die geistliche Würde entzogen. Je nach Bedarf bedienen sich die heutigen Inquisitoren in Gestalt von Missionaren oder Mönchen manchmal der Methode des Mordes „ohne Blutvergießen“.

Jarosław_HałanDer geniale sowjetische Schriftsteller Jarosław Hałan

Es gibt aber auch blutige Mordfälle. So geschah beispielsweise 1949 in der Sowjetunion in der Stadt Lwow ein blutiger Mord an dem Schriftstellers Jarosław Alexandrowitsch Hałan. Er war geboren und aufgewachsen in Galizien, die Oktoberrevolution erlebte er am Don, und 1918 kehrte er in seine Heimat zurück. Der junge Schriftsteller begann, gegen die Unterdrückung des ukrainischen Volkes durch die polnischen Pans aufzutreten. Nach der Befreiung der Westukraine schrieb Hałan seine zornigen Pamphlete, tiefgreifenden Satiren und anklagenden Artikel auch gegen den Papst und den Vatikan. Daraufhin wurde Hałan am 13. Juli 1949 vom Papst Pius XII. exkommuniziert. Als Antwort darauf schrieb Hałan das Pamphlet „Ich und der Papst“.

„Ich spucke auf den Papst!“

„Dem Priester aller Priester blieb nichts anderes übrig, als mich zu exkommunizieren“, schrieb Hałan. „Mein einziger Trost besteht darin, daß ich nicht der einzige bin: Zusammen mit mir hat der Papst mindestens dreihundert Millionen Menschen exkommuniziert, und mit ihnen gemeinsam erkläre ich noch einmal mit voller Stimme: Ich spucke auf den Papst!“

Die heimtückische Ermordung Hałans

Am 24. Oktober 1949 kamen in Lwow in die Wohnung des Schriftstellers und Abgeordneten des Obersten Sowjets der UdSSR, Jaroslaw Hałan, zwei „Studenten“ mit der Bitte, ihnen zu helfen, in eine andere Hochschule überzuwechseln. Hałan saß hinter seinem Schreibtisch. Während des Gespräches schlug einer der Studenten den Schriftsteller unerwartet mit einer Axt auf den Kopf. Auf dem Tisch lag das unvollendete Manuskript, das Gáłan dem 10. Jahrestag der Wiedervereinigung der Ukraine gewidmet hatte. Das Blut floß auf die Blätter des Manuskriptes. Hałan war tot. Das Manuskript wurde im Museum für Geschichte der Religion und des Atheismus der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Leningrad aufbewahrt. (Es wurde in den 1990er Jahren von ukrainischen Nationalisten vernichtet.)

Der Vatikan läßt unerwünschte Personen ermorden

Bei dem Gerichtsverfahren stellte sich heraus, daß vom Vatikan gekaufte Banditen in Gestalt von den Studenten zu Hałan vorgedrungen waren Stachur und Łukasiewicz – letzerer war der Sohn des Priesters Denis Łukasiewicz. Auf die Frage des Staatsanwalts: „Wer führte sie dazu an?“ antworteten sie:

„Höchste Kirchenbeamte.“ – „Und wer sind die höchsten?“ – „Der Vatikan.“

Auf die Frage, warum gerade der Schriftsteller Jaroslaw Hałan getötet wurde, antwortete der Angeklagte Łukasiewicz: „Wir mußten Hałan töten, weil er gegen Vatikan auftrat.“ Und der Mörder Stachur sagte: „Wir erhielten den Auftrag, Hałan zu töten, weil er für den Vatikan bedrohlich geworden war.“

So bedienten sich der Papst und die katholische Kirche im 20. Jahrhundert, genau wie im Mittelalter, der Inquisition, um unerwünschte Personen aus dem Wege zu räumen.

Ein Zentrum der Intrigen gegen die Sowjetunion

Die Tätigkeit die „Kongregationen zur Schaffung der Ostkirche“[5] trägt den rein politischen Charakter. Sie wurde 1917 zur Zwecke der Verbreitung des Katholizismus in den östlichen Ländern geschaffen. Aber vom ersten Tag ihrer Existenz an war sie ein Zentrum der Intrigen gegen die Sowjetunion. Die vom Volkskommissariat der UdSSR erlassenen Dekrete über die Trennung der Kirche vom Staat, und der Schule von der Kirche riefen den grimmigen Haß Vatikans hervor. Und er stellte sich die Aufgabe, den Kapitalismus zu verteidigen, der unter den Schlägen der revolutionären Arbeiterbewegung ins Wanken gekommen war.

Verschwörungen und Provokationen

Auf die Empfehlung des Bischofs Ratti[6], der vom Papst nach Polen geschickt worden war, begann 1918 eine aktive Tätigkeit zur Unterordnung der orthodoxen Kirche in Polen, in den Baltischen Ländern und auf dem Balkan unter den Vatikan. Gleichzeitig organisierte der Metropolit Szeptyzki[7] in der Westukraine eine Reihe von antisowjetischen Verschwörungen und Provokationen. Für den Zusammenschluß mit der georgischen Kirche hatte der Papst seine Leute nach Georgien geschickt, und auch während des Bürgerkrieges in der UdSSR unterstützte er auf jede Weise die Weißgardisten und die Interventen.

Der Papst lobt Mussolini

1923 versprach der Papst all denjenigen Gläubigen, die dreihundert Tage für die „Errettung Rußlands von den Kommunisten“ beteten, die Vergebung ihrer Sünden. Und als in Italien der Faschist Mussolini an die Macht kam, erklärte der Papst, daß dieser ein Mensch sei, der von der göttlichen Vorsehung herabgesandt wurde. Und er predigte, daß ein richtiger Katholik kein Sozialist sein könne.

Das Collegium Russicum – ein päpstlicher Diversantenclub

1928 wurde im Vatikan das Collegium Russicum[8] gegründet, deren Ziel die Bildung und die Ausbildung von Spionen und Diversanten zur Entsendung in die Sowjetunion war. Sie wurden aus geflüchteten Weißgardisten und Emigranten rekrutiert. Im September 1951 wurde mitgeteilt, daß sich zur praktischen Übung für die Schüler des Russicums sich die Jesuiten eines Flugplatzes auf Alaska bemächtigt haben, um dort, fernab von der Öffentlichkeit, ihr durchaus nicht geistliches „Studium“ durchzuführen. Die römische Zeitung „Corriere della Sierra“ veröffentlichte ein Gespräch mit dem Direktor des Russicums, dem Jesuiten-Professor Gustav Wetter, unter dem Titel „Im Collegium Russicum mutig lernen, wie man vom Himmel fällt“. In diesem Gespräch erklärte der Jesuit, daß die Zöglinge des Russicums, als Missionäre ausgebildet werden, die das Wort Gottes nach Rußland tragen werden und dazu das Fallschirmspringen lernen.

Der Kreuzzug gegen den Kommunismus

1930 rief der Papst die ganze kapitalistische Welt zum „Kreuzzug“ gegen den Kommunismus auf. Und um die revolutionäre Gärung in Europa zu dämpfen, veröffentlichte der darauffolgende Papst 1931 ein Schreiben, in dem er versuchte zu beweisen, daß ohne Kapital die Arbeit kraftlos ist, und daß es deshalb eine enge freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kapital und Arbeit, zwischen den Arbeitern und den Kapitalisten geben müssen. Mit allen Mitteln versuchte der Papst, die Aufnahme der Sowjetunion in die Liga der Nationen zu verhindern, und von 1936 an rief die ganze katholische Geistlichkeit und die Gläubigen dazu auf, Hitler zu unterstützen. Papst Pius XI. forderte in einem Schreiben gegen den Kommunismus dazu auf, die „Göttlichkeit des Kapitalismus“ anzuerkennen. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg unternahm Papst Pius XII alles, um die Faschisten auf die Sowjetunion zu hetzen und einen Krieg in Form eines Kreuzzugs gegen die Kommunisten zu entfesseln. Während des Krieges befahl der Vatikan den polnischen Geistlichen auf der ganzen Welt, Hitler moralische Unterstützung zu gewähren. Und niemals wendete er sich gegen die Greueltaten der Nazis in den besetzten Gebieten. Nach der Niederlage der Faschisten wandte sich der Vatikan gegen ein Gericht über die Nazi- und Kriegsverbrechen und rief zur Barmherzigkeit und nachsichtiger Behandlung ihnen gegenüber auf.

Die Gier der Päpste nach finanziellem Reichtum

Das Bündnis Vatikans mit den Imperialisten in ihrem allgemeinen Kampf gegen die Länder der Demokratie ist kein Zufall. Ist doch Vatikan eines der größten Bankunternehmen weltweit. Seine Kapitalien belaufen sich auf mehrere Hundert Milliarden Dollar und sind in den Banken aller kapitalistischen Länder angelegt. Allein in den Banken und Unternehmen der USA sind 35 Milliarden angelegt. Die Gier der römischen Päpste und Vatikans ist ebenso grenzenlos wie im Mittelalter. Sie haben nur wenige Einkünfte, die sie in Form von Prozenten aus dem Kapital bekommen, sie agieren an aller Ecken und Enden der Welt und organisieren sich nach wie vor räuberische Abgaben von aller gläubigen Katholiken. Berühmt ist der „Petersgroschen“ – eine Spende, die in den Kirchen von Pfarrkindern zur Unterstützung des Päpstlichen Stuhls eingesammelt wird, im Jahr waren das viele Hunderttausend Lire. Ebenso ist der Verkauf Indulgentien[9], genauer gesagt, der Verkauf von Rechten auf begangene und künftige Verbrechen, mit dem Porträt des Papstes auf der ausgehändigten Urkunde. Wobei das auch noch nicht der letzte Einnahmeposten ist, da man sie nicht nur für sich, sondern auch für alle Verwandten bis einschließlich zur dritten Generation kaufen kann.

Vergebung aller Sünden für Massenmörder

Es ist interessant, daß der Papst, als der ehemalige Statthalter Hitlers Greiser[10], der Zehntausende unschuldiger Menschen in den Tod schickte, 1946 in Polen zum Tode verurteilt wurde, der Papst ihm eine Urkunde über die „Vergebung aller Sünden“ schickte. Eine solche Urkunde erhielt 1951 auch der SS-General Oswald Pohl, auf dessen Befehl in den Vernichtungslagern Buchenwald und Dachau Krematorien gebaut wurden. Oswald Pohl quälte eigenhändig hilflose Gefangene und schickte Hunderte junger Männer und Frauen in ununterbrochen brennenden Krematorien. Charakteristisch ist, daß Papst Pius XII. diesen Verbrecher unter seinen Schutz nahm und ihn von seinen Sünden freisprach. In der päpstlichen Urkunde war geschrieben: „Der Heilige Vater, von väterlicher Liebe bewegt, sendet Oswald Pohl seinen Apostolischen Segen als Zeichen des himmlischen Trostes.“

Bedeutende Einnahmen bringen auch die Feierlichkeiten des „Heiligen Jahres“. Das Jahr 1950 wurde für „heilig“ erklärt. In Erwartung eines großen Zustroms bereuender Sünder nach Rom waren spezielle Hotels und touristische Institutionen errichtet worden. Unter dem Titel „Heiliges Jahr“ fanden Jubiläumsfeiern statt und wurden alle möglichen Reliquien verkauft – und das alles wurde organisiert, um bei den Gläubigen Geld einzusammeln. Doch diesmal waren die Einkünfte geringer als vom Vatikan erwartet.

Aus dem Buch „Der grausame Weg“

http://www.bibliotekar.ru/andreeva/49.htm

 



[1]            „Analecta ecclesiastica Revue Romaine“, Januar 1895.

[2]            Tomás de Torquemada (1420-1498) Dominikaner und erster Großinquisitor Spaniens, ließ Dutzende Abtrünnige als Ketzer grausam foltern und ermorden.

[3]            Pius XII.: Dekret über die Haltung der Gläubigen gegenüber der kommunistischen Partei, 1. Juli 1949.

[4]            Andrea Gaggero (1916-1988) war Priester in Genua, antifaschistischer Partisan, wurde 1944 von den Nazis verhaftet, mehrfach gefoltert, ohne zu reden, und dann ins Konzentrationslager Mauthausen abgeschoben. Wegen seines kommunistischen und pazifistischen Engagements wurde er 1953 in Rom von der katholischen Kirche exkommuniziert. (siehe: Andrea Gaggero: Vestìo da omo, Firenze (Guinti Gruppo Editoriale) 1991.)

[5]            lat. „Congregatio pro Ecclesiis Orientalibus“, eine aus 23 Kardinälen bestehende Einrichtung des Vatikans zur „Schaffung der Ostkirchen“

[6]            Der Kardinal Achille Ratti (1857-1939) wurde als Beauftragter des Vatikan nach Warschau entsandt, später als Papst Pius XI. war er bekannt für seine antisowjetische und faschismusfreundliche Grundeinstellung.

[7]            Aleksander Szeptycki (1865-1944), Metropolit Andrej, war von 1917 an bis zu seinem Tod der Vorsitzende der griechisch-katholischen Kirche in Lwow. Während der deutsch-faschistischen Okkupation unterstützte er Bandera, Melnik und die ukrainischen Faschisten (OUN/UPA), und er verriet sein Landsleute an den deutschen Geheimdienst.

[8]            Collegium Russicum – ein 1929 von dem sowjetfeindlichen Papst Pius XI gegründetes päpstliches Kolleg, das noch bis 1950 illegal Priester als Agenten in die Soiwjetunion einschleuste.

[9]            In der römisch-katholischen Kirche bedeutet Indulgenz der zeitliche Ablaß  (Nachlaß) der Sündenstrafen.

[10]           Arthur Karl Greiser(1897-1946) wegen hunderttausendfachen Mordes, massenhafter Deportation polnischer Arbeiter zur Zwangsarbeit nach Nazideutschland und wegen Ausplünderung Polens hingerichteter Nazigauleiter.