Hans Marchwitza, ein schreibender Bergmann und Kommunist

marchwitza_spanien_bearbeitet-1Hans Marchwitza, ein schreibender Bergmann und Kommunist

Zum 52. Todestag am 17. Januar

Von Günter Ackermann

siehe auch:  „Sturm auf Essen“ mehr

Sein Buch „Sturm auf Essen“ ist der Klassiker der Berichte über die Kämpfe des Proletariats des Ruhrgebiets nach dem 1. Weltkrieg. Ein Klassiker auch deshalb, weil Marchwitza mit dabei war. Er war als einfacher Arbeiter Kompaniechef bei der Roten Ruhrarmee und kämpfte selbst mit  der Waffe in der Hand gegen Kapp-Putschisten, Reichswehr und preußischer Polizei unter dem Oberbefehl des Innenministers und Sozialdemokraten Carl Severing. Die preußische Polizei übertraf in Mannschaftsstärke und Bewaffnung die Reichswehr. Weiterlesen

Sturm auf Essen

sturm_auf_EssenSturm auf Essen

Von Hans Marchwitza

Quelle: Nemesis – Sozialistisches Archiv für Belletristik

Erstes Kapitel

Es ist das Jahr 1918 und Winter.

Schnee fällt.

Die Männer, die den Krieg überlebt haben, kommen heim. Die Zechenhäuser, in die sie zurückkehren, sind grau und schief, und ihr Verputz sieht aus wie das abgeschundene Fell alter Grubengäule. Die „Grabentiere” sollen wieder Väter, Ehemänner, Brüder, Söhne werden. Die Frauen schreien, Mütter schreien, Schwestern heulen : „Er ist wieder da, o mein Gott!” O mein Gott! Die Kinder fragen den fremden Mann, der ihr Vater ist: „Bringst du Brot mit?”

Das Wort „Brot” wirkt wie der Duft von Blumen in einem Märchen. „Heiliges Brot”, stammeln die vor Hunger zitternden alten Leute, während sie das ihnen hingehaltene Stück mit aller Scheu hinnehmen. „Die Totgeglaubten dachten an uns.” Weiterlesen

Stalin: Man muss aber auch sagen, dass der Aufstieg der Klasse der Gutsbesitzer, die Unterstützung der aufkommenden Klasse der Kaufleute und die Festigung des Nationalstaats dieser Klassen auf Kosten der leibeigenen Bauernschaft erfolgte, die auf das Ärgste ausgebeutet wurde.

Emil_LudwigDeutsche Schriftsteller bei Stalin im Kreml

Der Schriftsteller Emil Ludwig interviewt Stalin, 13. Dezember 1931

Ludwig: Ich bin Ihnen überaus dankbar, dass Sie es für möglich gehalten haben, mich zu empfangen. Seit mehr als zwanzig Jahren studiere ich das Leben und Wirken hervorragender historischer Persönlichkeiten. Ich glaube, dass ich Menschen gut beurteilen kann, dagegen verstehe ich nichts von sozial-ökonomischen Verhältnissen.

Stalin: Sie sind zu bescheiden.

Ludwig: Nein, es ist wirklich so. Und eben deshalb werde ich Fragen stellen, die Ihnen vielleicht sonderbar erscheinen werden. Heute habe ich hier im Kreml einige Reliquien Peter des Großen gesehen, und die erste Frage, die ich Ihnen stellen möchte, ist folgende: Lassen Sie eine Parallele zwischen Ihnen und Peter den Großen gelten? Halten Sie sich für einen Fortführer des Werks Peter des Großen? Weiterlesen

Dieser Autor, mit Spitznamen nennt er sich Mucki, beichtet eigentlich die Unzulänglichkeit seines Daseins, indem er lediglich Spaß haben will und ums Überleben kämpft.

mucki_rezi„Muckis Beichte. Prügel-Nonnen u.a. Liebesgaben – ein Lebenskünstler erzählt“  – Arnold  Kamenz

AUSBRUCHSVERSUCHE

Buchtipp von Harry Popow

Alte Weisheit: Es gibt nichts, was unpolitisch wäre. Alles und jedes menschliche Tun hänge von den jeweiligen Umständen ab. Seitdem ich das Büchlein „Muckis Beichte“ von Arnold Kamenz gelesen habe, kamen mir im ersten Moment Zweifel. Kann man ein Buch, in dem sich dir kleine und große Schweinereien ins Gedächtnis schmuggeln, als politisch bezeichnen? Wo es nur so wimmelt von Prügel gegenüber Kindern, von Sex und Kindesmissbrauch, von Saufereien und Knast, von Entziehungskuren und von Lieblosigkeit gegenüber Kindern sowie von Hurerei und Exzessen, kann man dieses als politische Äußerungen betrachten? Zumal der Text eigentlich nur Zustände beschreibt, also eine naturalistischen Sicht präsentiert?  Weiterlesen

KZ-Dachau: Während die Gefangenen des Lagers um neun Uhr abends in ihren Baracken sein müssen und Ruhe herrschen muß, tobten sich die Mörder in ihrem Zimmer wie wild aus.

moerderlagerMörderlager Dachau

Vier Wochen in den Händen der braunen Banditen

Erlebnisbericht von Hans Beimler: Im Mörderlager Dachau/
Berlin (DDR) 2. Auflage 1980

„Den Beimler ham ma … in Dachau sehen wir uns wieder“!

Nachdem es den Faschisten in Bayern ohne Widerstand der Held-Stützel-Schäf[f]er-Regierung – und leider auch ohne nennenswerten Widerstand seitens der Arbeiterschaft – gelungen war, am 9. März 1933 die ganze Macht an sich zu reißen, setzte selbstverständlich mit gesteigerten Kräften eine unerhörte Verfolgungskampagne gegen die Kommunistische Partei ein. Bereits am 10. März gab der derzeitige Innenminister Wagner – seines Zeichens verkappter Bergwerksdirektor – an alle Polizei- und Gendarmeriestationen durch Funkspruch die Anweisung, daß „sofort alle kommunistischen und Reichsbanner­funktionäre, soweit sie zu erreichen sind, in Haft genommen werden müssen“. Soweit die bayrischen Städte München, Nürnberg, Augsburg usw. in Frage kamen, war der Erfolg der einsetzenden Verhaftungsaktionen nicht allzu groß, denn „die meisten Vögel waren ausgeflogen“. Soweit Kommunisten in Frage kamen, waren sie ja schon seit dem 30. Januar, dem Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, fast vollkommen illegal. Soweit es anging, die noch vorhandenen Möglichkeiten einer „legalen“ Vorbereitung der Reichstagswahl zum 5. März auszunützen, wurden diese aufs engste mit der illegalen Arbeit verbunden. Das Parteibüro durfte weder wichtiges Material enthalten noch durften die Sekretäre und Bezirksleitungsmitglieder darin arbeiten. Wie notwendig diese Maßnahmen waren, zeigte sich durch Dutzende Haussuchungen der Stützel-Polizei und die Schließung der Büros aller revolutionären Organisationen und der „Neuen Zeitung“ am 25. Februar. Ein Sekretär, der die Weisungen nicht beachtet hatte, wurde in Haft genommen und sitzt seitdem im Gefängnis bzw. Konzentrationslager Dachau. Weiterlesen