Die Parabel vom Generaldirektor Vermeert – Teil 3

kain_abel_bio1_bearbeitet-1Die große Idee Teil 3 (Schluss)

Der Brudermord

von Günter Ackermann

„Sag mal, Großpapa, stimmt denn die Geschichte?“

„Warum nicht? Seht mal, so wie ich und vorher mein Vater und vor ihm dessen Vater, mein Großvater, die Eisenhütten AG aufgebaut haben, so hat der Herr Gott die Welt AG aufgebaut.“

Der älteste von den drei Enkelkindern, er ist schon dreizehn Jahre alt und durfte mal das Werk besichtigen, ist doch etwas skeptisch:

„Aber Großpapa, das stimmt doch gar nicht! Du gehst doch immer erst um elf ins Büro, hast am Wochenende frei und wohnst hier in dieser Villa. Aber die Arbeiter müssen immer arbeiten, sie wohnen in hässlichen Wohnungen, die direkt neben dem Werk sind. Dort stinkt es und die Luft ist dreckig. Tag und Nacht hören sie den Krach vom Werk.  Die Arbeiter arbeiten doch!“ Weiterlesen

Die Parabel vom Generaldirektor Vermeert – Teil 2

gott_guterDie große Idee oder

Das Märchen des Generaldirektor Vermeert

Eine Parabel

Von Günter Ackermann

Teil 2

Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein Mann. Dieser Mann war weise und klug; zwar schon sehr alt, er trug einen schönen langen weißen Bart, aber er war noch sehr rüstig, keineswegs senil, kurz: ein sympathischer alter Mann, den seine lange Lebenserfahrung nicht gebeugt hatte. Dieser Mann hieß Gott, manchmal nannte er sich auch Allah, Jehova, Manitou, er führte noch viele Namen mehr. Eigentlich war Herr Gott ganz zufrieden und er hätte noch viele Jahre so weiterleben können. Aber da Herr Gott eben nur an Jahren, nicht jedoch an Intelligenz sehr alt war, langweilte er sich furchtbar. Er hatte zwar seinen Lebensunterhalt, aber er lebte für sich allein. Herr Gott hatte Zeit seines Lebens nichts Böses getan, aber auch noch nichts Gutes. Wem sollte er auch Gutes tun, war er doch allein? Weiterlesen

Die Parabel vom Generaldirektor Vermeert

opaDie große Idee oder

Das Märchen des Generaldirektor Vermeert

Eine Parabel

1. Teil: Prolog

Von Günter Ackermann

Eigentlich war Generaldirektor Vermeert ein Generaldirektor a.D., also außer Diensten. Jetzt war er Aufsichtsratvorsitzender der Eisenhütten AG, aber ließ sich noch immer mit dem Titel „Generaldirektor“ anreden, den er viele Jahrzehnte geführt hatte. Generaldirektor Vermeert hatte die Führung der Eisenhütten AG von seinem Vater übernommen, dieser von seinem Vater eine kleine Eisengießerei. Ein alter Familienbetrieb also, aber immer Neuem aufgeschlossen. Es zeigte sich schon zu Zeiten des Großvaters, des jetzigen Aufsichtsratvorsitzenden, der hatte schon 1870 die Zeichen der neuen Zeit erkannt. Obwohl ein kleiner Gießereibetrieb fast ausschließlich Teile für landwirtschaftliche und handwerkliche Betriebe herstellte, erkannte er, dass man sich trennen muss von Althergebrachtem und die Industrie in den Dienst des  Vaterlandes stellen muss. Damals hatte er für seine Verdienste für das Vaterland den Schwarzen Adlerorden vom König von Preußen bekommen, der ihm von Bismarck selbst überreicht wurde. Weiterlesen

Hans Marchwitza, ein schreibender Bergmann und Kommunist

marchwitza_spanien_bearbeitet-1Hans Marchwitza, ein schreibender Bergmann und Kommunist

Zum 52. Todestag am 17. Januar

Von Günter Ackermann

siehe auch:  „Sturm auf Essen“ mehr

Sein Buch „Sturm auf Essen“ ist der Klassiker der Berichte über die Kämpfe des Proletariats des Ruhrgebiets nach dem 1. Weltkrieg. Ein Klassiker auch deshalb, weil Marchwitza mit dabei war. Er war als einfacher Arbeiter Kompaniechef bei der Roten Ruhrarmee und kämpfte selbst mit  der Waffe in der Hand gegen Kapp-Putschisten, Reichswehr und preußischer Polizei unter dem Oberbefehl des Innenministers und Sozialdemokraten Carl Severing. Die preußische Polizei übertraf in Mannschaftsstärke und Bewaffnung die Reichswehr. Weiterlesen

Sturm auf Essen

sturm_auf_EssenSturm auf Essen

Von Hans Marchwitza

Quelle: Nemesis – Sozialistisches Archiv für Belletristik

Erstes Kapitel

Es ist das Jahr 1918 und Winter.

Schnee fällt.

Die Männer, die den Krieg überlebt haben, kommen heim. Die Zechenhäuser, in die sie zurückkehren, sind grau und schief, und ihr Verputz sieht aus wie das abgeschundene Fell alter Grubengäule. Die „Grabentiere” sollen wieder Väter, Ehemänner, Brüder, Söhne werden. Die Frauen schreien, Mütter schreien, Schwestern heulen : „Er ist wieder da, o mein Gott!” O mein Gott! Die Kinder fragen den fremden Mann, der ihr Vater ist: „Bringst du Brot mit?”

Das Wort „Brot” wirkt wie der Duft von Blumen in einem Märchen. „Heiliges Brot”, stammeln die vor Hunger zitternden alten Leute, während sie das ihnen hingehaltene Stück mit aller Scheu hinnehmen. „Die Totgeglaubten dachten an uns.” Weiterlesen