PDS-Kreisverband
Duisburg
Erklärung
des Kreisverbandes zu Eurer Pressemitteilung vom 12. April d. J. (an das
Friedensforum Duisburg)
(siehe auch)
Liebe
Freundinnen und Freunde,
Am
11. April 2002 haben wir in unserer Vorstandssitzung beschlossen, Euch unsere
Haltung zu der auf Eurer lnternetplattform veröffentlichten, anläßlich der
diesjährigen Duisburger Ostermarsch-Auftaktkundgebung gehaltenen, Rede von
Herrn Ayad, dem Vertreter der "Palästinensischen Ärzte- und
Apothekervereinigung NRW e. V.", per Brief mitzuteilen. Wir waren und sind
der Meinung, daß die von Herrn Ayad in dieser Rede eingenommenen Positionen
unrichtig und zum großen Teil auch unerträglich sind für emanzipatorisch und
pazifistisch denkende und eingestellte Menschen. Solche Positionen haben auf
einer Friedensdemonstration nichts zu suchen!
Leider
können wir an dieser Stelle unsere Haltung gegenüber Herrn Ayad nicht näher
erläutern und begründen. "Leider deshalb, weil wir uns am Tag nach der
besagten Vorstandssitzung konfrontiert sahen mit Eurer "Mitteilung an die
Medien", in der Ihr Euch nicht nur positiv auf die unerträglichsten
Argumente‘ von Herrn Ayads Beitrag bezieht, sondern diese sogar noch
weiterspinnt und ausweitet. Die Auseinandersetzung mit Euch um die Rede von
Herrn Ayad muß nach einer solchen "Mitteilung" selbstredend hinter
eine direkte Auseinandersetzung mit Euren Standpunkten, den Standpunkten eines
Forums, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten und das wir schon lange
unterstützen, zurücktreten. Auf der Mitgliederversammlung vom 18. April d. J.
haben wir daher beschlossen, Euch folgendes mitzuteilen und nahezulegen:
Schon
Herr Ayad beschreibt in seinem Beitrag die Vorgehensweisen der israelischen
Armee mit Begriffen wie Nazimethoden" und legt damit der Zuhörerin und dem
Zuhörer den Vergleich von Israel mit dem Dritten Reich nahe. Eberhard
Przyrembel hat, als Vertreter des Friedensforums Duisburg, mit einem solchen
Vergleich offensichtlich keine Probleme, wenn er diese Begriffswahl explizit in
der Pressemitteilung vom 12. April 2002 verteidigt. Darüber hinaus übernehmt
Ihr in selbiger Mitteilung die Formulierung des Bündnisses "Solidarität
mit Palästina", in der die militärischen Maßnahmen der israelischen
Regierung als "Vernichtungskrieg" gefaßt werden. Uns wie Euch ist
bekannt, daß dieser Begriff in der Öffentlichkeit im allgemeinen nur im
Zusammenhang mit dem wehrmachtlichen "Unternehmen Barbarossa" und den
mir diesem unternehmen einhergehenden Verbrechen der Wehrmacht verwendet wird.
Wir
widersprechen jeglicher Gleichsetzung von Israel und Nazi-Deutschland, nicht
allein, weil damit die komplizierte Konfliktlage im Nahen Osten nicht erfaßt
werden kann, sondern auch und vor allem, weil wir die schreckliche
Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Verbrechen in keinem Falle in Frage
stellen. Zudem dient eine Relativierung von Auschwitz nur
Geschichtsrevisionisten, deren Absicht es schon immer gewesen ist, die 'deutsche
Volksseele‘ zu entlasten und dem breiten Spektrum der bürgerlichen
politischen Kräfte und Parteien in der BRD, die unter
Vergangenheitsbewältigung verstehen, das Dritte Reich nach Maßgabe
außenpolitischer Interessen auf andere Staaten zu projizieren und dieser
Projektion eine vorgeblich 'antifaschistische Kriegsführung anzuschließen.
Daß gerade das Friedensforum Duisburg den 'Noltes' und den 'Scharpings'
argumentative Schützenhilfe leistet, ist für uns unerklärlich.
Ebensowenig
erklärlich sind für uns die Darstellungen von Herrn Ayad und vom
Friedensforum, welche die Situation des "palästinensischen Volks"
betreffen. Abgesehen davon, daß nach unserer Ansicht fortschrittliche Kräfte
mit einem fragwürdigen Begriff wie "Volk" nicht herumhantieren
sollten, unterschlägt dieser Begriff die differenzierten Strukturen der
politischen palästinensischen Bewegungen. Wir hegen keinerlei solidarische
Gefühle gegenüber nicht unwichtigen palästinensischen Organisationen wie der
"Hamas" oder dem "lslamischen Dschihad", die ihre
religiös-fundamentalistischen Ideologien systematisch in gewalttätige und
terroristische Aktionen umsetzen. Die Rückführung von Selbstmordattentaten auf
"Akte der Verzweiflung von Menschen, die nichts mehr zu verlieren
haben", läßt sträflich außer Acht, daß solchen Attentaten in der Regel
eine lange Indoktrination und Vorbereitung durch Organisationen vorausgeht, die
keinerlei Interesse an Frieden haben, die vielmehr der bewaffneten
Auseinandersetzung bedürfen, um sich zu legitimieren. Pazifistische Gruppen,
Vereine und Organisationen dürfen sich unserer Ansicht nach nicht in pauschaler
Solidarität üben und in diese Pauschale naiv antiemanzipatorische und
terroristische Gruppen mit einbeziehen. Sie müssen sich immer auf die Kräfte
hin orientieren, welche in der zivilen Konfliktlösung die einzige
Konfliktlösung sehen.
Mit
Entsetzen haben wir aus Eurer Pressemitteilung entnommen, daß der
"Botschafter Stein" "zur Ausbreitung des Antisemitismus in
weiteren Kreisen" beitragen soll, "wenn er die eindeutigen Verstöße
der israelischen Armee gegen die Genfer Konventionen als "legitimen Kampf
verteidigt In keiner Weise stellt Ihr die antisemitischen Reaktionen auf die
Politik der israelischen Regierung und damit die tiefe Verwurzeln des
Antisemitismus in der westlichen Welt als das eigentliche und das zu benennende
Problem dar. Die Ausbreitung des Antisemitismus scheint für das Friedensforum
Duisburg eine "natürliche Reaktion auf die Politik der israelischen
Regierung zu sein. Wer so denkt, verkennt bestenfalls das Wesen des
Antisemitismus oder führt bewußt oder unbewußt die eigenen Reflexe vor. Wir
sind mehr als betrübt, daß die von Jörg Haider und anderen Rechtsextremisten
im Kontext der Debatten um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern
praktizierte Rhetorik, daß die Juden selbst den Antisemitismus verschulden, nun
ausgerechnet Eingang ins Duisburger Friedensforum gefunden hat.
Wir
treten eine für eine differenzierte Betrachtung des Nahost-Konflikts, jenseits
von Ressentiments und relativierenden Vergleichen so wie sie sich in der als
Anlage beigefügten Erklärung des Landesparteitages der PDS NRW vom 14. April
d. J. findet.
Der
PDS-Kreisverband Duisburg