Bei seinem Prozess gab Pjatakow zu, dass er Sedow (Trotzkis Sohn) 1931 in Berlin getroffen hatte. Wie vereinbart, trafen sich beide in einem Restaurant in der Nähe des Zoos. Pjatakow sagte auch, dass Sedow von ihm nur eines verlangt habe, nämlich zwei deutschen Firmen so viele Aufträge wie möglich zu erteilen, und dass er, Sedow, dann die notwendigen Geldsummen von ihnen einkassieren würde, wobei er, was die Preise anging, nicht zu anspruchsvoll sein sollte.

trotzkismus

Wider den Block der Rechten und Trotzkisten IV

Wie die Trotzkisten in den dreißiger Jahren gegen die UdSSR arbeiteten

John D. Littlepages Berichte in der ‚Saturday Evening Post‘, 1938

Aus: Grover Furr, ‚Trotsky’s Amalgams‘ (Trotzkis Vermischungen), Kettering/Ohio/USA 2015, S. 182ff, Erster Band, deutsche Übersetzung.

Der US-Ingenieur John D. Littlepage, der Anfang der dreißiger Jahre in der UdSSR arbeitete, deckte die Machenschaften der Trotzkisten gegen die damals sozialistische Sowjetunion in einer Artikelserie in der Zeitung ‚Saturday Evening Post‘ auf. Er bestätigt in drei Berichten, dass die Geständnisse der Trotzkisten, darunter das des Trotzki-Anhängers Pjatakow, während des Zweiten Moskauer Prozesses im Januar 1937 zutrafen und keineswegs herbeimanipuliert worden waren, denn er hatte selbst in Berlin bei Geschäftsabschlüssen mit deutschen Großfirmen miterlebt, wie die Trotzkisten arbeiteten. Er schrieb unter anderem:

„Ich ging im Frühjahr 1931 zusammen mit einer großen Einkaufsdelegation, die von Pjatakow  geleitet wurde, nach Berlin (Pjatakow war ein Vertrauter Trotzkis, der im Januar 1937 wegen Hochverrates und Industriesabotage in Moskau auf der Anklagebank saß, zusammen mit Radek und anderen Trotzkisten – Übers.). Meine Aufgabe bestand darin, technische Ratschläge beim Einkauf von Bergbau-Maschinen zu erteilen. …

Unter anderem kaufte die Delegation in Berlin mehrere Dutzend Winden für Schachtanlagen ein, die eine Stärke von zwischen 100 und 1.000 Pferdestärken besaßen. … Die Abordnung erbat Angebote zu Preisen auf der Grundlage von Pfennigen pro Kilogramm. Nach einigen Diskussionen erklärten sich die deutschen Konzerne (Borsig und Demag) … bereit, ihre Preise auf fünf bis sechs Pfennige pro Kilogramm zu reduzieren.

Als ich diese Angebote unter die Lupe nahm, fiel mir auf, dass die Firmen die Gusseisen-Formate, die ein Gewicht von mehreren Tonnen besaßen, anstelle der aus leichterem Stahl vertauscht hatten, wodurch die Herstellungskosten pro Kilogramm zwar verringert, aber das Gewicht erhöht wurde, und somit auch die Kosten des Einkäufers. Natürlich war ich ganz stolz darauf, dass mir das aufgefallen war und teilte der Delegation triumphierend diese Entdeckung mit. … Daraufhin wurde beschlossen, Pjatakow sollte nach Moskau zurückgeschickt werden, um zu beweisen, dass er bei diesen Einkäufen sehr erfolgreich gewesen sei, da es ihm gelungen war, die Preise herunterzuhandeln. Was verschwiegen wurde, war, dass er zwar hohe Rabatte von den Deutschen erhalten hatte, jedoch Geld für wertloses Material aus Gusseisen gezahlt hatte. … Denselben Trick hatte er schon vorher angewendet und war damit durchgekommen, als er für andere Gruben unterwegs war, aber dieses Mal blockierte ich es….

Besonders interessierte mich der Teil von Pjatakows Geständnis, der seine Handlungen 1931 in Berlin betraf, als er die Einkaufsdelegation leitete, der ich als technischer Berater beigeordnet war. Da wurde mir klar, weshalb die Russen aus Pjatakows Umgebung gar nicht so erbaut waren, als ich herauskriegte, dass die deutschen Konzerne Bergwerks-Winden aus leichtem Stahl in ihren technischen Beschreibungen durch solche aus schwerem Gusseisen ersetzt hatten.

Pjatakow hatte zugegeben, dass die Anti-Stalin-Verschwörer, angeleitet von dem exilierten ehemaligen Volkskommissar für das Kriegswesen, Leon Trotzki, Devisen benötigten, um einen Fonds für ihre Auslandsarbeit zu schaffen. Innerhalb Russlands sei es ein Leichtes gewesen, an Geld zu kommen, weil es viele Verschwörer in wichtigen Positionen gab, aber sowjetisches Papiergeld war im Ausland damals nicht viel wert. Grund genug, für Trotzkis Sohn Sedow, so Pjatakow, einen Plan auszuarbeiten, um an Auslandswährung zu kommen, ohne Verdacht zu erregen. 

Bei seinem Prozess gab Pjatakow zu, dass er Sedow 1931 in Berlin getroffen hatte. Wie vereinbart, trafen sich beide in einem Restaurant in der Nähe des Zoos. Pjatakow sagte auch, dass Sedow von ihm nur eines verlangt habe, nämlich zwei deutschen Firmen so viele Aufträge wie möglich zu erteilen, und dass er, Sedow, dann die notwendigen Geldsummen von ihnen einkassieren würde, wobei er, was die Preise anging, nicht zu anspruchsvoll sein sollte.

Als Pjatakow vom Staatsanwalt befragt wurde, sagte er hinzu, dass niemand von ihm verlangt habe, sowjetisches Geld zu stehlen oder abzuzweigen, sondern einfach nur den erwähnten Firmen so viele Aufträge wie möglich zu erteilen. Er sagte auch, dass er mit diesen Firmen keinerlei persönlichen Kontakt hatte, dass die ganze Sache von anderen arrangiert wurde, ohne dass er dabei aktiv werden musste, außer ihnen gute Geschäfte zu ermöglichen.

Pjatakow sagte: ‚Es war alles so einfach, besonders deshalb, weil ich viele Gelegenheiten hatte, ziemlich große Aufträge an jene Unternehmen zu vergeben.‘ Er meinte, dass es für ihn ein Leichtes gewesen sei, so zu handeln, dass kein Verdacht entstehen konnte, weil die eine Firma ein gutes Ansehen besaß, und dass es einfach nur darum ging, etwas höhere Preise als sonst üblich zu zahlen. Bei seinem Prozess machte Pjatakow folgende Aussage:

Pjatakow: ‚Aber was die andere Firma anging, so war es nötig, zu reden und Druck zu machen, damit sie Aufträge annahm.‘

Staatsanwalt: ‚Das heißt also, dass Sie auch dieser Firma hohe Preise zahlten, auf Kosten der sowjetischen Regierung?‘

Pjatakow: ‚Ja.‘

Dann fuhr Pjatakow fort und sagte, dass Sedow ihm nicht genau gesagt habe, welche Bedingungen es gab, welche Methoden beim Geldtransfer angewendet wurden, aber er versicherte ihm, dass wenn Pjatakow diesen Firmen Aufträge erteilen würde, er, Sedow, Geld für seinen Spezialfonds erhalten würde. 

Dieser Teil von Pjatakows Geständnis gibt meiner Meinung nach eine plausible Erklärung dafür ab, was damals in Berlin im Jahre 1931 ablief, als ich Verdacht schöpfte, weil die Russen, die mit Pjatakow zusammenarbeiteten, versucht hatten, mich dazu zu veranlassen, dem Kauf von Bergwerkswinden zuzustimmen, die nicht nur zu teuer waren, sondern in den Bergwerken, für die sie vorgesehen waren, auch völlig unbrauchbar gewesen wären. Ich konnte kaum glauben, dass diese Leute ganz gewöhnliche korrupte Politiker waren, weil sie nicht so aussahen, dass es ihnen nur darum ging, im eigenen Interesse zu arbeiten. Aber es waren ja erfahrene politische Verschwörer schon vor der Revolution gewesen, und damals schon waren sie ähnliche Risiken eingegangen, um ihrer ‚Sache‘ wegen.

Natürlich habe ich keine Möglichkeiten festzustellen, ob die politische Verschwörung, die bei allen Geständnissen Erwähnung fand, wirklich so organisiert war, wie die Gefangenen angaben. Ich  habe auch nie versucht, genau die politischen Streitigkeiten in Russland zu verfolgen, und hätte keine Ahnung gehabt, worüber die regierungsfeindlichen Verschwörer redeten, wenn sie wirklich versucht hätten, mich in ihre Angelegenheiten hineinzuziehen, was niemand von ihnen je getan hat.

Aber ich war absolut sicher, dass damals 1931 in Berlin etwas Seltsames abging, also in der Zeit, die dann in Pjatakows Prozess abgehandelt wurde. Ich habe bereits gesagt, dass das, was ich damals erlebt habe, mich noch Jahre danach beschäftigt hat, und dass ich mir daraus keinen Reim machen konnte. Erst  als ich Pjatakows Zeugenaussage in den Moskauer Zeitungen las, als er seinen Prozess hatte, wurde dies anders.

Ein anderer Teil dieser Zeugenaussage, die einige Moskauer Journalisten damals kaum glauben konnten, war der, dass deutsche Firmen an Sedow Provisionen gezahlt haben sollen. Aber ich habe bereits in einem vorangegangenen Bericht erwähnt, dass russische Emigranten häufig Provisionen von deutschen Unternehmen erhielten, weil sie angeblich in der Lage waren, bei sowjetischen Geschäften mit den Deutschen mitzuwirken. Die Manager dieser deutschen Firmen haben vielleicht nur gedacht, dass Sedow einfach nur einer von jenen russischen Emigranten war und dass er eines jener Geschäfte vermittelte, die schon seit Jahren zusammen mit anderen Emigranten auf den Weg gebracht worden waren.

In solchen Fällen war es die übliche Prozedur, dass die deutschen Firmen einfach die versprochenen Provisionen in die Preise einkalkulierten, und wenn die Russen dann die Preise akzeptierten, war nichts weiter vonnöten. Aber im Falle dieser Winden für die Bergwerke muss die Provision so hoch gewesen sein, dass die Firmen sich gezwungen sahen, die technischen Beschreibungen zu manipulieren, damit noch ein Gewinn für sie dabei heraussprang. Als mir das aufgefallen war, wurde das Geschäft aufs Eis gelegt. Pjatakow gab an, dass er Druck machen musste, damit es zu einigen Aufträgen kam, und ich habe schon beschrieben, wie auch auf mich Druck ausgeübt wurde.

Die Zeugenaussagen bei diesem Prozess haben im Ausland sehr viele Zweifel entstehen lassen, auch unter ausländischen Diplomaten in Moskau. Ich sprach mit einigen Amerikanern in Moskau, die der Ansicht waren, dass es sich von hinten bis vorne um ein abgekartetes Spiel gehandelt habe. Nun, ich habe mir den Prozess nicht angesehen, aber ich habe ihn sehr genau verfolgt. Alles wurde ja wortwörtlich in den Zeitungen abgedruckt, auch in verschiedenen Sprachen. Ein großer Teil der Zeugenaussagen zur Industriesabotage war für mich eher nachvollziehbar als für einige der Moskauer Diplomaten und Korrespondenten. Ich  weiß aus eigener Erfahrung, dass in den sowjetischen Bergwerken damals ständig sehr viel Industriesabotage verübt wurde, und dass ein Teil davon ohne die Komplizenschaft einiger hochrangiger kommunistischer Manager nicht hätte durchgeführt werden können.

Was den Prozess angeht, so besitzt mein Bericht nur Relevanz für die Ereignisse in Berlin damals. Ich habe beschrieben, was da ablief und wie es ablief, soweit es mich betraf, und Pjatakows Geständnis hat mich verstehen lassen, was damals passierte.“

Der Autor des Buches ‚Trotsky’s Amalgams‘, Grover Furr, hat sich auch damit beschäftigt, ob die Berichte von John Littlepage glaubwürdig waren oder nicht. Er hat, wie er auf Seite 192 schreibt, schon 1979/1980 eine ganze Reihe von Leuten befragt, die ihn gekannt haben. Er starb 1946. Alle sagten ihm, dass Littlepage ein technischer Experte war, der an Politik nicht interessiert und Antikommunist gewesen sei. Er hatte die Arbeit in der UdSSR angenommen, weil er damals Anfang der dreißiger Jahre in den USA – es war die Zeit der Großen Depression – keine Arbeit hatte. Furr hat auch Professor John Hazard von der Columbia-Universität dazu befragt, der die Familie von Littlepage gekannt hat und der sogar mit ihm zusammen in der UdSSR war und ihn persönlich kannte.  Er bestätigte, dass dieser kein Interesse an Politik besaß und kein Anhänger des Kommunismus war.