Anstatt die Provokationen zu klären, nimmt die Unterdrückung von Seiten der Regierung nur noch zu. Israel hat sich dafür entschieden, die Unterdrückung zu verschärfen

Jerusalems Intifada?

Von Michel Warschawski 

Übersetzt von  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس

Herausgegeben von  Milena Rampoldi میلنا رامپلدی

Quelle: Tlaxcala

Das Leben wird unerträglich für Palästinenser in Jerusalem

felsendomDie Strategie von Teddy Kollek, dem berüchtigten Jerusalemer Bürgermeister basierte seit der Besatzung von 1967 und der anschließenden Annektierung von Jerusalem auf drei Prinzipien: Trennung zwischen den Gemeinden, um Spannungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren; Kolonisierung der Außenbezirke der Stadt, um einen menschlichen Wall zwischen der Westbank und Israel zu bilden und  Aufrechterhaltung des Erscheinungsbildes des Bereiches der al-Aqsa-Moschee unter jordanischer Verwaltung.

Diese Strategie hat ihre Wirkungskraft unter Beweis gestellt: 250.000 neue Siedler in einem städtischen Gürtel rund um das besetzte Ost-Jerusalem und ein internationales (weithin missbrauchtes) Image wurde gepflegt, nach dem Jerusalem eine Stadt der Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern gälte. Die Privilegien der Palästinenser in Jerusalem (Wohnrechtausweis mit der Einreise- und Arbeitsgenehmigung in Israel, sowie Zugang zur israelischen Sozialversicherung) erklären die relative Ruhe der letzten Jahrzehnte. Wenn es zu Revolten kam, dann folgten diese immer den absichtlichen oder unabsichtlichen Provokationen der israelischen Behörden, einschließlich des Tunnels unter der al-Aqsa, des Besuches von Premierminister Sharon im Jahre 2000 im Moscheebezirk der al-Aqsa und „Gebete“ kleiner Gruppen rechtsextremer Juden.

Aber durch die Machergreifung der Rechten änderte sich die Lage erneut: Die Kolonisierung ist jetzt mitten im palästinensischen Stadtteil (einschließlich Silvan, Sheikh Jarrah und des muslimischen Viertels der Altstadt). Israel zerstört systematisch Häuser, die nicht über die vorher fast unmöglich zu erhaltene Baugenehmigung verfügen. Verwaltungsverordnungen werden erlassen, um die palästinensische Bevölkerung aus der Stadt zu vertreiben (Unmöglichkeit der Familienzusammenführung und Unmöglichkeit des Wohnsitzes in Jerusalem). Dazu kommt die steigende Polizeigewalt vor allem gegen junge Palästinenser und die täglichen Angriffe von Siedlern, inklusive des Mordes (vor einem Jahr wurde der junge Mohammad Abu Khdeir von drei Israelis bei lebendigem Leibe verbrannt).

Kurzum: Das Leben ist für viele palästinensische Bewohner in der Stadt unerträglich geworden. Und die Spannung steigt weiter an.

Die Gefahr eines Ausbruchs hängt von Israels Unnachgiebigkeit rund um die al-Aqsa-Moschee ab. Die israelischen „Gebetsbesucher“ schließen nämlich nicht nur kleine Gruppen extremer rechter Siedler ein, sondern auch Knesset- Mitglieder und sogar Minister. Die Polizei unterdrückt Demos junger Muslime, die auf dem Platz sind, um die al-Aqsa präventiv zu schützen. Zwei muslimische Organisationen wurden jetzt für illegal erklärt, und die Polizei hat wiederholt die Al-Aqsa geschlossen und zögerte auch nicht an den drittheiligsten Ort des Islam Waffen zu bringen.

Dies erklärt, warum die Spannungen in den Stadtteilen von Ost-Jerusalem so schnell ansteigen und das Steinewerfen gegen Juden eine tägliche Plage in den Stadtteilen der arabischen Stadt und ihrer Umgebung wird.

Anstatt die Provokationen zu klären, nimmt die Unterdrückung von Seiten der Regierung nur noch zu. Israel hat sich dafür entschieden, die Unterdrückung zu verschärfen: mehr Polizeipräsenz, Massenverhaftungen von Jugendlichen und sogar Kindern, die wegen Steinwerfens verurteilt werden (was als „versuchter Mord“ gilt). Diese Maßnahmen intensivieren nur noch die Spannung und die Konfrontation.

All dies ist auch die Erklärung für die ungewöhnliche Vorsichtswarnung des jordanischen Königs Abdullah II; er erinnerte an die Bedeutung von Jerusalem und seinen Moscheen für mehr als eine Milliarde Muslime in aller Welt und rief die israelische Regierung auf, die Provokationen umgehend zu beenden. Ansonsten läuft der jüdische Staat die Gefahr eines Massenaufstandes in der Region und darüber hinaus. Es ist zweifelhaft, ob Netanjahu, Yaalon und Bennett die Botschaft ihrer treuesten Verbündeten hören.
Danke Tlaxcala
Quelle: http://bit.ly/1KoxlIz 
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 17/09/2015
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=16042

See more at: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=16042#sthash.RmMLSUb9.dpuf