Aber am Ende ist die einzige Art, das Problem in Syrien zu lösen, für jeden, dem anderen zu verzeihen.

president-assad_tg6_largeErklärung des syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad

gegenüber dem italienischen Fernseh-Kanal TG5

Folgendes ist der volle Zusammenhang der Erklärung:

Frage 1: Präsident Assad, vor ein paar Tagen, hat die syrische Armee, mit der Hilfe der russischen Streitkräfte, die Kontrolle über den größten Teil von Aleppo übernommen. Können wir sagen, daß der Krieg fast zu Ende ist?

Präsident Assad: Nein, noch kann man nicht davon sprechen, daß der Krieg zu Ende ist, solange bis Syrien die Terroristen nicht losgeworden ist, und jene Terroristen leider noch formelle Unterstützung von vielen Ländern haben, einschließlich der Türkei, Qatars, Saudi-Arabiens und vieler westlicher Länder. Also, das hat sich nicht geändert, und diese Art der Unterstützung wird den Krieg in die Länge ziehen. Aber der Mißerfolg der Terroristen in Aleppo ist ein wichtiger Schritt zum Ende des Krieges. Wenn jene Terroristen nicht diese Außenunterstützung hätten, wäre es überhaupt nicht schwierig, die Terroristen überall in Syrien loszuwerden, und dann könnten wir über ein Ende des Krieges sprechen.

Frage 2: Und was können Sie über die riesige Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung sagen, und das ist ein großes Problem.

Präsident Assad: In Syrien im allgemeinen?

Journalist: Ja, ja.

Präsident Assad: Natürlich ist es ein großes Problem; das wichtigste vor der Infrastruktur und den Gebäuden sind die Menschen, deren lieben Angehörigen ermordet wurden, die Familien, die ihre Kinder, ihre Söhne, Brüder, Schwestern, Mütter und so weiter verloren haben. Das ist das Leid, sie werden für immer mit diesem Schmerz leben. Aber am Ende ist die einzige Art, das Problem in Syrien zu lösen, für jeden, dem anderen zu verzeihen. So denke ich, daß wir dieses Gefühl haben, daß das die Hauptorientierung auf öffentlicher Ebene ist.

Frage 3: Und die Rolle von Daesh hier in Syrien …. Sie kämpfen gegen den Daesh, wir haben doch  in Europa auch ein Problem mit Daesh, ich meine das Berliner Attentat. Was können wir gegen Daesh tun?

Präsident Assad: Als Europäer?

Journalisten: Als Europäer und …

Präsident Assad: Naja. Das Problem ist ja nicht nur ISIS. ISIS ist nur ein Ergebnis, eines der Ergebnisse des Extremismus. Wenn man über den Daesh spricht, dann kann man auch über al-Nusra sprechen, man kann über viele verschiedene andere Organisationen sprechen, sie haben dieselbe Mentalität und dieselbe finstere Ideologie. Das Kernproblem jener Organisationen ist zuallererst die Ideologie, die Wahabi-Ideologie. Wenn man sich in Europa, bei uns und in der Welt im allgemeinen, nicht damit befaßt, dann werden wir uns nirgends in der Welt mit dem Extremismus und seinem Ergebnis, dem Terrorismus, befassen. Ich meine diesbezüglich; wenn man sich nicht mit dieser Ideologie befaßt, dann wird man das Problem nur vorübergehend lösen. Wenn man das Terrorismus-Problem dauerhaft lösen will, muß man sich mit dieser Säule des Terrorismus, mit der Wahabi-Ideologie befassen.

Das zum ersten. Aber gegenwärtig gibt es noch eine andere Säule des Problems, das ist die westliche Unterstützung jener Terroristen, vielleicht nicht die des ISIS im allgemeinen, doch man gibt denen verschiedene Etiketten: „die Gemäßigten“, die Weißhelme“. Da werden ihnen mal humanitäre, mal gemäßigte Etiketten verpaßt, um die eigenen politischen Ziele zu erreichen. So besteht deren Priorität in Europa – und ich spreche über die europäischen Regierungen – nicht in der Bekämpfung des Terrorismus. Deren Priorität besteht darin, diese Karte zu nutzen, um Regierungen zu stürzen und Präsidenten usw. loszuwerden. Mit einer solchen Politik kann man den Terrorismus in der Welt, und deshalb hat sich, wie Sie in den letzten Jahre gesehen haben, bezüglich des Terrorismus in Europa nichts getan; die Terroristen greifen unverändert an, weil die westlichen Verantwortlichen es im Umgang mit diesem Problem nicht ernst meinen.

Frage 4: Und die letzte Frage: Denken Sie, daß die Wahl von Donald Trump hier in diesem Gebiet an der Rolle der USA etwas ändern konnte?

Präsident Assad: Sagen wir so, wir sind mit Zurückhaltung etwas optimistischer, weil wir nicht wissen, welche Politik er, unser Gebiet betreffend, im allgemeinen anstrebt, und wie er mit den verschiedenen Lobbies in den USA umgehen wird, die sich jeder Lösung in Syrien und irgendwelchen guten Beziehungen zu Rußland widersetzen. Aber wir können sagen, daß ein Teil des Optimismus mit besseren Beziehungen zwischen den USA und Rußland zusammenhängt, also nicht zwischen dem Westen und Rußland, weil Europa auf der politischen Karte nicht existiert. Ich spreche über nur die USA. Wenn es zwischen diesen beiden Großmächten einvernehmliche Beziehungen gibt, dann wird der größte Teil der Welt, darunter auch solche kleinen Länder wie Syrien, davon einen Nutzen haben. Dann können wir auch davon reden, daß es für Syrien eine Lösung geben wird. Zugleich sprach Herr Trump während seiner Wahlkampagne davon, daß er vorrangig den Terrorismus bekämpfen will, und wir glauben, daß das der Beginn einer Lösung ist, wenn er umsetzt, was er verkündet hat.

Journalist: O.k., Danke.

Präsident Assad: Danke.

https://syrianfreepress.wordpress.com/2016/12/31/al-assad-giornale-tg5/