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Haltet
den Dieb oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft
und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008
Teil
I
Begraben
will ich Cäsarn, nicht ihn preisen.
Was Menschen Übles tun, das überlebt sie,
Das Gute wird mit Ihnen oft begraben.
So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus
Hat euch gesagt, dass er voll Herrschsucht war;
Und war er das, so war´s ein schwer Vergehen,
Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt.
Hier, mit des Brutus Wille und der andern
(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, -
Das sind sie alle, alle ehrenwert!)
Aus
der Rede des Antonius aus „Julius Caesar“.
Von William Shakespeare
0.
Vorbemerkung
Robert
Steigerwald hat etwas sehr Positives getan, für das ich ihm sehr danke.
Das erste Mal – soweit ich weiß – ist ein hochrangiger Vertreter
einer jener Parteien, die ich als revisionistisch bezeichne, mit seinen
Ansichten vor eine breitere Öffentlichkeit getreten und stellt sich der
Kritik. Bisher haben sich die revisionistischen Parteiführer immer
hinter einem Vorhang von Phrasen versteckt, wahre Nebelwände von halben
Marxismen gelegt, um dahinter ihre revisionistischen Positionen zu
verstecken. Diskussionsbereit waren sie nie. Robert Steigerwald hat das
erste Mal seine grundlegende Position offen zur Diskussion gestellt, hat
sich kontrovers mit unserer Kritik am modernen Revisionismus befasst und
auch seine Position zu Stalin offenbart.
Das
ist positiv am Text Steigerwalds.
Interessant
ist, dass Gen. Steigerwald in seinem Text zwar Stalin als Verbrecher und
Mörder sieht, aber – o Wunder:
„Wird
versucht, über die Geschichte der Stalin-Zeit aufzuklären, kommt es
dabei nicht nur zu nötiger und berechtigter Würdigung ihrer großen,
unbestrittenen Verdienste.“
(Steigerwald)
Zu
den historisch-theoretischen Arbeiten von Kurt Gossweiler schreibt er:
„Geht
man dabei auch kritisch auf den unsäglichen Kult um Stalin ein und
befasst sich sodann (…) mit den Untaten der Stalin-Zeit, so presst
Gossweiler dies in ein bestimmtes Raster. Ihr macht aus Stalin einen
Blutsäufer, behauptet er.“
Steigerwald
macht es wie oben Antonius bei Shakespeare. Stalin war ein Tyrann, Mörder
und was alles auch noch, aber er hatte Verdienste.
Sieht
man durch Steigerwalds Brille die Verdienste, zerrinnen sie zu den
allbekannten bürgerlichen, antikommunistischen Propaganda: Also Stalin
das Doppelgestirn zu Hitler, wie Trotzki es hysterisch in die Welt
posaunte.
Nein,
Steigerwalds Polemik gegen uns hat das eine Positive, dass es mit aller
Offenheit die Falschheit des modernen Revisionismus und seiner Ideologen
offenbart und endlich die Möglichkeit eröffnet, in eine offene
Diskussion einzutreten. Die Mitglieder der DKP, andere Kommunisten und
Sozialisten, haben jetzt die Möglichkeit, sich in die Diskussion
einzuschalten und Stellung zu beziehen. Wir müssen nur aufpassen, dass
wir nicht in die revisionistische Falle tappen und uns auf eine rein
akademische Diskussion einlassen.
1.
Kritik am XX. Parteitag in den 60er Jahren
1.
1 Nur Hegemonieansprüche der KPdSU und der KP-Chinas?
„Vor
Jahrzehnten gab es zwischen der Sowjetunion, der KPdSU
sowie der VR China und der KPCh eine heftige Diskussion, in der
beide Seiten mit „kräftigen“ Worten aufeinander droschen:
Revisionismus, Trotzkismus, Verrat am Marxismus-Leninismus und was es
dergleichen an „Wertungen“ gab (und gibt). In Wahrheit ging es
damals überhaupt nicht um entsprechende Inhalte. Der Kern der
Auseinandersetzung war: Der
Kern der Auseinandersetzung war: Es kämpften zwei kommunistische Großmächte
um die Vorrangstellung in der kommunistischen und Arbeiterbewegung.
Das fand auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Widerspiegelung in
der Politik pro-maoistischer Gruppen, Organisationen und Parteien, die
schon in den 60er Jahren die illegale KPD, später die DKP bekämpften
und gegen den Sozialismus in Europa unter dem Banner des „Kampfes
gegen den Revisionismus“ auftraten.“
Worum
ging es tatsächlich? Ging es wirklich um eine Art Rivalität zwischen
der VR-China und der Sowjetunion, war es die Rivalität zweier Großmächte
um die Hegemonie, wie Steigerwald behauptet? Ich kenne mich zumindest in
der Argumentation der chinesischen Seite ganz gut aus. Ich fand und
finde, dass hier argumentiert wurde und nicht beschimpft und
unterstellt. Robert Steigerwald kennt sich sicher über die Texte der
sowjetischen Seite gut aus. Wenn er heute meint, es ging Chruschtschow
um die „Vorrangstellung in der kommunistischen und
Arbeiterbewegung“ und um nichts anderes, so will ich ihm nicht
widersprechen. Immerhin zeigte die Politik der Sowjetunion, die in der
Breschnew-Doktrin ihren Höhepunkt erreichte, was in Moskau gedacht und
gemacht wurde. Erst dann, wenn eine regierende Partei sich nicht mehr
der Bevormundung durch Moskau unterwarf, geriet sie in Ungnade im Kreml.
Ansonsten war es der KPdSU-Führung egal, wie weit in dem jeweiligen
Land wieder kapitalistische Verhältnisse eingeführt worden waren.
Władysław
Gomułka in Polen, der sein Scheitern den Juden in die Schuhe schob,
war Moskau ebenso recht, wie dessen Nachfolger Gierek, der das Land
total herunterwirtschaftete, es überschuldete, was schließlich in eine
Versorgungskrise führte, die zu den Streiks von 1980/1981 und zur Gründung
der Solidarność führte.
Die
polnische Landwirtschaft wurde von Kleinbauern betrieben, die zwischen 5
ha und 10 ha Land besaßen, also eben mal in der Lage waren, für den
eigenen Bedarf und nur wenig für die Versorgung der Bevölkerung zu
produzieren. Unter Gomułka waren die landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften liquidiert worden. Nur im Westen Polens gab
es landwirtschaftliche Großbetriebe als Staatsgüter. Als Polen immer
mehr in die Schuldenfalle im Westen tappte und immer mehr seine
landwirtschaftlichen und Industrieprodukte exportieren musste – wobei
noch die Misswirtschaft in weiten Bereichen der Industrie und des
Handels hinzu kam – brach die Versorgung zusammen. Eine Zeitlang,
Anfang 1981, waren die Regale der Supermärkte gähnend leer, nur Essig
und ungarischen Wein sah ich in einem Supermarkt in Lódz Januar 1981.
Gab es z.B. einmal Butter, musste man sich stundenlang anstellen und
selbst Toilettenpapier, Schreibhefte für Schüler, Bücher, Brot usw.
waren Mangelware in den Staatsläden. Wer es sich leisten konnte,
besorgte sich seinen Bedarf auf den freien Märkten – zu horrenden
Preisen. Ich weiß, wovon ich schreibe: Ich stand selbst einmal einen
ganzen Vormittag im Schneetreiben im Freien in einer Schlange für zwei
Päckchen Butter und zwei Döschen Tomatenmark.
Die
Versorgungslage und die Fehlentscheidungen der Parteiführung hatte zur
Folge, dass die reaktionärsten Elemente des Landes, der katholische
Klerus, nicht nur in der Arbeiterschaft seinen Einfluss verstärken
konnte, sondern schließlich sogar zum Faktor der Einflussnahme der
Regierung auf die Streiks wurde.
So
durfte der damalige Primas der katholischen Kirche, Stefan Kardinal
Wyszynski, im Sommer 1980, auf dem Sterbebett liegend, eine röchelnde
Ansprache im Fernsehen und Radio an die Nation halten, die Arbeiter
sollten nicht streiken, das Vaterland sei in
Gefahr. Der Papst Johannes Paul II. redete anschließend. Auch er
appellierte an die polnischen Arbeiter nicht zu streiken. Sie streikten
dennoch.
Ende
1981 kam es zur Machtübernahme des Militärs, es war eine Art Militärputsch.
Eine Militärdiktatur in einem sozialistischen Land – ein Unding. Aber
das fand das Wohlwollen der herrschenden Kreise in Moskau und den
anderen Hauptstädten des Ostens.
Die
Regierung der Volksrepublik und die PVAP, waren vom Wohlwollen des
reaktionären Klerus abhängig. Daran änderte auch das Kriegsrecht im
Winter 1981 nichts. Auch hier bediente sich die Regierung der
Vermittlung des Klerus. Ohne den klerikalen Einfluss wäre es womöglich
zu größeren Rebellionen gekommen. Im Oberschlesischen Bergbau kam es
auf einzelnen Zechen zu Streikaktionen gegen das Kriegsrecht. Unter
Beeinflussung durch den Klerus beendeten die Arbeiter aber ihre Kämpfe.
Soweit
war es in Polen gekommen, so nah stand die Volksrepublik am Abgrund. Als
das Kriegsrecht aufgehoben wurde, waren die letzten Regierungen der
Volksrepublik nur noch dabei, die Volksrepublik abzuwickeln. Der Präsident,
General Jaruzelski, der 1981 mittels des Militärs regiert hatte, ließ
es jetzt zu, dass die Regierung Mieczysław Rakowski (PVAP) abtrat
und durch eine klerikale ersetzt wurde. Er sei, sagte Jaruzelski damals,
der Präsident aller Polen.
Oder
János Kádár in Ungarn. Was Kádár in Ungarn in der
Wirtschaftspolitik machte, war der Goulaschkommunismus Chruschtschows. Längst
hatte sich dort eine kapitalistische Schattenwirtschaft etabliert. Ganz
ähnlich wie in Polen.
Dass
die Armeen des Warschauer Paktes in die CSSR 1968 einmarschierten und
den sogenannten Prager Frühling beendeten, lag das nicht an der
wirtschaftspolitischen Linie der KPč
unter Alexander Dubček, sondern weil sich Dubček der
Bevormundung Moskaus zu entziehen drohte. Die Wirtschaftsreformen waren
nicht kapitalistischer, wie die, welche bereits in Polen und Ungarn
lange vorher durchgeführt worden waren und wurden auch von Dubčeks
Nachfolger Gustáv Husák
nicht rückgängig gemacht.
Ganz
anders die Politik der Sowjetischen Führung gegenüber der
Volksrepublik Albanien. Bekanntlich kritisierte und attackierte die
Partei der Arbeit Albaniens die sowjetische Politik und den XX.
Parteitag sehr viel früher, als es die chinesische KP tat. Robert
Steigerwald wird wohl nicht ernsthaft behaupten, auch mit Enver Hoxha,
dem Vorsitzenden der PAA,
„kämpften zwei kommunistische Großmächte um die
Vorrangstellung“. Albanien können diese Ambitionen wohl nur
anhalluziniert werden – Albanien
war auch nicht der Juniorpartner der Chinesen. Das zeigte sich Ende der
70er Jahre, als China Pol Pot in Kambodscha unterstützte und Krieg
gegen Vietnam führte. Die albanische Partei distanzierte sich von den
Steinzeit“kommunisten“ Kambodschas und billigte den Einmarsch der
Vietnamesen. Worauf es zum Bruch mit Peking kam.
Gegen
Albanien ließ die sowjetische Führung die Muskeln spielen, als die
Albaner offene Kritik an der revisionistischen Politik der KPdSU übten:
Alle sowjetischen Entwicklungsprojekte wurden von heute auf morgen
eingestellt. Die sowjetischen Experten hinterließen Bauruinen und stürzten
die albanische Regierung in arge Schwierigkeiten – die gewollt waren
von Moskau.
Chruschtschow
verlangte beim letzten Besuch in Albanien, dass sich die Albaner im
Rahmen des RGW auf Orangen, Tabak usw. konzentrieren und auf den Anbau
von Brotgetreide ganz verzichten sollten. Chruschtschow meinte großspurig,
die Sowjetunion liefere das Getreide im Rahmen des RGW, denn was die
Albaner an Getreide brauchten, fräßen in der Sowjetunion die Mäuse.
Enver Hoxha lehnte ab.
Kurz
danach gab es eine Missernte an Getreide in Albanien. Die albanische
Regierung bat die Sowjetunion, sich berufend auf die Zusagen
Chruschtschows, um Getreidelieferungen. Die Moskauer Regierung lehnte
ab. Mit der Begründung, in der SU hätte man selbst nicht genug
Getreide. Gleichzeitig aber lieferten sie Getreide nach Ägypten.
Also.
Lieber Genosse Steigerwald, war das nur Rivalität um die
Vormachtstellung, oder ging
es doch um mehr? Ging es um die Grundlagen des Marxismus-Leninismus? Ich
denke schon. Es mag ja sein, dass die KPdSU-Führung Großmachtinteressen
hatte. Erfreulich, dass du das zugibst. Aber die Gegner des modernen
Revisionismus hatten dies nicht.
1.2
Maoistische Gruppierungen und Parteien bekämpften die KPD/DKP?
Ebenso
falsch ist, was Steigerwald weiter behauptet:
„Das
fand auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Widerspiegelung in der
Politik pro-maoistischer Gruppen, Organisationen und Parteien, die schon
in den 60er Jahren die illegale KPD, später die DKP bekämpften und
gegen den Sozialismus in Europa unter dem Banner des „Kampfes gegen
den Revisionismus“ auftraten.“
In
den 60er Jahren gab es noch keine „promaoistische“ Gruppe. Erst 1967
entstanden einige örtliche und
regionale Zirkel. In Hanau wurde eine MLPD von einem Steuerberater Erich
Reimann gegründet (nicht identisch mit der heutigen MLPD). Die gab eine
hektographierte Zeitung Namens „Sozialistisches Deutschland“ heraus.
Diese MLPD war eine offenkundige Geheimdienstgründung und spielte keine
Rolle in der Bewegung. Sie verschwand dann sang- und klanglos.
Die
erste bundesweite Organisation war die KPD/ML, sie ist zum 40. Jahrestag
der Gründung der KPD, am 31. Dezember 1968, gegründet worden. Übrigens
ohne das Abnicken der Gründung durch eine amtierende Bundesregierung
wie bei der DKP, die im September des gleichen Jahres gegründet wurde
– mit Segen der von CDU-Kanzler Kiesinger geführten Bundesregierung.
Das Kanzler Kiesinger ein Ex-Nazi und Mitarbeiter von Goebbels war, sei
nur zur Klärung erwähnt.
Natürlich
gab es inhaltliche Differenzen zwischen der KPD/ML und der DKP. Was ja
auch klar ist, denn sonst wären wir Mitglieder der DKP geworden. Dass
diese Differenzen auch offen ausgetragen wurden, ist auch klar.
Ich
gehörte dem 1. ZK der KPD/ML an und kenne alles von der Quelle her. Weiß
auch, dass die DKP-Führung sehr genau über uns informiert war, hatte
sich doch einer in ihrem Auftrag sogar in die Führung hieven lassen:
der Duisburger Paul Kluth. Und das konnte er nur, weil er Mitglied der
alten KPD war, denen wir besondere Hochachtung zukommen ließen. Paul
Kluth hat das benutzt und unser Vertrauen missbraucht.
Klar
ist auch, dass wir uns deutlich vom modernen Revisionismus abgrenzten
– gegen den „Sozialismus in Europa“ wandten wir uns nie.
Das brauchten wir auch nicht, denn die Regierungen der sozialistischen Länder,
bemühten sich nach Kräften und sehr erfolgreich, den Sozialismus in
Misskredit zu bringen.
Robert
Steigerwald bringt da etwas durcheinander: Wir kämpften gegen
den modernen Revisionismus und für
den Sozialismus. Unser Vorwurf an Chruschtschow und seine Nachfolger und
deren Anhänger war, sie hätten die Prinzipien des Marxismus-Leninismus
verlassen und steuerten in die Wiedereinführung des Kapitalismus.
Steigerwald
meint offenbar noch heute, dass er und die Linie der KPdSU die allein
selig machende wahre und reine Lehre des Kommunismus ist. Dass sie im
Labor der gesellschaftlichen Realität genau da gelandet ist, wie wir es
damals schon voraus sagten, zählt offenbar nicht. Kann diese
Herangehensweise des Genossen Steigerwald wissenschaftlich genannt
werden?
Wenn
unsere Kritik am modernen Revisionismus gegen den Sozialismus gerichtet
gewesen wäre, dann ist die Marxsche und Engelssche Kritik an den
Utopischen Sozialisten und den anderen von ihnen kritisierten
sozialistischen Strömungen, die sie beide im „Manifest“ übten,
auch antisozialistisch; dann ist auch antisozialistisch die Kritik des
Gothaer Programms, denn sie kritisierte direkt die Programmatik der
Partei der Arbeiterklasse, was die SPD damals ja war..
Ferner
Friedrich Engels Polemik gegen Eugen Dührung wäre es ebenso wie auch
Lenins Kritik der Menschewiki, Ökonomisten, oder später der Ultalinken
um Anton Pannekoek. Nach letzteren wurden immerhin sogar
das Astronomische Institut der Universität Amsterdam und ein
Mondkrater
benannt.
Und
Stalin war sowieso antisozialistisch, folgt man Steigerwalds gewagter
These, als er gegen die Trotzkisten den
Kampf führte. Dieses „Verbrechen“ korrigiert jetzt
Steigerwald wenigstens. Seine zur DKP gehörende
„Marx-Engels-Stiftung“, deren Ehrenvorsitzender er ist, leistet sich
eine recht innige Zusammenarbeit mit den Apologeten der IV.
Internationale Trotzkis.
Teil
II. folgt mehr
|
Zum
Autor:
Günter
Ackermann, Jahrgang 1940, Arbeiter und Kommunist, studierte
später Germanistik (1978-1984) mit Abschluss M.A., gehörte dem
1. ZK der KPD/ML an und war hier zuständig für
Betrieb&Gewerkschaft und Agit-Prop (ausgenommen das
Zentralorgan Roter Morgen).
Er
war auch Mitglied der Kommission, die den Gründungsparteitag am
50. Jahrestag der Gründung der KPD, am 31. Dezember 1968
vorbereitete. Hier leitete er die Gruppe, die den Statutentwurf
erarbeitete, der dann auch angenommen wurde.
Im
November 1967 weilte er das erste Mal auf Einladung der Partei
der Arbeit Albaniens in der Volksrepublik Albanien mit
Gesprächen mit Genossen des ZK der PAA. Im Sommer 1970 besuchte
er mit Ernst Aust als Vertreter des ZK der KPD/ML die
VR-Albanien.
Ferner
hielt er im Auftrag des ZK der KPD/ML den regelmäßigen Kontakt
zur Nachrichtenagentur der VR-China Hsinhua, die damals ihren
Sitz in Bonn-Bad-Godesberg hatte.
Günter
Ackermann schied 1972 aus der KPD/ML, wegen Differenzen vor
allem mit Gernot Schubert und Ernst Aust über die
Herangehensweise an Fragen der inneren Leitung und Führung der
Partei durch das ZK, aus. |
Robert Steigerwald: „Über „Revisionismus“ und
„Revisionismus-Kritik“
|
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Haltet
den Dieb
oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft
und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008
Teil
II
2.
Chruschtschow „korrigiert die falschen Teile“ von Stalins Politik,
setzt aber die richtigen fort – meint Steigerwald
Laut
Robert Steigerwald hat Stalin ja auch was richtig gemacht.
„Aber
andere wenden sich diesem Problem zu, ohne Stalins Leistungen und
Verdienste zu leugnen.“
Na
also, da sage einer, Steigerwald sehe das einseitig.
Aber,
siehe Shakespeare, Stalin war ein Verbrecher, der Untaten begangen
hatte, und die beseitigte Chruschtschow.
„Es
waren die Untaten, die Verfolgungen, die Verbrechen, nicht die Kritik.
Diese Kritik war notwendig, die kritisierten Probleme auf Dauer zu
verschweigen, unmöglich, was zutiefst dem moralischen Anspruch der
Kommunisten widersprochen hätte. Eine Erneuerung war notwendig,
grundlegende Schlussfolgerungen. Doch dies erfolgte nur teilweise, blieb
inkonsequent, entsprach nicht den realen gesellschaftlichen
Erfordernissen.“
Steigerwald
schätzt den XX. Parteitag als die „Erneuerung“ ein – wenn auch
als eine, die nicht weit genug ging. Sollte Steigerwald da nicht „Überprüfung“
hinschreiben? Das aber hätte als Fremdwort im Klartext unter
Kommunisten Revision geheißen und wäre dann doch zu enthüllend
gewesen.
Diese
Revision „erfolgte nur teilweise, blieb inkonsequent, entsprach
nicht den realen gesellschaftlichen Erfordernissen“ – was dann
der den revisionistischen Verrat an den sozialistischen Ländern mit
konterrevolutionärem Volldampf vollendende Gorbatschow dreißig Jahre
später nachholte.
Jedenfalls
„erneuerte“ sich fortan die Sowjetunion fortlaufend. Auf
Chruschtschow folgten die „Erneuerer“ Breschnew und Kossygin bis ins
hohe Alter (herausragende „Erneuerung“: die
„Breschnew-Doktrin“), deren Herrschaft in die Gerontokratie führte.
Gefolgt von der „Erneuerern“ Andropow und Tschernjenko. Dies
gipfelte dann in der gesamten „Erneuerung“ der Sowjetunion
durch Gorbatschow. So erneuerte sich, folgt man der Logik Steigerwalds,
die KPdSU und die von ihr geführte UdSSR, bis es nichts mehr zu
„erneuern“ oder zu konterrevolutionieren gab.
2.1
„Friedliche Koexistenz“
„Wenn
die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung einseitig
nur auf „friedliche Koexistenz“, „friedlichen Wettbewerb“ oder
„friedlichen Übergang“ zurückgeführt wird, dann ist das ein
Verstoß gegen die revolutionären Prinzipien in der Deklaration von
1957 und in der Erklärung von 1960, dann wird die historische Mission
der proletarischen Weltrevolution aufgegeben, dann bedeutet das die
Abkehr von den revolutionären Lehren des Marxismus-Leninismus.
Die Bevölkerung der Länder des sozialistischen Lagers, das
Weltproletariat und alle Werktätigen stellen an die kommunistischen und
Arbeiterparteien der Länder des sozialistischen Lagers hauptsächlich
die folgenden gemeinsamen Forderungen:
- Die marxistisch-leninistische Linie einzuhalten
und eine korrekte marxistisch-leninistische Innen- und Außenpolitik zu
verfolgen;
- die Diktatur des Proletariats und das Bündnis
zwischen Arbeitern und Bauern unter Führung des Proletariats zu
festigen, die sozialistische Revolution an der wirtschaftlichen,
politischen und ideologischen Front zu Ende zu führen;
- die Initiative und Schöpferkraft der
Volksmassen zu entfalten, den sozialistischen Aufbau planmäßig
durchzuführen, die Produktion zu entwickeln, den Lebensstandard des
Volkes zu verbessern, die Landesverteidigung zu stärken;
- auf Grundlage des Marxismus-Leninismus die
Geschlossenheit des sozialistischen Lagers zu festigen, auf Grundlage
des proletarischen Internationalismus andere sozialistische Länder zu
unterstützen;
- gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des
Imperialismus, für die Verteidigung des Weltfriedens zu kämpfen;
die antikommunistische, volksfeindliche und
konterrevolutionäre Politik der Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen;
- die unterdrückten Klassen und unterjochten
Nationen der Welt in ihrem revolutionären Kampf zu unterstützen.
- die Diktatur des Proletariats und das Bündnis zwischen Arbeitern und
Bauern unter Führung des Proletariats zu festigen, die sozialistische
Revolution an der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Front
zu Ende zu führen;
- die Initiative und Schöpferkraft der
Volksmassen zu entfalten, den sozialistischen Aufbau planmäßig
durchzuführen, die Produktion zu entwickeln, den Lebensstandard des
Volkes zu verbessern, die Landesverteidigung zu stärken;
- auf Grundlage des Marxismus-Leninismus die
Geschlossenheit des sozialistischen Lagers zu festigen, auf Grundlage
des proletarischen Internationalismus andere sozialistische Länder zu
unterstützen;
- gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des
Imperialismus, für die Verteidigung des Weltfriedens zu kämpfen;
- die antikommunistische, volksfeindliche und
konterrevolutionäre Politik der Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen;
- die unterdrückten Klassen und unterjochten
Nationen der Welt in ihrem revolutionären Kampf zu unterstützen.“
Chruschtschow
erhob die „friedliche Koexistenz“ zum Prinzip der Politik der UdSSR,
ebenso den „friedlichen Übergang zum Sozialismus“. Genau dagegen
traten damals die chinesische KP, die Partei der Arbeit Albaniens und
auch wir auf und kritisierten es auf der Grundlage des
Marxismus-Leninismus.
Ein
Beispiel für falsche „friedliche Koexistenz“:
-
Willy Brandt verkündete Anfang der 70er Jahre die „Neue
Ostpolitik“. Wir waren skeptisch und zweifelten, dass der deutsche
Imperialismus auf einmal friedlich geworden sein soll. Aber alle Welt
verkündete, das sei Friedenspolitik. Du und Deine DKP, lieber Genosse
Steigerwald, beschimpften uns als Helfershelfer der Kriegshetzer, des
Rainer Barzel, Erich Mende und Franz Josef Strauß, die vorgaben, gegen
diese Politik zu sein.
-
Ihr meintet, mit der neuen Ostpolitik würden die Grenzen, die nach dem
2. Weltkrieg zustande gekommen waren, anerkannt. Wurden sie das? Nein,
sie sind es bis heute noch nicht. Brandt erklärte nur, die BRD werde
auf eine gewaltsame Änderung verzichten. Das konnte er auch, die wäre
eh nicht möglich gewesen.
-
Völkerrechtliche Anerkennung der DDR. Auch das geschah nicht. DDR-Bürger
galten außerhalb der DDR als Bundesbürger, nur im Osten wandten die
diplomatischen Vertretungen der BRD das nicht an.
-
Die diplomatischen Vertretungen der DDR in der BRD und der BRD in der
DDR waren keine Botschaften, sondern „Ständige Vertretungen“. Die
der BRD in der DDR unterstand auch nicht dem Auswärtigen Amt, sondern
dem Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen.
-
Die BRD nutze die Ostverträge massiv zur Beeinflussung der Menschen in
der DDR und verkaufte den „Friedenskanzler“ Brandt massenwirksam.
Man erinnere sich nur an Brandts Auftritt in Erfurt mit dem
DDR-Ministerpräsident Willy Stoph, als die DDR-Bürger lautstark
„Willy Brandt ans Fenster“ riefen.
Die
Brandtsche Parole „Wandel durch Annäherung“ muss heute übersetzt
werden als „Konterrevolution durch Aufweichung“. War das friedliche
Koexistenz, wie sie Lenin einst formulierte?
Die
albanische Zeitung Zeri i Popullit, das
Zentralorgan der Partei der Arbeit Albaniens, schrieb dazu im August
1970 zu den Ostverträgen der BRD-Regierung:
„Es bleibt die Tatsache, daß die
Bundesrepublik die DDR nicht anerkennt, daß sie weiterhin den Anspruch
erhebt, sie allein vertrete die ganze deutsche Nation, daß sie die DDR
bloß als ein Gebiet betrachtet, das vorübergehend außerhalb ihrer
Grenzen geblieben sei, daß aber wohl die Zeit kommen und sich die Wege
finden würden, sie wieder in den Schoß des Vaterlandes „zurückzuführen“.
Diese
politische Linie und offizielle Haltung der Bundesregierung zur DDR
haben die sowjetischen Revisionisten öffentlich akzeptiert, indem sie
als offizielles Dokument und als Zusatz zum Vertrag die Note annahmen,
die Bonn am 12. August der sowjetischen Regierung übermittelte und in
welcher der so genannte „deutsche Wunsch“ ausgedrückt wurde, für
die „friedliche Wiedervereinigung“ Deutschlands zu „arbeiten“.
Damals
schon benutzte die sowjetische Führung die DDR als Manipulationsmasse.
Ebenso wenig anerkannte die BRD die vom 2. Weltkrieg geschaffenen Fakten
der Grenzziehung. Die deutschen Ostgrenzen wurden nicht anerkannt. All
das akzeptierte die sowjetische Führung und mit ihnen dir der VR Polen
und der DDR.
Gorbatschow
war also nicht nur bösartiger Verräter, der sich an die Spitze der
Sowjetunion geschlichen hatte – das war er auch – sondern er setzte
die Politik des Verrats seit Chruschtschow fort. Der hatte einst großspurig
einen Friedenvertrag für Deutschland, mit Anerkennung der DDR,
verlangt. Aber dann strich er die Segel und zog sich winselnd zurück
und begnügte sich mit der Grenzsicherung von 1961. Wie sich zeigte,
keine wirkliche Garantie der Unantastbarkeit der Grenzen der DDR und vor
allem: die Imperialisten spielten sich als die „Wahrer
der Menschenrechte gegen Mauer und Stacheldraht auf“.
Wer
also, lieber Genosse Steigerwald, tat etwas gegen den Sozialismus in
Europa? Wir oder eure Führer in Moskau und anderswo? Aber ihr
bezichtigtet jeden, der den friedlichen Charakter dieser Verträge
anzweifelte, als Helfershelfer der Revanchisten, Gefolgsmann von F.J.
Strauß, Feind des Friedens und des Sozialismus usw. Das machst du ja
noch heute, trotz der offenkundigen Ergebnisse dieser Politik.
H.H.
Holz, vom linken Flügel der DKP, schreibt zum Text von Steigerwald:
„Wenn
sich die Orientierung auf Reformen im Bestehenden vor das revolutionäre
Ziel einer neuen Gesellschaftsordnung schiebt, wird schließlich dieses
Ziel gänzlich aus den Augen verloren. Klassenkompromisse treten an die
Stelle des Klassenkampfs. Das eben ist der Kern dessen, was
Revisionismus genannt wird. Das Wort ist in seiner präzisen Bedeutung
zu nehmen: lateinisch re-videre = wieder hinsehen, neu betrachten, zum
Beispiel, um Fehler zu entdecken oder Überaltertes abzuändern. Das Verändern
des theoretischen Gewichts von Elementen der marxistischen Analyse war
zu allen Zeiten der Inhalt der verschiedenen Spielarten von
Revisionismus von Bernstein und Kautsky bis zu Bucharin, von den
jugoslawischen Praxis-Philosophen bis zu den Eurokommunisten.“
Dem
habe ich nichts hinzu zu fügen. So ähnlich war damals die Kritik der
KPCh, der Partei der Arbeit Albaniens, die der KP-Indonesiens, der KP
der Philippinen, unsere und anderer kommunistischer Parteien.
Steigerwald
behauptet: Unter dem Deckmantel des Antirevisionismus kämpften wir
damals gegen den Sozialismus, gegen die DKP, usw. Es war genau
umgedreht: Unter dem Deckmantel des Kommunismus bekämpften die modernen
Revisionisten den Marxismus-Leninismus. Das Ergebnis dieses Handelns war
dann 1990 erreicht: Untergang der UdSSR, des sozialistischen Lagers und
Sieg des Kapitalismus im Kalten Krieg.
Das
„verdanken“ wir Chruschtschow und seinen Nachfolgern, denn Stalin kämpfte
gegen diese Entartungen.
2.2
Steigerwald zitiert Stalin nach eigenem Gutdünken und falsch
Steigerwald
schreibt zu Chruschtschows These, die Sowjetunion sei der „Staat des
ganzen Volkes“ und kein Klassenstaat mehr und behauptet, das ginge auf
Stalin zurück, denn der habe vertreten,
„, dass die Ausbeuterklassen verschwunden seien und da es keine
Ausbeutung mehr gebe, gebe es auch niemanden mehr, der zu unterdrücken
sei. So nachzulesen auch in den „Fragen des Leninismus“ (Moskau
1967, S. 727). Man habe jetzt einen völlig neuen, sozialistischen
Staat, wie ihn die Geschichte noch nicht gekannt hat (ebenda S. 728).
Das ist – unabhängig von der Verfassungsrealität - doch
offensichtlich die theoretische Rechtfertigung für Chrustschows spätere
These vom Staat des ganzen Volkes!“
Was
aber vertrat Stalin wirklich? Stalin sagte, es gebe in der UdSSR kein
Proletariat mehr und begründet das so:
„Das
bedeutet, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen
aufgehoben, beseitigt, das sozialistische Eigentum an den
Produktionsmitteln und -instrumenten sich aber als unerschütterliche
Grundlage unserer Sowjetgesellschaft durchgesetzt hat.
Proletariat
ist eine Klasse, die der Produktionsmittel und -instrumente beraubt ist
bei einem Wirtschaftssystem, in dem die Produktionsmittel und
-instrumente den Kapitalisten gehören und die Kapitalistenklasse das
Proletariat ausbeutet. Das
Proletariat ist eine Klasse, die von den Kapitalisten ausgebeutet wird.
Bei uns aber ist die Kapitalistenklasse bekanntlich schon liquidiert,
die Produktionsmittel und -instrumente sind den Kapitalisten weggenommen
und dem Staat übergeben worden, dessen führende Kraft die
Arbeiterklasse ist. Also gibt es keine Kapitalistenklasse mehr, von
der die Arbeiterklasse ausgebeutet werden könnte. Also ist unsere
Arbeiterklasse der Produktionsmittel und -instrumente nicht nur nicht
beraubt, sondern im Gegenteil, sie besitzt sie gemeinsam mit dem ganzen
Volke. Da sie sie aber besitzt und die Kapitalistenklasse liquidiert
ist, so ist jede Möglichkeit ausgeschlossen, die Arbeiterklasse
auszubeuten. Kann man danach unsere Arbeiterklasse Proletariat nennen?
Es ist klar, dass man es nicht kann. Marx hat gesagt: Um sich zu
befreien, muss das Proletariat die Klasse der Kapitalisten
zerschmettern, den Kapitalisten die Produktionsmittel und -instrumente
wegnehmen und jene Produktionsverhältnisse abschaffen, die das
Proletariat erzeugen. Kann man sagen, dass die Arbeiterklasse der
Sowjetunion diese Bedingungen ihrer Befreiung schon verwirklicht hat?
Das kann man und muss man unbedingt sagen. Was bedeutet das aber? Das
bedeutet, dass das Proletariat der Sowjetunion zu einer völlig neuen
Klasse, zu der Arbeiterklasse der Sowjetunion geworden ist, die das
kapitalistische Wirtschaftssystem abgeschafft, das sozialistische
Eigentum an den Produktionsmitteln und -instrumenten verankert hat und
die Sowjetgesellschaft auf den Weg zum Kommunismus leitet.“
(Hervorhebung von mir, G.A.)
Das
ist etwas ganz anderes, als Steigerwald behauptet. Stalin verkündete in
der genannten Rede die Vollendung des Sozialismus und meinte, die UdSSR
sei auf dem Weg zum Kommunismus, der klassenlosen Gesellschaft. Und er
sagte, das Proletariat habe sich zu einer neuen Klasse, der (befreiten)
Arbeiterklasse der Sowjetunion gewandelt. Merkmal des Proletariats ist,
dass es rechtlos ist, fremdbestimmt für den Kapitalisten arbeiten müsse,
also keine Produktionsmittel besitze. Genau das aber stimmte in der
UdSSR nicht mehr.
Über
den Staat Sowjetunion sagt Stalin an der Stelle nichts. Indem die
befreite Arbeiterklasse der UdSSR entstanden ist, muss doch nicht
automatisch der Staat klassenlos geworden sein, müssen doch nicht die
Klassen verschwunden sein, die die Diktatur des Proletariats unterdrückt.
Klassenlose Staaten kann es nicht geben. Jeder Staat ist immer das
Machtinstrument einer herrschenden Klasse. Stalin vertrat das genaue
Gegen teil dessen, was Steigerwald behauptet::
„Es ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu
werfen, dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres
Vormarsches mehr und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in
dem Maße, wie wir Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil,
je weiter wir vorwärts schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden,
um so größer wird die Wut der Überreste der zerschlagenen
Ausbeuterklassen werden, um so mehr Niederträchtigkeiten werden sie
gegen den Sowjetstaat begehen, um so mehr werden sie zu den
verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den letzten Mitteln zum
Untergang Verurteilter. Man muss im Auge behalten, dass die Reste der
zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine dastehen. Sie genießen
die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenzen der
UdSSR.”
Wozu, Genosse Steigerwald, sollte sich in der
UdSSR der Klassenkampf verschärfen, wenn doch –
Friede-Freude-Eierkuchen – sie ein „Staat des ganzen Volkes“ sei,
in dem der Klassenkampf aufgehört habe?
Steigerwald verfälscht hier Stalin, indem er
behauptet, die Chruschtschowsche These vom „Staat des ganzen Volkes“
sei in Wirklichkeit eine These Stalins.
Und weiter:
Steigerwald „erklärt“, warum
Chruschtschow, der Stalin bekanntlich Verletzung der innerparteilichen
Demokratie vorwarf, mit seiner Geheimrede selbst diese innerparteiliche
Demokratie verletzte, indem er das Zentralkomitee im Unklaren ließ, was
er vor hatte und somit die gesamte Parteiführung überrumpelte.
Steigerwald:
„Was diese Kritiken angeht, muss man
sich in die damalige Lage versetzen. Es wäre unmöglich gewesen, eine
deutliche Kritik an der Geschichte der Partei und des Staates in breiter
Öffentlichkeit vorzubereiten und danach zu entwickeln.“
Die „Kritiken“, damit ist der Vorwurf Chruschtschows gemeint, Stalin
habe Verbrechen begangen und die Prinzipien der sozialistischen
Demokratie verletzt. Dass das Chruschtschow jetzt aber tat, muss man, so
meint Steigerwald, entschuldigen. Man müsse eben die konkrete
historische Situation sehen, denn der „unmittelbare
Apparat der Partei und des Staates war noch fest in der Hand von Kräften,
die an den Untaten selbst aktiv beteiligt waren.“
Also,
ins Wahre übersetzt: Die Partei hatte noch weitgehend eine
marxistisch-leninistische Führung, und die musste Chruschtschow überrumpeln
und dann außer Gefecht setzen.
Chruschtschow
billigt er also das Recht zu, die Parteiführung zu hintergehen.
Interessant! Sehr enthüllend!
Und
Chruschtschow tat, wie Steigerwald entschuldigend dazu festestellt, nur
das, was auch Stalin tat. Denn es „gab (…) unter Stalin keinen
Parteitag von 1939 bis 1953.“
Anzumerken
ist hier, dass das sachlich falsch ist. Der XVIII. Parteitag fand tatsächlich
am 10. März 1938 statt, und es folgte eine Periode ohne Parteitage.
Aber dem XVIII. Parteitag folgte nicht der XX. Parteitag, sondern der
XIX. Parteitag, welcher noch zu Lebzeiten Stalins, am 5. bis 15. Oktober
1952, in Moskau stattfand. Oder irre ich mich da?
Den
Steigerwaldschen Vergleich von Chruschtschows Betrug der Parteiführung
am XX. Parteitag mit der Nichtdurchführung von Parteitagen unter Stalin
von 1938 bis 1952 nenne ich schlichtweg mit der Dummheit und
Unwissenheit der Leser kalkulieren. Denn, sieht man den Zeitraum, konnte
ein Parteitag gar nicht durchgeführt werden. In der Zeit gab es nämlich
einen Weltkrieg, in dem die Sowjetunion seit 1941 von Nazitruppen überfallen
wurde. In jenen zwei Jahren vor dem Überfall der Nazis war die Weltlage
so brisant und drohte die UdSSR zur Unzeit in den Krieg hingezogen zu
werden, dass ein Parteitag in der Zeit ein Ding der Unmöglichkeit war.
Während des Krieges ging es dann sowieso nicht, und nach 1945 waren
weite Landstriche der UdSSR verwüstet, die Fabriken zerstört, die
Menschen hungerten. Es gab wichtigeres als einen Parteitag.
Der
Revisionist Steigerwald stellt sich hinter den Revisionisten Chrustschow
und billigt Chruschtschow das bewusste Täuschen, Hintergehen und Überrumpeln
der konsequenten Marxisten-Leninisten in der Führung der KPdSU mit Rücksicht
auf die damalige historische Situation zu, weil eine
marxistisch-leninistische Mehrheit in der damaligen Parteiführung sonst
den Revisionisten Chruschtschow abgesetzt hätte. Aber der sehr logische
historische Hintergrund, warum unter Stalin kein Parteitag von 1938 an
durchgeführt wurde, wird von Steigerwald bewusst unterschlagen.
Steigerwald
meint:
„Wenn
es möglich war, dass innerhalb von drei Jahren nach Stalins Tod eine
solche „im Lenin´schen Geist von Stalin geschweißte“ Partei und
der so geprägte Staat durch einen solchen Parteitag komplett überrumpelt
werden konnte, so war diese Partei schon vorher nicht mehr das, wofür
ihre Verteidiger sie halten. Dann hat der Zersetzungsprozess der Partei
nicht erst 1956 begonnen.“
Natürlich
war die KPdSU nicht vor dem Parteitag nur die „im Lenin´schen
Geist von Stalin geschweißte“ Partei, frei von Revisionisten und
Verrätern. Der Tod Stalins kam zum „richtigen“ Zeitpunkt, denn 1953
sollte genau ein solcher Kampf gegen jene beginnen, die verbürgerlicht
waren. Ob dieser Säuberung auch das Chamäleon Chruschtschow zum Opfer
gefallen wäre, ist reine Spekulation.
Natürlich
musste die marxistisch-leninistische ideologische Ausrichtung während
des Krieges der Ausrichtung auf die Verteidigung des Vaterlandes hinten
anstehen. Also konnten sich auch bürgerliche Elemente einschleichen und
Karriere machen. Kommunisten kämpften vor allem an der Front und nicht
am Schreibtisch, also zahlten sie einen hohen Blutzoll. Immerhin ließen
die Nazis alle sog. Kommissare, also Politoffiziere, denen sie habhaft
wurden, ermorden. Die Politoffiziere aber waren das kommunistische Rückgrat
der Roten Armee.
Ich
will mich nicht weiter mit diesen Unterstellungen, Lügen, falschen
Zitaten usw. befassen und nur noch einen Bereich aufgreifen, den
Steigerwald offenbar sehr mag.
Haltet
den Dieb oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft
und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008
Es
folgt morgen Teil III
3.
Wissenschaftskritik unter Stalin und die revisionistische Wende unter
Chruschtschow mehr
ZK
der KP Chinas: EIN VORSCHLAG ZUR GENERALLINIE DER INTERNATIONALEN
KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG
Antwort
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas auf den Brief
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom
30. März 1963 (14. Juni 1963), (Verlag für fremdsprachige
Literatur Peking 1963) siehe
Der sowjetisch-deutsche Vertrag, Ein gefährliches
Komplott gegen die Völker Europas und der ganzen Welt, Artikel
aus „Zeri i Popullit“, Zentralorgan der Partei der Arbeit
Albaniens, vom 22. August 1970 siehe
Robert Steigerwald: „Über „Revisionismus“ und
„Revisionismus-Kritik“
(In: J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen
zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler,
Berlin 1954, S.22 f.)
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Haltet
den Dieb
oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft
und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008
Teil
III
3.
Wissenschaftskritik unter Stalin und die revisionistische Wende unter
Chruschtschow
Natürlich
waren nicht alle Teile der Wissenschaft wirklich wissenschaftlich. In
allen Gesellschaftsordnungen gibt es das, dass Wissenschaftler irren
oder zu falschen Ergebnissen führen. So wohl auch zu Stalins Zeiten.
Aber
waren die allgemeinen Vorgaben durch die Partei auf dem Boden des
wissenschaftlichen Sozialismus oder waren sie es nicht?
3.1
Exkurs:
Gibt
es kommunistische Kybernetik? Oder
Georg
Klaus versucht bürgerliche Wissenschaft kommunistisch umzumodeln
Steigerwald
bringt einige Beispiele des, nach seiner Meinung, falschen Herangehens
an Wissenschaft unter Stalin. Es mag sein, dass an der Parteihochschule
es nicht gestattet war, die amerikanische Philosophie zu zitieren.
Auffallend ist, dass Steigerwald den Namen des Kybernetikers Georg Klaus
(1912 – 1974) so hervor hebt. Klaus avancierte 1950 bis zum Professor
für Dialektischen und Historischen Materialismus und er war, gemeinsam
mit Manfred Buhr, Herausgeber des in der DDR erschienenen
Philosophischen Wörterbuchs. Georg Klaus gilt als der Wegbereiter der
Kybernetik in der DDR.
Der
Begründer der Kybernetik ist der US-Amerikaner Norbert Wiener. Der
bezeichnet seine Disziplin so:
„Kybernetik
ist die Wissenschaft von der Steuerung und Regelung, das heißt der
zielgerichteten Beeinflussung von Systemen, sowie der
Informationsverarbeitungsprozesse und deren Automatisierung, die das
Wesentliche der Steuerungs- und Regelungsvorgänge ausmachen.“
Allgemein
wird Kybernetik mit Computern in Zusammenhang gebracht. Das stimmt aber
nur zum Teil. Sie versteht sich auch als Gesellschaftswissenschaft, und
so sah sie auch Georg Klaus:
„Die
Kybernetik strebt danach, Struktur und Funktion von Klassen dynamischer
Systeme, deren Repräsentanten solche Merkmale aufweisen, mit
zunehmender Vollkommenheit mathematisch zu beschreiben und modellmäßig
zu erfassen (…). Sie schöpft ihre Erkenntnisse vor allem aus dem
Studium konkreter kybernetischer Systeme
in den verschiedenen Bewegungsformen der Materie und aus den
Experimenten an Modellsystemen, wobei sie jedoch idealisierte
theoretische Systeme aufbaut, bei denen von allen Besonderheiten einer
bestimmten Bewegungsform der Materie abstrahiert ist.“
Kybernetik
beschränkt sich nicht auf das Gebiet elektronischer Datenverarbeitung,
das damals erst in den Kinderschuhen steckte, sondern Kybernetik
versteht sich als Gesellschaftswissenschaft. Also mit Kybernetik zur
vollkommenen Gesellschaft – aber wo bleiben die Menschen in diesem
mathematischen Modell?
Ob
die menschliche Gesellschaft sich mathematisch so fassen lässt,
bezweifle ich. Ich vermute vielmehr, hier steckt der vergebliche Versuch
dahinter, das Streben der Bourgeoisie, die Anarchie des kapitalistischen
Marktes aufzubrechen und vorhersagbar zu machen.
Wenn
Georg Klaus das auf die nicht-kapitalistische sozialistische
Gesellschaft der DDR übertragen wollte, ist das nicht minder falsch.
Man kann weder unwissenschaftliche bürgerliche Wissenschaft erfolgreich
sozialistisch ummodeln, noch kann man die kapitalistische
Marktwirtschaft sozialistisch betreiben. Kybernetik klammert den
denkenden und handelnden Menschen aus und degradiert ihn zur
mathematischen Formel oder zum mathematischen Modell. Etwas, was
scheitern muss.
Und
Kybernetik ist schon gar nicht das, zu was sie deren Jünger machen
wollen, eine Art Überwissenschaft. Wenn Kybernetik unter Stalin als
unwissenschaftlich und bürgerlich bezeichnet wurde, so war das eine
richtige Erkenntnis.
Noch
heute preisen die Kybernetiker ihren Missionar in der DDR:
„Bekanntlich
gilt das Erscheinen des Buches „Cybernetics“ von Norbert Wiener 1948
als Gründungsakt der Kybernetik in den USA. Obwohl die neue
Wissenschaft zunächst in der Sowjetunion als „bürgerlich“
abgelehnt wurde, faßte sie allmählich auch im Osten Fuß. In der DDR
war dies vor allem dem Wirken des Philosophen Georg Klaus zu verdanken.
Der Ablehnung in den 1950er Jahren folgte eine Phase der überschwenglichen
Begeisterung für die Kybernetik, deren Begriffe und Denkmodelle in fast
allen Natur- und Geisteswissenschaften euphorisch aufgesogen wurden.“
Und
sie verunglimpfen die DDR gleichzeitig: „Als aber die
ideologiefreie Betrachtung von gesellschaftlichen Informations- und
Kommunikationsprozessen die „führende Rolle der SED“ in Frage zu
stellen schien, folgte 1969 eine harsche antikybernetische Wende…“
Die
Kybernetik war in der DDR nicht unumbestritten. Aber lange genoss Klaus
das Wohlwollen der Parteiführung. Sowohl Walter Ulbricht wie auch
Chruschtschow sangen wahre Loblieder auf Kybernetik und wähnten, sie löse
alle Probleme. So wurde Klaus mit Ehrungen überschüttet. Er bekam z.B.
zweimal den Nationalpreis für Wissenschaft und Technik der DDR.
Klaus,
der angeblich Opfer des Dogmatismus der Partei wurde, betätigte sich
als einer, der die Kritik an seiner Art der Wissenschaft mittels Intrige
unterdrückte.
„Auch
von Seiten der Philosophen und Naturwissenschaftler gab es weiterhin
scharfe Kritik, doch das Charisma von Klaus, zweimal Träger des
Nationalpreises für Wissenschaft und Technik und Überlebender der
Todescamps, versagte diesen Kritikern den Zugang zu den Zeitschriften.
So wurde die Rezension von Klaus Fuchs-Kittowski (geb. 1934) von
Klaus’ Kybernetik in philosophischer Sicht, die für die Deutsche
Zeitschrift für Philosophie verfaßt worden war, dort nicht veröffentlicht.
Fuchs-Kittowski warf Klaus in diesem als ein „Ein Beitrag zur Überwindung
des Dogmatismus in der Philosophie“ gedachten Artikel, der sich ebenso
gegen die „Gewis“
wandte, einen eigenen Dogmatismus in seiner Einführung der Kybernetik
vor.“
Klaus
tummelte sich nicht nur in der Kybernetik, nicht minder auch in der
Philosophie. als Mitherausgeber des Philosophischen Wörterbuchs.
Hervorzuheben ist, dass im Philosophischen Wörterbuch, einer der
bedeutendsten Philosophen des Marxismus aus der Zeit von Marx und
Engels, fehlt. Den achteten Marx und Engels und Lenin sehr hoch –
Georg Klaus erwähnt ihn mit keiner Silbe.
Dieser
große Denker hieß Josef Dietzgen. Friedrich Engels schrieb über
dessen Werk:
„Damit
aber wurde die Begriffsdialektik selbst nur der bewußte Reflex der
dialektischen Bewegung der wirklichen Welt, und damit wurde die
Hegelsche Dialektik auf den Kopf, oder vielmehr vom Kopf, auf dem sie
stand, wieder auf die Füße gestellt. Und diese materialistische
Dialektik, die seit Jahren unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste
Waffe war, wurde merkwürdigerweise nicht nur von uns, sondern außerdem
noch, unabhängig von uns und selbst von Hegel, wieder entdeckt von
einem deutschen Arbeiter, Josef Dietzgen.“
Also
der, welcher den dialektischen Materialismus neben Marx und Engels
entdeckt hat, den erwähnt der grandiose marxistische Philosoph und
philosophische Kybernetiker, Mitherausgeber des Philosophischen Wörterbuchs,
das später mit dem Attribut „marxistisch-leninistisch“ versehen
wurde, überhaupt nicht.
Die
Lösung scheint uns – wieder einmal – Lenin zu liefern. Er schreibt
über Dietzgen:
„Dietzgen
der Ältere, (…), brachte die Grundauffassung des Marxismus von den
philosophischen Richtungen, die in den bürgerlichen Ländern herrschen
und unter ihren Gelehrten und Publizisten Ansehen genießen, richtig,
treffend und klar zum Ausdruck, als er sagte, dass die Professoren der
Philosophie in der modernen Gesellschaft in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich
nichts anderes sind als ,,diplomierte Lakaien der Pfafferei“.
Der
,,diplomierte Lakai der Pfafferei“ Georg
Klasus – der der Glaubenprediger und Pfaffen des
modernen Revisionismus – verachten den einfachen Handwerker aus dem
Siegtal bei Bonn. Engels und Lenin hatten diesen Dünkel nicht und
erkennen neidlos die Verdienste Dietzgens an.
Spricht
nicht allein das schon gegen Georg Klaus?
Aber
weiter: Als kybernetischer Überwissenschaftler begab er sich auch auf
das Gebiet der Linguistik. Seine Schrift „Sprache der Politik“ zeigt
sein fragwürdiges Wirken: Die Wahrheit ist diesmal sein Opfer.
„Eine
politische Aussage ist dann wahr und nur dann, wenn das, was diese
Aussage beinhaltet, tatsächlich der Fall ist.“
Wer
ist da nicht verblüfft über dieses kybernetische Modell der Wahrheit?
Wahrheit ist Wahrheit weil sie wahr ist. Nun denn…
Der
von Klaus nicht beachtete Josef Dietzgen schreibt zu diesem Thema:
„Das
Allgemeine innerhalb eines gegebenen Zyklus sinnbildlicher Erscheinungen
ist Wahrheit. Innerhalb eines gegebenen Kreises sinnlicher Erscheinungen
Einzelnes oder Besonderes als das Allgemeine auszugeben, heißt
irren.“
Georg
Klaus bleibt seinem fragwürdigen Wahrheitsmodell in seinem Buch treu.
Ich will nicht ins Detail gehen, denn das hier soll keine linguistische
Abhandlung werden.
Klaus
spinnt in diesen Buch etwas herum mit „schlechten Ideologien“,
„Werten und Scheinwerten“, Begriffen, die er Marx unterjubelt, was
aber bei Marx so nicht zu finden ist. Mir scheint der Hinweis notwendig,
dass der Kybernetiker Klaus vielleicht eine mathematische Formel
entwickeln kann, der „marxistische“ Philosoph Klaus aber Marx nicht
richtig gelesen hat.
Klaus
entwickelt hier einen merkwürdigen Widerspruch von Wissenschaft und
politischer Sprache. Nach Klaus sind die Aussagen der Partei wahr, weil
sie vom Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse ausgehen. Dabei aber müsse
die Partei keineswegs das Wesen vermitteln, es genüge die
Erscheinungsform.
„Das
Wesen zeigt sich ja in der Erscheinungsform. Mit Hilfe des der
Erscheinung legen wir die verschiedenen Seiten des Wesens dar.“
Natürlich hat die Erscheinungsform
eines Dings oder eines gesellschaftlichen Phänomens etwas mit dem Wesen
zu tun. Aber zeigt es sich auch in der Erscheinungsform?
„In
der Tat ist der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts, welcher
letztre erst durch Analyse aus der erstern herausgeschält werden muß.“
Also:
Wenn der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts ist, man aber
letztere erst durch Analyse herausfinden kann, so muss doch nicht durch
einfache Betrachtung der Erscheinungsform auch das Wesen sichtbar
werden. Da das Wesen – oder wie Dietzgen es oben nennt, das
Allgemeine, kann nur durch analytisches Denken entwickelt werden. Und
das nicht nur bei der Frage des Profits.
Um
die richtige Definition von Wesen und Erscheinungsform hätte Klaus
nicht einmal Dietzgen lesen müssen, auch nicht Marx und Engels. Diese Mühe,
sich auf solch unbekanntes Terrain zu begeben, hätte er sich sparen können
Das von ihm mit heraus gegebene Philosophische Wörterbuch hätte ihm
diese Frage beantwortet:
„Der
Begriff „Erscheinung“ bildet den dialektischen Gegensatz zum Begriff
„Wesen“. Im Gegensatz zum Wesen hat die Erscheinung einzelnen, zufälligen
und veränderbaren Charakter. (…)
Da
die unmittelbare Erfahrung uns nicht mehr erkennen lässt, als die
Erscheinung, bedeutet ein Verweilen bei ihr – theoretisch gesehen –
die Festelegung auf den Empirismus und birgt subjektiv-idealistische und
agnostische Konsequenzen.“
Oder,
mit Dietzgen gesprochen: „Innerhalb eines gegebenen Kreises
sinnlicher Erscheinungen Einzelnes oder Besonderes als das Allgemeine
auszugeben, heißt irren.“
Hinter
das Wesen der Dinge, gesellschaftlicher Prozesse usw. kommt der Mensch
nicht, indem er ihre Erscheinungsform anglotzt, sondern indem er
analytisch denkend die Erkenntnis wiederholt.
Wenn
also, wie Klaus meint, die Partei der Arbeiterklasse den Menschen nur
die Erscheinungsform zeigt, irrt sie oder – schlimmer noch – sie lügt.
Klaus beruft sich hier auf Lenin, der geschrieben haben soll, das
Proletariat könne nicht zur Wissenschaftlichkeit kommen.
Welch
ein Unsinn! Lenin hat in „Was tun“ folgendes geschrieben:
„Wir
haben gesagt, daß die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar
nicht haben konnten. Dieses konnte ihnen nur von außen gebracht
werden. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die
Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft. nur ein
trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung
von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen
Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für
die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des
Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen
Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der
besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die
Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels,
gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz
an.“
Nicht
geschrieben hat er, dass die Partei den Arbeitern nur die
Erscheinungsformen der kapitalistischen Ausbeutung vorführen müsse.
Ganz im Gegenteil. Lenin wendet sich genau gegen jene, die die
Spontaneität anbeten, gegen die Ökonomisten usw. und verlangt, man müsse
das sozialdemokratische Bewusstsein in die Arbeiterklasse tragen. Also
den wissenschaftlichen Sozialismus, dem Proletariat das Wesen der
Ausbeutung, vermitteln, ihren Kämpfen Ziel und Richtung eben usw.
Steigerwalds
Kronzeuge einer sozialistischen Wissenschaftspolitik der Zeit nach
Stalin, entpuppt sich damit als bürgerlicher Ideologe, auf
sozialistisch getrimmt. Das sind die Apologeten der „Erneuerung“ der
kommunistischen Bewegung nach dem XX. Parteitag.
Ende
Exkurs
Die
Partei unter Stalin hat sich streng an den dialektischen und
historischen Materialismus gehalten, auch in der Wissenschaft diesen
angewendet und den proletarischen Klassenstandpunkt gewahrt. Es hat
dabei Fehler gegeben, aber auch den damaligen Genossen muss man das
Recht zu irren zubilligen. Die Generallinie und die grundlegenden
Entscheidungen waren richtig.
Man
bedenke nur die Linie des XXI. Parteitages, auf dem Chruschtschow großmäulig
in 10 Jahren die USA im Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgüter einholen und
überholen wollte. Mal abgesehen, dass es Blödsinn ist, so was auch nur
anzustreben. Immerhin produzieren die USA-Konzerne nicht zur
Befriedigung der Bedürfnisse, sondern um Maximalprofite zu erreichen.
Manche Waren sind unsinnig, mancher Bedarf ist künstlich und erst
geschaffen usw.
Chruschtschow
– kurz danach auch die SED auf dem 5. Parteitag – wollte den
Verbrauch an Konsumgütern in 10 Jahren über dem der USA bez. der BRD
haben – scheiterte. U.a.
auch deswegen, weil eine unwissenschaftliche Landwirtschaftpolitik
vertreten wurde.
In
der DDR musste man das kopieren, die Landwirtschaft wurde auf Mais und
Zuckerrüben ausgerichtet, die Rinder kamen in Offenställe, also
blieben auch im Winter im Freien. Es geschah, was jeder Tierarzt wusste,
die Tiere verendeten in diesen Offenställen mit verheerenden Folgen für
die Versorgung. Das Milchvieh der DDR ist eben in mehr als tausend
Jahren Zucht domestiziert worden und nicht mehr der wilde Wisent der
nordischen Wälder. Das Ziel, großmäulig die ökonomische Hauptaufgabe
genannt, wurde nie erreicht. Die Versorgungslage verschlechterte sich.
So
sah die notwendige „Erneuerung (…), grundlegende
Schlussfolgerunge.“ (Steigerwald) aus! Hatte unter Stalin sich die
UdSSR industrialisiert, so wurden jetzt zweifelhafte Großprojekte
geplant. So wollte man mittels einer gewaltigen Atomexplosion den
sibirischen Fluss Jenissej ins Kaspische Meer umleiten, um die Steppe zu
bewässern. Gigantomanie!
Die
damaligen offenkundigen Erfolge der sowjetischen Raumfahrt verdankt die
UdSSR noch der Politik Stalins, der das Land vor dem USA-Imperialismus
schützen wollte. Ebenso die sowjetischen Atomwaffen.
Festzustellen
ist also: Auch, was die Wissenschaften betrifft, waren die größten
Erfolge unter Stalin oder
aufgrund der Politik unter Stalin zu verzeichnen. Das trifft auf die
Naturwissenschaften ebenso zu wie auf die Gesellschaftswissenschaften.
Ich
weiß nicht, wie Robert Steigerwald ausgerechnet Georg Klaus als
Beispiel einer Erneuerung der Wissenschaften nach Stalin zu verkaufen
versucht. Georg Klaus ist das Gegenteil: Das Beispiel eines Versuchs, bürgerliche
Scheinwissenschaften zu praktizieren, und sie als sozialistische
Wissenschaft zu verkaufen.
Es
folgt morgen Teil
IV (Schluss)
4.
Fazit
5.
Ausblick:
Sozialismus
statt Barbarei
mehr
|
|
Haltet
den Dieb oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft
und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008
Teil
IV (Schluss)
4.
Fazit
Es
ist erschreckend, liest man Steigerwalds Text „Über
„Revisionismus“ und „Revisionismus-Kritik“, wie wenig die
Ideologen des modernen Revisionismus lernfähig sind. Schon 1967/1968
jammerten sie, sie würden verfolgt, aber die „Maoisten“ nicht.
Unsinn! Uns setzte der Klassenfeind ebenso zu und viele landeten, genau
wie viele DKP-Genossen, im Berufsverbot. Ich selbst wurde 1971 wegen
einer politischen „Straftat“ widerrechtlich inhaftiert, und nur die
Solidarität einer demokratischen Öffentlichkeit befreite mich nach
einigen Tagen.
Sie
ahmten ihren geistigen Stammvater Chruschtschow nach, der sich in einem
Brief an die KP-Chinas über die albanische Partei beschwerte und diese
des Antisowjetismus bezichtigte. Jegliche Kritik am Revisionismus wird
als antisowjetisch oder antisozialistisch verunglimpft – damals wie
heute. Sie haben nichts aus der Niederlage von 1990 gelernt und sind unfähig
zur Selbstkritik.
Schon
damals hatten wir Kritiker des modernen Revisionismus, folgt man den
damaligen „Argumenten“, nur die Schädigung des Sozialismus im Sinn.
Wenn wir bei Ostermärschen oder
anderen Veranstaltungen auftraten und z.B. Flugblätter verteilten –
mit Erlaubnis des Veranstaltungsleiters – kamen DKP-Ordner und
hinderten uns gewaltsam.
Damals,
gegen Ende der 60er Jahre, gab es neu herangewachsene Kommunisten, die
nicht der alten KPD angehört hatten, die einen Weg suchten, sich zu
organisieren. Der KPD-Linie, die kritiklos der Moskauer Führung folgte,
mochten wir uns nicht anschließen. Da erschien uns die chinesische
Position („Ein Vorschlag über die Generallinie der internationalen
Kommunistischen Bewegung“
von 1963) und die albanische, die richtige Linie zu sein.
Die
Diskussion wurde innerhalb der KPD verboten. Wer sie trotzdem führte,
wurde ausgeschlossen und isoliert. Alte Genossen, die in Spanien gekämpft
und in KZs gelitten hatten, daher aus der DDR eine Rente bekamen, die
die Behörden der BRD ihnen verweigerten, weil sie Kommunisten waren,
mussten um diese Rente bangen, wenn sie sich gegen die Politik
Chruschtschows stellten und zu Stalin standen. Also schwiegen viele.
Und
heute? Steigerwald „beweist“ das angebliche Sektierertum der
Kritiker des modernen Revisionismus mit unseren damaligen Fehlern.
Wir
waren junge Kommunisten, das Durchschnittsalter der Delegierten des Gründungsparteitags
der KPD/ML war 28 Jahre. Wir mussten lernen und machten daher auch
Fehler. Aber ändert das etwas an der Problematik des
antirevisionistischen Kampfes? Ändert das etwas daran, dass der moderne
Revisionismus die einst mächtige und große UdSSR ideologisch
entwaffnet und in die Arme des Imperialismus getrieben hat? Ändert es
etwas daran, dass heute das sozialistische Lager – bis auf ein paar
Restländer, allen voran das sozialistische Kuba – nicht mehr besteht?
Der
Imperialismus hat die UdSSR nicht in einem heißen Krieg besiegt, dazu wäre
er nicht in der Lage gewesen. Indem, beginnend mit dem XX. Parteitag,
die Partei Lenins und Stalins Schritt für Schritt den
Marxismus-Leninismus abschüttelte, erstarrte die Partei in Agonie und
war in der 1980er Jahren nur noch fähig, die Spitzenfunktionäre, die
sichtbar sich wegen Altersbeschwerden kaum noch auf den Beinen halten
konnten, nach deren Tod durch ebenso alte und kranke Männer zu
ersetzen. Gorbatschow erschien vielen dann als die Erneuerung, die
Wiedergeburt der KPdSU. Tatsächlich war es die Vollendung des
revisionistischen Verrats, welcher mit Chruschtschow und dem XX.
Parteitag begann.
Aber
selbst wenn Gorbatschow je eine Erneuerung auf
marxistisch-leninistischer Grundlage gewollt hätte, wäre sie unmöglich
gewesen: Die Sowjetunion, das sozialistische Lager und deren regierende
kommunistische Parteien lagen infolge jahrzehntelanger revisionistischer
Entartung in ihren Führungen in Agonie. Sie waren unfähig geworden
ihre Arbeiterklassen als revolutionäre Avantgarde zu führen. Und keine
Arbeiterklasse wollte mehr von dieser revisionistisch „erneuerten“
Partei geführt werden.
Und
das nicht nur in der Sowjetunion: Erinnern wir uns an den Rumänen
Nicolae Ceauşescu. Am 21. Dezember 1989 sprach Ceauşescu vor
100.000 Menschen in Bukarest. Er glaubte, alles sei wie immer, und er führe
sein Volk unangefochten. Aber die Menge buhte ihn aus. Die Bilder, die
man davon sah, die Fassungslosigkeit des „Führers“, der sich
lebenslänglich zum Parteichef hatte wählen lassen, steht mir noch vor
Augen. Ceauşescu versuchte aus Rumänien zu fliehen, aber er hatte
keine Getreuen mehr und wurde am 25. Dezember 1989 zum Tode verurteilt
und erschossen.
Ein
Führer einer Partei, die einst kommunistisch war, die den Kontakt zum
Volk und zur Arbeiterklasse verloren hatte, machte sich Illusionen. Er wähnte
sich noch an der Spitze der Massen, dabei hatten sie sich längst gegen
ihn gestellt.
So
war es auch in anderen Ländern des sozialistischen Lagers: Die
regierende Kommunistische Partei stand über dem Volk. Das Volk hatte
ihr längst die Gefolgschaft verweigert. Aber sie wähnte sich noch
immer als Vorhut, und ihre Führer berauschten sich an Massendemos, die
längst zum Ritual verkommen waren. Denken wir an die Massendemo in
Berlin zum 40. Jahrestag der DDR. Alles wie gewohnt: Erich Honecker
winkt den Demonstranten zu, als wäre alles wie immer. Das genau war es
aber doch wohl längst nicht mehr.
Wir
sahen in diesem Jahr allerdings Bilder von Menschenmassen, die über
alle Grenzen der DDR, über die es einigermaßen gefahrlos ging, das
Land verließen. Nach der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und dort in
diplomatische Vertretungen der BRD eindrangen, meist über den Zaun, um
so ihre Ausreise in die BRD zu erzwingen. Aber Erich Honecker schwafelte
noch „Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel
auf“ und prognostizierte der Berliner Mauer noch über 100 Jahre. Bis
zum Jahresende war sie nur noch ein Relikt, löchrig wie ein Schweizer Käse.
Und Hans Modrow blieb als letztem SED-Regierungschef nur noch die
Abwicklung seines Landes. Für mich und wohl jeden Kommunisten damals
erschütternde Ereignisse.
Fragt
sich Robert Steigerwald nicht, wie das alles so sang- und klanglos
passieren konnte? War das wirklich nur den mächtigen Angriffen der
Imperialisten anzurechnen? Wenn dem so gewesen wäre, dann wäre der
Imperialismus dem Sozialismus überlegen gewesen. Der Imperialismus ist
jedoch nicht mal in der Lage, das Problem der Massenarbeitslosigkeit und
der Verelendung der Meschen in seinen Mutterländern in den Griff zu
bekommen, geschweige denn die Alternative zum Sozialismus zu entwickeln.
Nein,
die Festung des Sozialistischen Lagers wurde von innen aufgeweicht. Täter
waren die Führer der regierenden Parteien, die, beginnend mit dem XX.
Parteitag, den Boden des Marxismus-Leninismus verlassen hatten und sich
in den Folgejahren von den Massen entfernten. Die regierenden Parteien
verkamen zu Karrieristenvereinen, die sich den Teufel um
Marxismus-Leninismus scherten.
Ich
habe von 1979 bis 1981 in der Volksrepublik Polen studiert und habe den
Kontakt zu Kommunisten gesucht. Ich habe in den zwei Jahren zwei
Kommunisten dort gefunden. Der eine war Philosophiedozent an der
Universität in Lodz und sagte, er sei „Eurokommunist“. Der andere
war wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schlesischen Wissenschaftlichen
Instituts in Katowice und gehörte einer Gruppe an, die sich „Forum
Katowice“ nannte und sich kritisch mit der Solidarność-Bewegung
auseinander setzte. Mehr Kommunisten fand ich nicht. Parteimitglieder,
die Karriere machen wollten, machten oder gemacht hatten, fand ich
reichlich. Kommunisten aber waren die nicht, das sagten sie auch
unumwunden. Auch in Polen wurde die Partei nicht Herr der Lage und
musste schließlich zum Mittel des Kriegsrechts greifen, um einigermaßen
Ruhe und Ordnung zu erhalten.
Das
Ruder konnte Ende der 80er Jahre nur noch eine kommunistische Revolution
herumwerfen. Aber ohne eine Kommunistische Partei war das unmöglich.
Die Parteien, die sich so nannten, waren ja fest in der Hand von Leuten,
die mit Marxismus-Leninismus nichts mehr zu tun hatten, wenn sie denn je
Marxisten-Leninisten waren.
In
der DDR, schien es mir damals, war es besser. Wenn man aber bedenkt,
dass die SED 1989 2,3 Millionen Mitglieder hatte, die Zahl der in der
PDS Verbliebenen innerhalb einiger Monate auf ca. 100.000 schrumpfte, so
wird klar, wie viele Nichtkommunisten bzw. bürgerliche Karrieristen in
dieser Partei waren.
Wir
alle aber wissen, dass die PDS nie eine kommunistische Partei war und
auch nicht sein wollte. Auch die Mitglieder verstehen sich in der
Mehrzahl nicht als Kommunisten. Wo aber sind all die Kommunisten
geblieben, die in der SED waren? Weder die DKP, noch die KPD (RF) sind
in den Ländern der ehemaligen DDR ein Faktor. Es gibt sie nicht,
jedenfalls nicht in größerer Anzahl.
5.
Ausblick:
Barbarei
oder Sozialismus
Eine
kommunistische Partei muss her. Darüber sind sich alle einig. Nur über
das Wie nicht. Es gibt eine Vielzahl von kommunistischen „Parteien“,
wobei ich bezweifle, ob eine von ihnen das auch wirklich ist.
Das
Kriterium einer wirklichen kommunistischen Partei legte einst Lenin
fest, indem er schrieb:
„...wodurch
wird die Disziplin der revolutionären Partei des Proletariats
aufrechterhalten? wodurch wird sie kontrolliert? wodurch gestärkt?
Erstens durch das Klassenbewusstsein der proletarischen Avantgarde und
ihre Ergebenheit für die Revolution, durch ihre Ausdauer, ihre
Selbstaufopferung, ihren Heroismus. Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich
mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den
proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen
Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis
zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen. Drittens durch die
Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde
verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und
Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch
eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen. Ohne diese
Bedingungen kann in einer revolutionären Partei, die wirklich fähig
ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse zu sein, deren Aufgabe es
ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze Gesellschaft
umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht werden“
Diese
Kriterien erfüllt keine dieser Gruppen auch nur im Ansatz.
Die
DKP, als die zahlenmäßig größte dieser Parteiungen, ist im
Revisionismus so zerfressen, dass es kein Entrinnen mehr gibt. Es
existiert zwar ein kommunistischer linker Flügel, deren bekanntester
Genosse Hans Heinz Holz ist, aber diese Genossen beginnen sich eben erst
zu formieren. Ob sie je die Kraft aufbringen, sich aus der Umklammerung
der modernen Revisionisten zu befreien, muss man sehen.
Dass
H.H. Holz auf den Steigerwaldschen Text kritisch geantwortet hat, ist
zwar ein positives Zeichen, das mir Hoffnung macht. Inhaltlich finde ich
diesen Text gut und stimme auch mit ihm weitgehend überein. Ob die
Gruppe um H.H. Holz aber den Schritt gehen wird, sich eigene
Organisationsstrukturen zu geben, wie es die österreichischen Genossen
in der „Kommunistischen Initiative“ taten, wird sich zeigen.
Über
die anderen Gruppen will ich hier nicht viel schreiben. Ich glaube, im
Kern sind viele revolutionär mit marxistisch-leninistischen Ansätzen.
Aber sie sind meilenweit von den Klassenkämpfen weg, ihr Masseneinfluss
ist gleich Null.
Die
„Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in
erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den
nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern,
ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu
verschmelzen“ müssen sie erst unter Beweis stellen.
Eines
ist sicher: Die zukünftige KPD, wie auch wir sie anstreben, kann und
wird sich nur im Klassenkampf des Proletariats entwickeln und in der
ideologischen Auseinandersetzung mit dem modernen Revisionismus.
Patentrezepte,
wie wir Kommunisten endlich zu einer KPD zusammenfinden, gibt es nicht.
Wir
stehen am Scheideweg: Der Imperialismus wird die Welt in eine Barbarei
stürzen und Opfer in einer nie dagewesen Größenordnung fordert.
Einflussreiche Kreise der USA, darunter der Bush-Clan, sprechen offen
vom 3. Weltkrieg.
Oder
proletarische Revolution, Beseitigung des Imperialismus und Aufbau des
Sozialismus. Einen dritten Weg gibt es nicht. Dazu brauchen wir in allen
wichtigen Ländern kommunistische Parteien, die die Klassenkämpfe und
schließlich die proletarische Revolution anführen. Das aber geht nur,
wenn wir den modernen Revisionismus konsequent abschütteln und bekämpfen.
Wenn wir an den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin fest halten
und an der Spitze der Arbeiterbewegung den Klassenkampf gegen die
deutsche Bourgeoisie und gegen den internationalen Imperialismus führen,
dann werden wir unserer historischen Aufgabe gerecht.
Die
Frage steht, wie es Rosa Luxemburg einst formulierte:
Barbarei
oder Sozialismus.
G.A.
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