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Wie Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft und die Geschichte fälscht

Von Günter Ackermann/Januar 2008

Teil I

Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen.
Was Menschen Übles tun, das überlebt sie, 
Das Gute wird mit Ihnen oft begraben.
So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus
Hat euch gesagt, dass er voll Herrschsucht war;
Und war er das, so war´s ein schwer Vergehen,
Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt.
Hier, mit des Brutus Wille und der andern
(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, - 
Das sind sie alle, alle ehrenwert!)

Aus der Rede des Antonius aus „Julius Caesar“.
Von William Shakespeare

0. Vorbemerkung

Robert Steigerwald hat etwas sehr Positives getan, für das ich ihm sehr danke. Das erste Mal – soweit ich weiß – ist ein hochrangiger Vertreter einer jener Parteien, die ich als revisionistisch bezeichne, mit seinen Ansichten vor eine breitere Öffentlichkeit getreten und stellt sich der Kritik. Bisher haben sich die revisionistischen Parteiführer immer hinter einem Vorhang von Phrasen versteckt, wahre Nebelwände von halben Marxismen gelegt, um dahinter ihre revisionistischen Positionen zu verstecken. Diskussionsbereit waren sie nie. Robert Steigerwald hat das erste Mal seine grundlegende Position offen zur Diskussion gestellt, hat sich kontrovers mit unserer Kritik am modernen Revisionismus befasst und auch seine Position zu Stalin offenbart.

Das ist positiv am Text Steigerwalds.

Interessant ist, dass Gen. Steigerwald in seinem Text zwar Stalin als Verbrecher und Mörder sieht, aber – o Wunder:

„Wird versucht, über die Geschichte der Stalin-Zeit aufzuklären, kommt es dabei nicht nur zu nötiger und berechtigter Würdigung ihrer großen, unbestrittenen Verdienste.“ [1] (Steigerwald)

Zu den historisch-theoretischen Arbeiten von Kurt Gossweiler schreibt er:

 „Geht man dabei auch kritisch auf den unsäglichen Kult um Stalin ein und befasst sich sodann (…) mit den Untaten der Stalin-Zeit, so presst Gossweiler dies in ein bestimmtes Raster. Ihr macht aus Stalin einen Blutsäufer, behauptet er.“ [2]

Steigerwald macht es wie oben Antonius bei Shakespeare. Stalin war ein Tyrann, Mörder und was alles auch noch, aber er hatte Verdienste.

Sieht man durch Steigerwalds Brille die Verdienste, zerrinnen sie zu den allbekannten bürgerlichen, antikommunistischen Propaganda: Also Stalin das Doppelgestirn zu Hitler, wie Trotzki es hysterisch in die Welt posaunte.

Nein, Steigerwalds Polemik gegen uns hat das eine Positive, dass es mit aller Offenheit die Falschheit des modernen Revisionismus und seiner Ideologen offenbart und endlich die Möglichkeit eröffnet, in eine offene Diskussion einzutreten. Die Mitglieder der DKP, andere Kommunisten und Sozialisten, haben jetzt die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzuschalten und Stellung zu beziehen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht in die revisionistische Falle tappen und uns auf eine rein akademische Diskussion einlassen.

1. Kritik am XX. Parteitag in den 60er Jahren

1. 1 Nur Hegemonieansprüche der KPdSU und der KP-Chinas?

Vor Jahrzehnten gab es zwischen der Sowjetunion, der KPdSU  sowie der VR China und der KPCh eine heftige Diskussion, in der beide Seiten mit „kräftigen“ Worten aufeinander droschen: Revisionismus, Trotzkismus, Verrat am Marxismus-Leninismus und was es dergleichen an „Wertungen“ gab (und gibt). In Wahrheit ging es damals überhaupt nicht um entsprechende Inhalte. Der Kern der Auseinandersetzung war: Der Kern der Auseinandersetzung war: Es kämpften zwei kommunistische Großmächte um die Vorrangstellung in der kommunistischen und Arbeiterbewegung. Das fand auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Widerspiegelung in der Politik pro-maoistischer Gruppen, Organisationen und Parteien, die schon in den 60er Jahren die illegale KPD, später die DKP bekämpften und gegen den Sozialismus in Europa unter dem Banner des „Kampfes gegen den Revisionismus“ auftraten.“ [3]

Worum ging es tatsächlich? Ging es wirklich um eine Art Rivalität zwischen der VR-China und der Sowjetunion, war es die Rivalität zweier Großmächte um die Hegemonie, wie Steigerwald behauptet? Ich kenne mich zumindest in der Argumentation der chinesischen Seite ganz gut aus. Ich fand und finde, dass hier argumentiert wurde und nicht beschimpft und unterstellt. Robert Steigerwald kennt sich sicher über die Texte der sowjetischen Seite gut aus. Wenn er heute meint, es ging Chruschtschow um die „Vorrangstellung in der kommunistischen und Arbeiterbewegung“ und um nichts anderes, so will ich ihm nicht widersprechen. Immerhin zeigte die Politik der Sowjetunion, die in der Breschnew-Doktrin ihren Höhepunkt erreichte, was in Moskau gedacht und gemacht wurde. Erst dann, wenn eine regierende Partei sich nicht mehr der Bevormundung durch Moskau unterwarf, geriet sie in Ungnade im Kreml. Ansonsten war es der KPdSU-Führung egal, wie weit in dem jeweiligen Land wieder kapitalistische Verhältnisse eingeführt worden waren.

Władysław Gomułka in Polen, der sein Scheitern den Juden in die Schuhe schob, war Moskau ebenso recht, wie dessen Nachfolger Gierek, der das Land total herunterwirtschaftete, es überschuldete, was schließlich in eine Versorgungskrise führte, die zu den Streiks von 1980/1981 und zur Gründung der Solidarność führte.

Die polnische Landwirtschaft wurde von Kleinbauern betrieben, die zwischen 5 ha und 10 ha Land besaßen, also eben mal in der Lage waren, für den eigenen Bedarf und nur wenig für die Versorgung der Bevölkerung zu produzieren. Unter Gomułka waren die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften liquidiert worden. Nur im Westen Polens gab es landwirtschaftliche Großbetriebe als Staatsgüter. Als Polen immer mehr in die Schuldenfalle im Westen tappte und immer mehr seine landwirtschaftlichen und Industrieprodukte exportieren musste – wobei noch die Misswirtschaft in weiten Bereichen der Industrie und des Handels hinzu kam – brach die Versorgung zusammen. Eine Zeitlang, Anfang 1981, waren die Regale der Supermärkte gähnend leer, nur Essig und ungarischen Wein sah ich in einem Supermarkt in Lódz Januar 1981. Gab es z.B. einmal Butter, musste man sich stundenlang anstellen und selbst Toilettenpapier, Schreibhefte für Schüler, Bücher, Brot usw. waren Mangelware in den Staatsläden. Wer es sich leisten konnte, besorgte sich seinen Bedarf auf den freien Märkten – zu horrenden Preisen. Ich weiß, wovon ich schreibe: Ich stand selbst einmal einen ganzen Vormittag im Schneetreiben im Freien in einer Schlange für zwei Päckchen Butter und zwei Döschen Tomatenmark.

Die Versorgungslage und die Fehlentscheidungen der Parteiführung hatte zur Folge, dass die reaktionärsten Elemente des Landes, der katholische Klerus, nicht nur in der Arbeiterschaft seinen Einfluss verstärken konnte, sondern schließlich sogar zum Faktor der Einflussnahme der Regierung auf die Streiks wurde. 

So durfte der damalige Primas der katholischen Kirche, Stefan Kardinal Wyszynski, im Sommer 1980, auf dem Sterbebett liegend, eine röchelnde Ansprache im Fernsehen und Radio an die Nation halten, die Arbeiter sollten nicht streiken, das Vaterland sei in  Gefahr. Der Papst Johannes Paul II. redete anschließend. Auch er appellierte an die polnischen Arbeiter nicht zu streiken. Sie streikten dennoch.

Ende 1981 kam es zur Machtübernahme des Militärs, es war eine Art Militärputsch. Eine Militärdiktatur in einem sozialistischen Land – ein Unding. Aber das fand das Wohlwollen der herrschenden Kreise in Moskau und den anderen Hauptstädten des Ostens.

Die Regierung der Volksrepublik und die PVAP, waren vom Wohlwollen des reaktionären Klerus abhängig. Daran änderte auch das Kriegsrecht im Winter 1981 nichts. Auch hier bediente sich die Regierung der Vermittlung des Klerus. Ohne den klerikalen Einfluss wäre es womöglich zu größeren Rebellionen gekommen. Im Oberschlesischen Bergbau kam es auf einzelnen Zechen zu Streikaktionen gegen das Kriegsrecht. Unter Beeinflussung durch den Klerus beendeten die Arbeiter aber ihre Kämpfe.

Soweit war es in Polen gekommen, so nah stand die Volksrepublik am Abgrund. Als das Kriegsrecht aufgehoben wurde, waren die letzten Regierungen der Volksrepublik nur noch dabei, die Volksrepublik abzuwickeln. Der Präsident, General Jaruzelski, der 1981 mittels des Militärs regiert hatte, ließ es jetzt zu, dass die Regierung Mieczysław Rakowski (PVAP) abtrat und durch eine klerikale ersetzt wurde. Er sei, sagte Jaruzelski damals, der Präsident aller Polen.

Oder János Kádár in Ungarn. Was Kádár in Ungarn in der Wirtschaftspolitik machte, war der Goulaschkommunismus Chruschtschows. Längst hatte sich dort eine kapitalistische Schattenwirtschaft etabliert. Ganz ähnlich wie in Polen.

Dass die Armeen des Warschauer Paktes in die CSSR 1968 einmarschierten und den sogenannten Prager Frühling beendeten, lag das nicht an der wirtschaftspolitischen Linie der KPč unter Alexander Dubček, sondern weil sich Dubček der Bevormundung Moskaus zu entziehen drohte. Die Wirtschaftsreformen waren nicht kapitalistischer, wie die, welche bereits in Polen und Ungarn lange vorher durchgeführt worden waren und wurden auch von Dubčeks Nachfolger Gustáv Husák nicht rückgängig gemacht.

Ganz anders die Politik der Sowjetischen Führung gegenüber der Volksrepublik Albanien. Bekanntlich kritisierte und attackierte die Partei der Arbeit Albaniens die sowjetische Politik und den XX. Parteitag sehr viel früher, als es die chinesische KP tat. Robert Steigerwald wird wohl nicht ernsthaft behaupten, auch mit Enver Hoxha, dem Vorsitzenden  der PAA, „kämpften zwei kommunistische Großmächte um die Vorrangstellung“. Albanien können diese Ambitionen wohl nur anhalluziniert werden –  Albanien war auch nicht der Juniorpartner der Chinesen. Das zeigte sich Ende der 70er Jahre, als China Pol Pot in Kambodscha unterstützte und Krieg gegen Vietnam führte. Die albanische Partei distanzierte sich von den Steinzeit“kommunisten“ Kambodschas und billigte den Einmarsch der Vietnamesen. Worauf es zum Bruch mit Peking kam.

Gegen Albanien ließ die sowjetische Führung die Muskeln spielen, als die Albaner offene Kritik an der revisionistischen Politik der KPdSU übten: Alle sowjetischen Entwicklungsprojekte wurden von heute auf morgen eingestellt. Die sowjetischen Experten hinterließen Bauruinen und stürzten die albanische Regierung in arge Schwierigkeiten – die gewollt waren von Moskau.

Chruschtschow verlangte beim letzten Besuch in Albanien, dass sich die Albaner im Rahmen des RGW auf Orangen, Tabak usw. konzentrieren und auf den Anbau von Brotgetreide ganz verzichten sollten. Chruschtschow meinte großspurig, die Sowjetunion liefere das Getreide im Rahmen des RGW, denn was die Albaner an Getreide brauchten, fräßen in der Sowjetunion die Mäuse. Enver Hoxha lehnte ab.

Kurz danach gab es eine Missernte an Getreide in Albanien. Die albanische Regierung bat die Sowjetunion, sich berufend auf die Zusagen Chruschtschows, um Getreidelieferungen. Die Moskauer Regierung lehnte ab. Mit der Begründung, in der SU hätte man selbst nicht genug Getreide. Gleichzeitig aber lieferten sie Getreide nach Ägypten.

Also. Lieber Genosse Steigerwald, war das nur Rivalität um die Vormachtstellung,  oder ging es doch um mehr? Ging es um die Grundlagen des Marxismus-Leninismus? Ich denke schon. Es mag ja sein, dass die KPdSU-Führung Großmachtinteressen hatte. Erfreulich, dass du das zugibst. Aber die Gegner des modernen Revisionismus hatten dies nicht.

1.2 Maoistische Gruppierungen und Parteien bekämpften die KPD/DKP?

Ebenso falsch ist, was Steigerwald weiter behauptet:

Das fand auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Widerspiegelung in der Politik pro-maoistischer Gruppen, Organisationen und Parteien, die schon in den 60er Jahren die illegale KPD, später die DKP bekämpften und gegen den Sozialismus in Europa unter dem Banner des „Kampfes gegen den Revisionismus“ auftraten.“ [4]

In den 60er Jahren gab es noch keine „promaoistische“ Gruppe. Erst 1967 entstanden einige örtliche  und regionale Zirkel. In Hanau wurde eine MLPD von einem Steuerberater Erich Reimann gegründet (nicht identisch mit der heutigen MLPD). Die gab eine hektographierte Zeitung Namens „Sozialistisches Deutschland“ heraus. Diese MLPD war eine offenkundige Geheimdienstgründung und spielte keine Rolle in der Bewegung. Sie verschwand dann sang- und klanglos.

Die erste bundesweite Organisation war die KPD/ML, sie ist zum 40. Jahrestag der Gründung der KPD, am 31. Dezember 1968, gegründet worden. Übrigens ohne das Abnicken der Gründung durch eine amtierende Bundesregierung wie bei der DKP, die im September des gleichen Jahres gegründet wurde – mit Segen der von CDU-Kanzler Kiesinger geführten Bundesregierung. Das Kanzler Kiesinger ein Ex-Nazi und Mitarbeiter von Goebbels war, sei nur zur Klärung erwähnt.

Natürlich gab es inhaltliche Differenzen zwischen der KPD/ML und der DKP. Was ja auch klar ist, denn sonst wären wir Mitglieder der DKP geworden. Dass diese Differenzen auch offen ausgetragen wurden, ist auch klar.

Ich gehörte dem 1. ZK der KPD/ML an und kenne alles von der Quelle her. Weiß auch, dass die DKP-Führung sehr genau über uns informiert war, hatte sich doch einer in ihrem Auftrag sogar in die Führung hieven lassen: der Duisburger Paul Kluth. Und das konnte er nur, weil er Mitglied der alten KPD war, denen wir besondere Hochachtung zukommen ließen. Paul Kluth hat das benutzt und unser Vertrauen missbraucht.

Klar ist auch, dass wir uns deutlich vom modernen Revisionismus abgrenzten – gegen den „Sozialismus in Europa“ wandten wir uns nie. Das brauchten wir auch nicht, denn die Regierungen der sozialistischen Länder, bemühten sich nach Kräften und sehr erfolgreich, den Sozialismus in Misskredit zu bringen.

Robert Steigerwald bringt da etwas durcheinander: Wir kämpften gegen den modernen Revisionismus und für den Sozialismus. Unser Vorwurf an Chruschtschow und seine Nachfolger und deren Anhänger war, sie hätten die Prinzipien des Marxismus-Leninismus verlassen und steuerten in die Wiedereinführung des Kapitalismus.

Steigerwald meint offenbar noch heute, dass er und die Linie der KPdSU die allein selig machende wahre und reine Lehre des Kommunismus ist. Dass sie im Labor der gesellschaftlichen Realität genau da gelandet ist, wie wir es damals schon voraus sagten, zählt offenbar nicht. Kann diese Herangehensweise des Genossen Steigerwald wissenschaftlich genannt werden?

Wenn unsere Kritik am modernen Revisionismus gegen den Sozialismus gerichtet gewesen wäre, dann ist die Marxsche und Engelssche Kritik an den Utopischen Sozialisten und den anderen von ihnen kritisierten sozialistischen Strömungen, die sie beide im „Manifest“ übten, auch antisozialistisch; dann ist auch antisozialistisch die Kritik des Gothaer Programms, denn sie kritisierte direkt die Programmatik der Partei der Arbeiterklasse, was die SPD damals ja war..

Ferner Friedrich Engels Polemik gegen Eugen Dührung wäre es ebenso wie auch Lenins Kritik der Menschewiki, Ökonomisten, oder später der Ultalinken um Anton Pannekoek. Nach letzteren wurden immerhin sogar  das Astronomische Institut der Universität Amsterdam und ein Mondkrater[5] benannt.

Und Stalin war sowieso antisozialistisch, folgt man Steigerwalds gewagter These, als er gegen die Trotzkisten den  Kampf führte. Dieses „Verbrechen“ korrigiert jetzt Steigerwald wenigstens. Seine zur DKP gehörende „Marx-Engels-Stiftung“, deren Ehrenvorsitzender er ist, leistet sich eine recht innige Zusammenarbeit mit den Apologeten der IV. Internationale Trotzkis.

Teil II. folgt mehr

Zum Autor:

Günter Ackermann, Jahrgang 1940, Arbeiter und Kommunist, studierte später Germanistik (1978-1984) mit Abschluss M.A., gehörte dem 1. ZK der KPD/ML an und war hier zuständig für Betrieb&Gewerkschaft und Agit-Prop (ausgenommen das Zentralorgan Roter Morgen). 

Er war auch Mitglied der Kommission, die den Gründungsparteitag am 50. Jahrestag der Gründung der KPD, am 31. Dezember 1968 vorbereitete. Hier leitete er die Gruppe, die den Statutentwurf erarbeitete, der dann auch angenommen wurde.

Im November 1967 weilte er das erste Mal auf Einladung der Partei der Arbeit Albaniens in der Volksrepublik Albanien mit Gesprächen mit Genossen des ZK der PAA. Im Sommer 1970 besuchte er mit Ernst Aust als Vertreter des ZK der KPD/ML die VR-Albanien. 

Ferner hielt er im Auftrag des ZK der KPD/ML den regelmäßigen Kontakt zur Nachrichtenagentur der VR-China Hsinhua, die damals ihren Sitz in Bonn-Bad-Godesberg hatte.

Günter Ackermann schied 1972 aus der KPD/ML, wegen Differenzen vor allem mit Gernot Schubert und Ernst Aust über die Herangehensweise an Fragen der inneren Leitung und Führung der Partei durch das ZK, aus.


[1]  Robert Steigerwald: „Über „Revisionismus“ und „Revisionismus-Kritik“

[2]  ebenda

[3]  ebenda

[4]  ebenda

[5]  Wirklich! Ein von der Erde aus nicht sichtbarer Krater ist mit dem Namen des „Rätekommunisten“ Anton Pannekoek benannt. siehe

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Haltet den Dieb oder

Wie Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft und die Geschichte fälscht

Von Günter Ackermann/Januar 2008

Teil II

2. Chruschtschow „korrigiert die falschen Teile“ von Stalins Politik, setzt aber die richtigen fort – meint Steigerwald 

Laut Robert Steigerwald hat Stalin ja auch was richtig gemacht.

„Aber andere wenden sich diesem Problem zu, ohne Stalins Leistungen und Verdienste zu leugnen.“

Na also, da sage einer, Steigerwald sehe das einseitig.

Aber, siehe Shakespeare, Stalin war ein Verbrecher, der Untaten begangen hatte, und die beseitigte Chruschtschow.

„Es waren die Untaten, die Verfolgungen, die Verbrechen, nicht die Kritik. Diese Kritik war notwendig, die kritisierten Probleme auf Dauer zu verschweigen, unmöglich, was zutiefst dem moralischen Anspruch der Kommunisten widersprochen hätte. Eine Erneuerung war notwendig, grundlegende Schlussfolgerungen. Doch dies erfolgte nur teilweise, blieb inkonsequent, entsprach nicht den realen gesellschaftlichen Erfordernissen.“

Steigerwald schätzt den XX. Parteitag als die „Erneuerung“ ein – wenn auch als eine, die nicht weit genug ging. Sollte Steigerwald da nicht „Überprüfung“ hinschreiben? Das aber hätte als Fremdwort im Klartext unter Kommunisten Revision geheißen und wäre dann doch zu enthüllend gewesen.

Diese Revision „erfolgte nur teilweise, blieb inkonsequent, entsprach nicht den realen gesellschaftlichen Erfordernissen“ – was dann der den revisionistischen Verrat an den sozialistischen Ländern mit konterrevolutionärem Volldampf vollendende Gorbatschow dreißig Jahre später nachholte.

Jedenfalls „erneuerte“ sich fortan die Sowjetunion fortlaufend. Auf Chruschtschow folgten die „Erneuerer“ Breschnew und Kossygin bis ins hohe Alter (herausragende „Erneuerung“: die „Breschnew-Doktrin“), deren Herrschaft in die Gerontokratie führte. Gefolgt von der „Erneuerern“ Andropow und Tschernjenko. Dies  gipfelte dann in der gesamten „Erneuerung“ der Sowjetunion durch Gorbatschow. So erneuerte sich, folgt man der Logik Steigerwalds, die KPdSU und die von ihr geführte UdSSR, bis es nichts mehr zu „erneuern“ oder zu konterrevolutionieren gab.

2.1 „Friedliche Koexistenz“

„Wenn die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung einseitig nur auf „friedliche Koexistenz“, „friedlichen Wettbewerb“ oder „friedlichen Übergang“ zurückgeführt wird, dann ist das ein Verstoß gegen die revolutionären Prinzipien in der Deklaration von 1957 und in der Erklärung von 1960, dann wird die historische Mission der proletarischen Weltrevolution aufgegeben, dann bedeutet das die Abkehr von den revolutionären Lehren des Marxismus-Leninismus.
Die Bevölkerung der Länder des sozialistischen Lagers, das Weltproletariat und alle Werktätigen stellen an die kommunistischen und Arbeiterparteien der Länder des sozialistischen Lagers hauptsächlich die folgenden gemeinsamen Forderungen:
 -   Die marxistisch-leninistische Linie einzuhalten und eine korrekte marxistisch-leninistische Innen- und Außenpolitik zu verfolgen;
-    die Diktatur des Proletariats und das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern unter Führung des Proletariats zu festigen, die sozialistische Revolution an der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Front zu Ende zu führen;
-    die Initiative und Schöpferkraft der Volksmassen zu entfalten, den sozialistischen Aufbau planmäßig durchzuführen, die Produktion zu entwickeln, den Lebensstandard des Volkes zu verbessern, die Landesverteidigung zu stärken;
-    auf Grundlage des Marxismus-Leninismus die Geschlossenheit des sozialistischen Lagers zu festigen, auf Grundlage des proletarischen Internationalismus andere sozialistische Länder zu unterstützen;
-    gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des Imperialismus, für die Verteidigung des Weltfriedens zu kämpfen;
    die antikommunistische, volksfeindliche und konterrevolutionäre Politik der Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen;
-    die unterdrückten Klassen und unterjochten Nationen der Welt in ihrem revolutionären Kampf zu unterstützen.
- die Diktatur des Proletariats und das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern unter Führung des Proletariats zu festigen, die sozialistische Revolution an der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Front zu Ende zu führen;
-    die Initiative und Schöpferkraft der Volksmassen zu entfalten, den sozialistischen Aufbau planmäßig durchzuführen, die Produktion zu entwickeln, den Lebensstandard des Volkes zu verbessern, die Landesverteidigung zu stärken;
-    auf Grundlage des Marxismus-Leninismus die Geschlossenheit des sozialistischen Lagers zu festigen, auf Grundlage des proletarischen Internationalismus andere sozialistische Länder zu unterstützen;
-    gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des Imperialismus, für die Verteidigung des Weltfriedens zu kämpfen;
-    die antikommunistische, volksfeindliche und konterrevolutionäre Politik der Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen;
-    die unterdrückten Klassen und unterjochten Nationen der Welt in ihrem revolutionären Kampf zu unterstützen.“
[1]

Chruschtschow erhob die „friedliche Koexistenz“ zum Prinzip der Politik der UdSSR, ebenso den „friedlichen Übergang zum Sozialismus“. Genau dagegen traten damals die chinesische KP, die Partei der Arbeit Albaniens und auch wir auf und kritisierten es auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus.

Ein Beispiel für falsche „friedliche Koexistenz“:

- Willy Brandt verkündete Anfang der 70er Jahre die „Neue Ostpolitik“. Wir waren skeptisch und zweifelten, dass der deutsche Imperialismus auf einmal friedlich geworden sein soll. Aber alle Welt verkündete, das sei Friedenspolitik. Du und Deine DKP, lieber Genosse Steigerwald, beschimpften uns als Helfershelfer der Kriegshetzer, des Rainer Barzel, Erich Mende und Franz Josef Strauß, die vorgaben, gegen diese Politik zu sein.

- Ihr meintet, mit der neuen Ostpolitik würden die Grenzen, die nach dem 2. Weltkrieg zustande gekommen waren, anerkannt. Wurden sie das? Nein, sie sind es bis heute noch nicht. Brandt erklärte nur, die BRD werde auf eine gewaltsame Änderung verzichten. Das konnte er auch, die wäre eh nicht möglich gewesen.

- Völkerrechtliche Anerkennung der DDR. Auch das geschah nicht. DDR-Bürger galten außerhalb der DDR als Bundesbürger, nur im Osten wandten die diplomatischen Vertretungen der BRD das nicht an.

- Die diplomatischen Vertretungen der DDR in der BRD und der BRD in der DDR waren keine Botschaften, sondern „Ständige Vertretungen“. Die der BRD in der DDR unterstand auch nicht dem Auswärtigen Amt, sondern dem Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen.

- Die BRD nutze die Ostverträge massiv zur Beeinflussung der Menschen in der DDR und verkaufte den „Friedenskanzler“ Brandt massenwirksam. Man erinnere sich nur an Brandts Auftritt in Erfurt mit dem DDR-Ministerpräsident Willy Stoph, als die DDR-Bürger lautstark „Willy Brandt ans Fenster“ riefen.

Die Brandtsche Parole „Wandel durch Annäherung“ muss heute übersetzt werden als „Konterrevolution durch Aufweichung“. War das friedliche Koexistenz, wie sie Lenin einst formulierte?

Die albanische Zeitung Zeri i Popullit, das Zentralorgan der Partei der Arbeit Albaniens, schrieb dazu im August 1970 zu den Ostverträgen der BRD-Regierung:

„Es bleibt die Tatsache, daß die Bundesrepublik die DDR nicht anerkennt, daß sie weiterhin den Anspruch erhebt, sie allein vertrete die ganze deutsche Nation, daß sie die DDR bloß als ein Gebiet betrachtet, das vorübergehend außerhalb ihrer Grenzen geblieben sei, daß aber wohl die Zeit kommen und sich die Wege finden würden, sie wieder in den Schoß des Vaterlandes „zurückzuführen“.

Diese politische Linie und offizielle Haltung der Bundesregierung zur DDR haben die sowjetischen Revisionisten öffentlich akzeptiert, indem sie als offizielles Dokument und als Zusatz zum Vertrag die Note annahmen, die Bonn am 12. August der sowjetischen Regierung übermittelte und in welcher der so genannte „deutsche Wunsch“ ausgedrückt wurde, für die „friedliche Wiedervereinigung“ Deutschlands zu „arbeiten“.[2]

Damals schon benutzte die sowjetische Führung die DDR als Manipulationsmasse. Ebenso wenig anerkannte die BRD die vom 2. Weltkrieg geschaffenen Fakten der Grenzziehung. Die deutschen Ostgrenzen wurden nicht anerkannt. All das akzeptierte die sowjetische Führung und mit ihnen dir der VR Polen und der DDR.

Gorbatschow war also nicht nur bösartiger Verräter, der sich an die Spitze der Sowjetunion geschlichen hatte – das war er auch – sondern er setzte die Politik des Verrats seit Chruschtschow fort. Der hatte einst großspurig einen Friedenvertrag für Deutschland, mit Anerkennung der DDR, verlangt. Aber dann strich er die Segel und zog sich winselnd zurück und begnügte sich mit der Grenzsicherung von 1961. Wie sich zeigte, keine wirkliche Garantie der Unantastbarkeit der Grenzen der DDR und vor allem: die Imperialisten spielten sich als die Wahrer der Menschenrechte gegen Mauer und Stacheldraht auf.

Wer also, lieber Genosse Steigerwald, tat etwas gegen den Sozialismus in Europa? Wir oder eure Führer in Moskau und anderswo? Aber ihr bezichtigtet jeden, der den friedlichen Charakter dieser Verträge anzweifelte, als Helfershelfer der Revanchisten, Gefolgsmann von F.J. Strauß, Feind des Friedens und des Sozialismus usw. Das machst du ja noch heute, trotz der offenkundigen Ergebnisse dieser Politik.

H.H. Holz, vom linken Flügel der DKP, schreibt zum Text von Steigerwald:

„Wenn sich die Orientierung auf Reformen im Bestehenden vor das revolutionäre Ziel einer neuen Gesellschaftsordnung schiebt, wird schließlich dieses Ziel gänzlich aus den Augen verloren. Klassenkompromisse treten an die Stelle des Klassenkampfs. Das eben ist der Kern dessen, was Revisionismus genannt wird. Das Wort ist in seiner präzisen Bedeutung zu nehmen: lateinisch re-videre = wieder hinsehen, neu betrachten, zum Beispiel, um Fehler zu entdecken oder Überaltertes abzuändern. Das Verändern des theoretischen Gewichts von Elementen der marxistischen Analyse war zu allen Zeiten der Inhalt der verschiedenen Spielarten von Revisionismus ­ von Bernstein und Kautsky bis zu Bucharin, von den jugoslawischen Praxis-Philosophen bis zu den Eurokommunisten.“

Dem habe ich nichts hinzu zu fügen. So ähnlich war damals die Kritik der KPCh, der Partei der Arbeit Albaniens, die der KP-Indonesiens, der KP der Philippinen, unsere und anderer kommunistischer Parteien.

Steigerwald behauptet: Unter dem Deckmantel des Antirevisionismus kämpften wir damals gegen den Sozialismus, gegen die DKP, usw. Es war genau umgedreht: Unter dem Deckmantel des Kommunismus bekämpften die modernen Revisionisten den Marxismus-Leninismus. Das Ergebnis dieses Handelns war dann 1990 erreicht: Untergang der UdSSR, des sozialistischen Lagers und Sieg des Kapitalismus im Kalten Krieg.

Das „verdanken“ wir Chruschtschow und seinen Nachfolgern, denn Stalin kämpfte gegen diese Entartungen.

2.2 Steigerwald zitiert Stalin nach eigenem Gutdünken und falsch

Steigerwald schreibt zu Chruschtschows These, die Sowjetunion sei der „Staat des ganzen Volkes“ und kein Klassenstaat mehr und behauptet, das ginge auf Stalin zurück, denn der habe vertreten,

„, dass die Ausbeuterklassen verschwunden seien und da es keine Ausbeutung mehr gebe, gebe es auch niemanden mehr, der zu unterdrücken sei. So nachzulesen auch in den „Fragen des Leninismus“ (Moskau 1967, S. 727). Man habe jetzt einen völlig neuen, sozialistischen Staat, wie ihn die Geschichte noch nicht gekannt hat (ebenda S. 728). Das ist – unabhängig von der Verfassungsrealität - doch offensichtlich die theoretische Rechtfertigung für Chrustschows spätere These vom Staat des ganzen Volkes!“ [3]

Was aber vertrat Stalin wirklich? Stalin sagte, es gebe in der UdSSR kein Proletariat mehr und begründet das so:

„Das bedeutet, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufgehoben, beseitigt, das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln und -instrumenten sich aber als unerschütterliche Grundlage unserer Sowjetgesellschaft durchgesetzt hat.

Proletariat ist eine Klasse, die der Produktionsmittel und -instrumente beraubt ist bei einem Wirtschaftssystem, in dem die Produktionsmittel und -instrumente den Kapitalisten gehören und die Kapitalistenklasse das Proletariat ausbeutet. Das Proletariat ist eine Klasse, die von den Kapitalisten ausgebeutet wird. Bei uns aber ist die Kapitalistenklasse bekanntlich schon liquidiert, die Produktionsmittel und -instrumente sind den Kapitalisten weggenommen und dem Staat übergeben worden, dessen führende Kraft die Arbeiterklasse ist. Also gibt es keine Kapitalistenklasse mehr, von der die Arbeiterklasse ausgebeutet werden könnte. Also ist unsere Arbeiterklasse der Produktionsmittel und -instrumente nicht nur nicht beraubt, sondern im Gegenteil, sie besitzt sie gemeinsam mit dem ganzen Volke. Da sie sie aber besitzt und die Kapitalistenklasse liquidiert ist, so ist jede Möglichkeit ausgeschlossen, die Arbeiterklasse auszubeuten. Kann man danach unsere Arbeiterklasse Proletariat nennen? Es ist klar, dass man es nicht kann. Marx hat gesagt: Um sich zu befreien, muss das Proletariat die Klasse der Kapitalisten zerschmettern, den Kapitalisten die Produktionsmittel und -instrumente wegnehmen und jene Produktionsverhältnisse abschaffen, die das Proletariat erzeugen. Kann man sagen, dass die Arbeiterklasse der Sowjetunion diese Bedingungen ihrer Befreiung schon verwirklicht hat? Das kann man und muss man unbedingt sagen. Was bedeutet das aber? Das bedeutet, dass das Proletariat der Sowjetunion zu einer völlig neuen Klasse, zu der Arbeiterklasse der Sowjetunion geworden ist, die das kapitalistische Wirtschaftssystem abgeschafft, das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln und -instrumenten verankert hat und die Sowjetgesellschaft auf den Weg zum Kommunismus leitet. [4] (Hervorhebung von mir, G.A.)

Das ist etwas ganz anderes, als Steigerwald behauptet. Stalin verkündete in der genannten Rede die Vollendung des Sozialismus und meinte, die UdSSR sei auf dem Weg zum Kommunismus, der klassenlosen Gesellschaft. Und er sagte, das Proletariat habe sich zu einer neuen Klasse, der (befreiten) Arbeiterklasse der Sowjetunion gewandelt. Merkmal des Proletariats ist, dass es rechtlos ist, fremdbestimmt für den Kapitalisten arbeiten müsse, also keine Produktionsmittel besitze. Genau das aber stimmte in der UdSSR nicht mehr.

Über den Staat Sowjetunion sagt Stalin an der Stelle nichts. Indem die befreite Arbeiterklasse der UdSSR entstanden ist, muss doch nicht automatisch der Staat klassenlos geworden sein, müssen doch nicht die Klassen verschwunden sein, die die Diktatur des Proletariats unterdrückt. Klassenlose Staaten kann es nicht geben. Jeder Staat ist immer das Machtinstrument einer herrschenden Klasse. Stalin vertrat das genaue Gegen teil dessen, was Steigerwald behauptet::

„Es ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen, dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muss im Auge behalten, dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenzen der UdSSR.” [5] 

Wozu, Genosse Steigerwald, sollte sich in der UdSSR der Klassenkampf verschärfen, wenn doch – Friede-Freude-Eierkuchen – sie ein „Staat des ganzen Volkes“ sei, in dem der Klassenkampf aufgehört habe?

Steigerwald verfälscht hier Stalin, indem er behauptet, die Chruschtschowsche These vom „Staat des ganzen Volkes“ sei in Wirklichkeit eine These Stalins.

Und weiter:

Steigerwald „erklärt“, warum Chruschtschow, der Stalin bekanntlich Verletzung der innerparteilichen Demokratie vorwarf, mit seiner Geheimrede selbst diese innerparteiliche Demokratie verletzte, indem er das Zentralkomitee im Unklaren ließ, was er vor hatte und somit die gesamte Parteiführung überrumpelte.

Steigerwald:

Was diese Kritiken angeht, muss man sich in die damalige Lage versetzen. Es wäre unmöglich gewesen, eine deutliche Kritik an der Geschichte der Partei und des Staates in breiter Öffentlichkeit vorzubereiten und danach zu entwickeln.“

Die „Kritiken“, damit ist der Vorwurf Chruschtschows gemeint, Stalin habe Verbrechen begangen und die Prinzipien der sozialistischen Demokratie verletzt. Dass das Chruschtschow jetzt aber tat, muss man, so meint Steigerwald, entschuldigen. Man müsse eben die konkrete historische Situation sehen, denn der „unmittelbare Apparat der Partei und des Staates war noch fest in der Hand von Kräften, die an den Untaten selbst aktiv beteiligt waren.“

Also, ins Wahre übersetzt: Die Partei hatte noch weitgehend eine marxistisch-leninistische Führung, und die musste Chruschtschow überrumpeln und dann außer Gefecht setzen.

Chruschtschow billigt er also das Recht zu, die Parteiführung zu hintergehen. Interessant! Sehr enthüllend!

Und Chruschtschow tat, wie Steigerwald entschuldigend dazu festestellt, nur das, was auch Stalin tat. Denn es „gab (…) unter Stalin keinen Parteitag von 1939 bis 1953.“

Anzumerken ist hier, dass das sachlich falsch ist. Der XVIII. Parteitag fand tatsächlich am 10. März 1938 statt, und es folgte eine Periode ohne Parteitage. Aber dem XVIII. Parteitag folgte nicht der XX. Parteitag, sondern der XIX. Parteitag, welcher noch zu Lebzeiten Stalins, am 5. bis 15. Oktober 1952, in Moskau stattfand. Oder irre ich mich da?

Den Steigerwaldschen Vergleich von Chruschtschows Betrug der Parteiführung am XX. Parteitag mit der Nichtdurchführung von Parteitagen unter Stalin von 1938 bis 1952 nenne ich schlichtweg mit der Dummheit und Unwissenheit der Leser kalkulieren. Denn, sieht man den Zeitraum, konnte ein Parteitag gar nicht durchgeführt werden. In der Zeit gab es nämlich einen Weltkrieg, in dem die Sowjetunion seit 1941 von Nazitruppen überfallen wurde. In jenen zwei Jahren vor dem Überfall der Nazis war die Weltlage so brisant und drohte die UdSSR zur Unzeit in den Krieg hingezogen zu werden, dass ein Parteitag in der Zeit ein Ding der Unmöglichkeit war. Während des Krieges ging es dann sowieso nicht, und nach 1945 waren weite Landstriche der UdSSR verwüstet, die Fabriken zerstört, die Menschen hungerten. Es gab wichtigeres als einen Parteitag.

Der Revisionist Steigerwald stellt sich hinter den Revisionisten Chrustschow und billigt Chruschtschow das bewusste Täuschen, Hintergehen und Überrumpeln der konsequenten Marxisten-Leninisten in der Führung der KPdSU mit Rücksicht auf die damalige historische Situation zu, weil eine marxistisch-leninistische Mehrheit in der damaligen Parteiführung sonst den Revisionisten Chruschtschow abgesetzt hätte. Aber der sehr logische historische Hintergrund, warum unter Stalin kein Parteitag von 1938 an durchgeführt wurde, wird von Steigerwald bewusst unterschlagen.

Steigerwald meint:

„Wenn es möglich war, dass innerhalb von drei Jahren nach Stalins Tod eine solche „im Lenin´schen Geist von Stalin geschweißte“ Partei und der so geprägte Staat durch einen solchen Parteitag komplett überrumpelt werden konnte, so war diese Partei schon vorher nicht mehr das, wofür ihre Verteidiger sie halten. Dann hat der Zersetzungsprozess der Partei nicht erst 1956 begonnen.“

Natürlich war die KPdSU nicht vor dem Parteitag nur die „im Lenin´schen Geist von Stalin geschweißte“ Partei, frei von Revisionisten und Verrätern. Der Tod Stalins kam zum „richtigen“ Zeitpunkt, denn 1953 sollte genau ein solcher Kampf gegen jene beginnen, die verbürgerlicht waren. Ob dieser Säuberung auch das Chamäleon Chruschtschow zum Opfer gefallen wäre, ist reine Spekulation.

Natürlich musste die marxistisch-leninistische ideologische Ausrichtung während des Krieges der Ausrichtung auf die Verteidigung des Vaterlandes hinten anstehen. Also konnten sich auch bürgerliche Elemente einschleichen und Karriere machen. Kommunisten kämpften vor allem an der Front und nicht am Schreibtisch, also zahlten sie einen hohen Blutzoll. Immerhin ließen die Nazis alle sog. Kommissare, also Politoffiziere, denen sie habhaft wurden, ermorden. Die Politoffiziere aber waren das kommunistische Rückgrat der Roten Armee.

Ich will mich nicht weiter mit diesen Unterstellungen, Lügen, falschen Zitaten usw. befassen und nur noch einen Bereich aufgreifen, den Steigerwald offenbar sehr mag.

Haltet den Dieb oder

Wie Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus verunglimpft und die Geschichte fälscht

Von Günter Ackermann/Januar 2008


Es folgt morgen Teil III

3. Wissenschaftskritik unter Stalin und die revisionistische Wende unter Chruschtschow mehr


[1]  ZK der KP Chinas: EIN VORSCHLAG ZUR GENERALLINIE DER INTERNATIONALEN KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG

Antwort des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas auf den Brief des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 30. März 1963 (14. Juni 1963), (Verlag für fremdsprachige Literatur Peking 1963) siehe  

[2]  Der sowjetisch-deutsche Vertrag, Ein gefährliches Komplott gegen die Völker Europas und der ganzen Welt, Artikel aus „Zeri i Popullit“, Zentralorgan der Partei der Arbeit Albaniens, vom 22. August 1970 siehe  

[3]  Robert Steigerwald: „Über „Revisionismus“ und „Revisionismus-Kritik“

[4]  J.W. Stalin: Fragen des Leninismus

[5]  (In: J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler, Berlin 1954, S.22 f.)

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Von Günter Ackermann/Januar 2008

Teil III

3. Wissenschaftskritik unter Stalin und die revisionistische Wende unter Chruschtschow

Natürlich waren nicht alle Teile der Wissenschaft wirklich wissenschaftlich. In allen Gesellschaftsordnungen gibt es das, dass Wissenschaftler irren oder zu falschen Ergebnissen führen. So wohl auch zu Stalins Zeiten.

Aber waren die allgemeinen Vorgaben durch die Partei auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus oder waren sie es nicht?

3.1 Exkurs:

Gibt es kommunistische Kybernetik? Oder

Georg Klaus versucht bürgerliche Wissenschaft kommunistisch umzumodeln

Steigerwald bringt einige Beispiele des, nach seiner Meinung, falschen Herangehens an Wissenschaft unter Stalin. Es mag sein, dass an der Parteihochschule es nicht gestattet war, die amerikanische Philosophie zu zitieren. Auffallend ist, dass Steigerwald den Namen des Kybernetikers Georg Klaus (1912 – 1974) so hervor hebt. Klaus avancierte 1950 bis zum Professor für Dialektischen und Historischen Materialismus und er war, gemeinsam mit Manfred Buhr, Herausgeber des in der DDR erschienenen Philosophischen Wörterbuchs. Georg Klaus gilt als der Wegbereiter der Kybernetik in der DDR.

Der Begründer der Kybernetik ist der US-Amerikaner Norbert Wiener. Der bezeichnet seine Disziplin so:

„Kybernetik ist die Wissenschaft von der Steuerung und Regelung, das heißt der zielgerichteten Beeinflussung von Systemen, sowie der Informationsverarbeitungsprozesse und deren Automatisierung, die das Wesentliche der Steuerungs- und Regelungsvorgänge ausmachen.“ [1]

Allgemein wird Kybernetik mit Computern in Zusammenhang gebracht. Das stimmt aber nur zum Teil. Sie versteht sich auch als Gesellschaftswissenschaft, und so sah sie auch Georg Klaus:

„Die Kybernetik strebt danach, Struktur und Funktion von Klassen dynamischer Systeme, deren Repräsentanten solche Merkmale aufweisen, mit zunehmender Vollkommenheit mathematisch zu beschreiben und modellmäßig zu erfassen (…). Sie schöpft ihre Erkenntnisse vor allem aus dem Studium konkreter kybernetischer Systeme  in den verschiedenen Bewegungsformen der Materie und aus den Experimenten an Modellsystemen, wobei sie jedoch idealisierte theoretische Systeme aufbaut, bei denen von allen Besonderheiten einer bestimmten Bewegungsform der Materie abstrahiert ist.“ [2]

Kybernetik beschränkt sich nicht auf das Gebiet elektronischer Datenverarbeitung, das damals erst in den Kinderschuhen steckte, sondern Kybernetik versteht sich als Gesellschaftswissenschaft. Also mit Kybernetik zur vollkommenen Gesellschaft – aber wo bleiben die Menschen in diesem mathematischen Modell?

Ob die menschliche Gesellschaft sich mathematisch so fassen lässt, bezweifle ich. Ich vermute vielmehr, hier steckt der vergebliche Versuch dahinter, das Streben der Bourgeoisie, die Anarchie des kapitalistischen Marktes aufzubrechen und vorhersagbar zu machen.

Wenn Georg Klaus das auf die nicht-kapitalistische sozialistische Gesellschaft der DDR übertragen wollte, ist das nicht minder falsch. Man kann weder unwissenschaftliche bürgerliche Wissenschaft erfolgreich sozialistisch ummodeln, noch kann man die kapitalistische Marktwirtschaft sozialistisch betreiben. Kybernetik klammert den denkenden und handelnden Menschen aus und degradiert ihn zur mathematischen Formel oder zum mathematischen Modell. Etwas, was scheitern muss.

Und Kybernetik ist schon gar nicht das, zu was sie deren Jünger machen wollen, eine Art Überwissenschaft. Wenn Kybernetik unter Stalin als unwissenschaftlich und bürgerlich bezeichnet wurde, so war das eine richtige Erkenntnis.

Noch heute preisen die Kybernetiker ihren Missionar in der DDR:

„Bekanntlich gilt das Erscheinen des Buches „Cybernetics“ von Norbert Wiener 1948 als Gründungsakt der Kybernetik in den USA. Obwohl die neue Wissenschaft zunächst in der Sowjetunion als „bürgerlich“ abgelehnt wurde, faßte sie allmählich auch im Osten Fuß. In der DDR war dies vor allem dem Wirken des Philosophen Georg Klaus zu verdanken. Der Ablehnung in den 1950er Jahren folgte eine Phase der überschwenglichen Begeisterung für die Kybernetik, deren Begriffe und Denkmodelle in fast allen Natur- und Geisteswissenschaften euphorisch aufgesogen wurden.“ [3]

Und sie verunglimpfen die DDR gleichzeitig: „Als aber die ideologiefreie Betrachtung von gesellschaftlichen Informations- und Kommunikationsprozessen die „führende Rolle der SED“ in Frage zu stellen schien, folgte 1969 eine harsche antikybernetische Wende…“[4]

Die Kybernetik war in der DDR nicht unumbestritten. Aber lange genoss Klaus das Wohlwollen der Parteiführung. Sowohl Walter Ulbricht wie auch Chruschtschow sangen wahre Loblieder auf Kybernetik und wähnten, sie löse alle Probleme. So wurde Klaus mit Ehrungen überschüttet. Er bekam z.B. zweimal den Nationalpreis für Wissenschaft und Technik der DDR.

Klaus, der angeblich Opfer des Dogmatismus der Partei wurde, betätigte sich als einer, der die Kritik an seiner Art der Wissenschaft mittels Intrige unterdrückte.

„Auch von Seiten der Philosophen und Naturwissenschaftler gab es weiterhin scharfe Kritik, doch das Charisma von Klaus, zweimal Träger des Nationalpreises für Wissenschaft und Technik und Überlebender der Todescamps, versagte diesen Kritikern den Zugang zu den Zeitschriften. So wurde die Rezension von Klaus Fuchs-Kittowski (geb. 1934) von Klaus’ Kybernetik in philosophischer Sicht, die für die Deutsche Zeitschrift für Philosophie verfaßt worden war, dort nicht veröffentlicht. Fuchs-Kittowski warf Klaus in diesem als ein „Ein Beitrag zur Überwindung des Dogmatismus in der Philosophie“ gedachten Artikel, der sich ebenso gegen die „Gewis“ [5] wandte, einen eigenen Dogmatismus in seiner Einführung der Kybernetik vor.“ [6]

Klaus tummelte sich nicht nur in der Kybernetik, nicht minder auch in der Philosophie. als Mitherausgeber des Philosophischen Wörterbuchs. Hervorzuheben ist, dass im Philosophischen Wörterbuch, einer der bedeutendsten Philosophen des Marxismus aus der Zeit von Marx und Engels, fehlt. Den achteten Marx und Engels und Lenin sehr hoch – Georg Klaus erwähnt ihn mit keiner Silbe.

Dieser große Denker hieß Josef Dietzgen. Friedrich Engels schrieb über dessen Werk:

„Damit aber wurde die Begriffsdialektik selbst nur der bewußte Reflex der dialektischen Bewegung der wirklichen Welt, und damit wurde die Hegelsche Dialektik auf den Kopf, oder vielmehr vom Kopf, auf dem sie stand, wieder auf die Füße gestellt. Und diese materialistische Dialektik, die seit Jahren unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe war, wurde merkwürdigerweise nicht nur von uns, sondern außerdem noch, unabhängig von uns und selbst von Hegel, wieder entdeckt von einem deutschen Arbeiter, Josef Dietzgen.“ [7]

Also der, welcher den dialektischen Materialismus neben Marx und Engels entdeckt hat, den erwähnt der grandiose marxistische Philosoph und philosophische Kybernetiker, Mitherausgeber des Philosophischen Wörterbuchs, das später mit dem Attribut „marxistisch-leninistisch“ versehen wurde, überhaupt nicht.

Die Lösung scheint uns – wieder einmal – Lenin zu liefern. Er schreibt über Dietzgen:

„Dietzgen der Ältere, (…), brachte die Grundauffassung des Marxismus von den philosophischen Richtungen, die in den bürgerlichen Ländern herrschen und unter ihren Gelehrten und Publizisten Ansehen genießen, richtig, treffend und klar zum Ausdruck, als er sagte, dass die Professoren der Philosophie in der modernen Gesellschaft in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich nichts anderes sind als ,,diplomierte Lakaien der Pfafferei“. [8]

Der ,,diplomierte Lakai der Pfafferei“ Georg Klasus – der der Glaubenprediger und Pfaffen des modernen Revisionismus – verachten den einfachen Handwerker aus dem Siegtal bei Bonn. Engels und Lenin hatten diesen Dünkel nicht und erkennen neidlos die Verdienste Dietzgens an.

Spricht nicht allein das schon gegen Georg Klaus?

Aber weiter: Als kybernetischer Überwissenschaftler begab er sich auch auf das Gebiet der Linguistik. Seine Schrift „Sprache der Politik“ zeigt sein fragwürdiges Wirken: Die Wahrheit ist diesmal sein Opfer.

„Eine politische Aussage ist dann wahr und nur dann, wenn das, was diese Aussage beinhaltet, tatsächlich der Fall ist.“ [9]

Wer ist da nicht verblüfft über dieses kybernetische Modell der Wahrheit? Wahrheit ist Wahrheit weil sie wahr ist. Nun denn…

Der von Klaus nicht beachtete Josef Dietzgen schreibt zu diesem Thema:

„Das Allgemeine innerhalb eines gegebenen Zyklus sinnbildlicher Erscheinungen ist Wahrheit. Innerhalb eines gegebenen Kreises sinnlicher Erscheinungen Einzelnes oder Besonderes als das Allgemeine auszugeben, heißt irren.“ [10]

Georg Klaus bleibt seinem fragwürdigen Wahrheitsmodell in seinem Buch treu. Ich will nicht ins Detail gehen, denn das hier soll keine linguistische Abhandlung werden.

Klaus spinnt in diesen Buch etwas herum mit „schlechten Ideologien“, „Werten und Scheinwerten“, Begriffen, die er Marx unterjubelt, was aber bei Marx so nicht zu finden ist. Mir scheint der Hinweis notwendig, dass der Kybernetiker Klaus vielleicht eine mathematische Formel entwickeln kann, der „marxistische“ Philosoph Klaus aber Marx nicht richtig gelesen hat.

Klaus entwickelt hier einen merkwürdigen Widerspruch von Wissenschaft und politischer Sprache. Nach Klaus sind die Aussagen der Partei wahr, weil sie vom Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse ausgehen. Dabei aber müsse die Partei keineswegs das Wesen vermitteln, es genüge die Erscheinungsform.

„Das Wesen zeigt sich ja in der Erscheinungsform. Mit Hilfe des der Erscheinung legen wir die verschiedenen Seiten des Wesens dar.“ [11] Natürlich hat die Erscheinungsform eines Dings oder eines gesellschaftlichen Phänomens etwas mit dem Wesen zu tun. Aber zeigt es sich auch in der Erscheinungsform?

„In der Tat ist der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts, welcher letztre erst durch Analyse aus der erstern herausgeschält werden muß.“ [12]

Also: Wenn der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts ist, man aber letztere erst durch Analyse herausfinden kann, so muss doch nicht durch einfache Betrachtung der Erscheinungsform auch das Wesen sichtbar werden. Da das Wesen – oder wie Dietzgen es oben nennt, das Allgemeine, kann nur durch analytisches Denken entwickelt werden. Und das nicht nur bei der Frage des Profits.

Um die richtige Definition von Wesen und Erscheinungsform hätte Klaus nicht einmal Dietzgen lesen müssen, auch nicht Marx und Engels. Diese Mühe, sich auf solch unbekanntes Terrain zu begeben, hätte er sich sparen können Das von ihm mit heraus gegebene Philosophische Wörterbuch hätte ihm diese Frage beantwortet:

„Der Begriff „Erscheinung“ bildet den dialektischen Gegensatz zum Begriff „Wesen“. Im Gegensatz zum Wesen hat die Erscheinung einzelnen, zufälligen und veränderbaren Charakter. (…)

Da die unmittelbare Erfahrung uns nicht mehr erkennen lässt, als die Erscheinung, bedeutet ein Verweilen bei ihr – theoretisch gesehen – die Festelegung auf den Empirismus und birgt subjektiv-idealistische und agnostische Konsequenzen.“ [13]

Oder, mit Dietzgen gesprochen: „Innerhalb eines gegebenen Kreises sinnlicher Erscheinungen Einzelnes oder Besonderes als das Allgemeine auszugeben, heißt irren.“ [14]

Hinter das Wesen der Dinge, gesellschaftlicher Prozesse usw. kommt der Mensch nicht, indem er ihre Erscheinungsform anglotzt, sondern indem er analytisch denkend die Erkenntnis wiederholt.

Wenn also, wie Klaus meint, die Partei der Arbeiterklasse den Menschen nur die Erscheinungsform zeigt, irrt sie oder – schlimmer noch – sie lügt. Klaus beruft sich hier auf Lenin, der geschrieben haben soll, das Proletariat könne nicht zur Wissenschaftlichkeit kommen.

Welch ein Unsinn! Lenin hat in „Was tun“ folgendes geschrieben:

„Wir haben gesagt, daß die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar nicht haben konnten. Dieses konnte ihnen nur von außen gebracht werden. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft. nur ein trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels, gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz an.“ [15]

Nicht geschrieben hat er, dass die Partei den Arbeitern nur die Erscheinungsformen der kapitalistischen Ausbeutung vorführen müsse. Ganz im Gegenteil. Lenin wendet sich genau gegen jene, die die Spontaneität anbeten, gegen die Ökonomisten usw. und verlangt, man müsse das sozialdemokratische Bewusstsein in die Arbeiterklasse tragen. Also den wissenschaftlichen Sozialismus, dem Proletariat das Wesen der Ausbeutung, vermitteln, ihren Kämpfen Ziel und Richtung eben usw.

Steigerwalds Kronzeuge einer sozialistischen Wissenschaftspolitik der Zeit nach Stalin, entpuppt sich damit als bürgerlicher Ideologe, auf sozialistisch getrimmt. Das sind die Apologeten der „Erneuerung“ der kommunistischen Bewegung nach dem XX. Parteitag.

Ende Exkurs

Die Partei unter Stalin hat sich streng an den dialektischen und historischen Materialismus gehalten, auch in der Wissenschaft diesen angewendet und den proletarischen Klassenstandpunkt gewahrt. Es hat dabei Fehler gegeben, aber auch den damaligen Genossen muss man das Recht zu irren zubilligen. Die Generallinie und die grundlegenden Entscheidungen waren richtig.

Man bedenke nur die Linie des XXI. Parteitages, auf dem Chruschtschow großmäulig in 10 Jahren die USA im Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgüter einholen und überholen wollte. Mal abgesehen, dass es Blödsinn ist, so was auch nur anzustreben. Immerhin produzieren die USA-Konzerne nicht zur Befriedigung der Bedürfnisse, sondern um Maximalprofite zu erreichen. Manche Waren sind unsinnig, mancher Bedarf ist künstlich und erst geschaffen usw.

Chruschtschow – kurz danach auch die SED auf dem 5. Parteitag – wollte den Verbrauch an Konsumgütern in 10 Jahren über dem der USA bez. der BRD haben  – scheiterte. U.a. auch deswegen, weil eine unwissenschaftliche Landwirtschaftpolitik vertreten wurde.

In der DDR musste man das kopieren, die Landwirtschaft wurde auf Mais und Zuckerrüben ausgerichtet, die Rinder kamen in Offenställe, also blieben auch im Winter im Freien. Es geschah, was jeder Tierarzt wusste, die Tiere verendeten in diesen Offenställen mit verheerenden Folgen für die Versorgung. Das Milchvieh der DDR ist eben in mehr als tausend Jahren Zucht domestiziert worden und nicht mehr der wilde Wisent der nordischen Wälder. Das Ziel, großmäulig die ökonomische Hauptaufgabe genannt, wurde nie erreicht. Die Versorgungslage verschlechterte sich.

So sah die notwendige „Erneuerung (…), grundlegende Schlussfolgerunge.“ (Steigerwald) aus! Hatte unter Stalin sich die UdSSR industrialisiert, so wurden jetzt zweifelhafte Großprojekte geplant. So wollte man mittels einer gewaltigen Atomexplosion den sibirischen Fluss Jenissej ins Kaspische Meer umleiten, um die Steppe zu bewässern. Gigantomanie!

Die damaligen offenkundigen Erfolge der sowjetischen Raumfahrt verdankt die UdSSR noch der Politik Stalins, der das Land vor dem USA-Imperialismus schützen wollte. Ebenso die sowjetischen Atomwaffen.

Festzustellen ist also: Auch, was die Wissenschaften betrifft, waren die größten Erfolge unter  Stalin oder aufgrund der Politik unter Stalin zu verzeichnen. Das trifft auf die Naturwissenschaften ebenso zu wie auf die Gesellschaftswissenschaften.

Ich weiß nicht, wie Robert Steigerwald ausgerechnet Georg Klaus als Beispiel einer Erneuerung der Wissenschaften nach Stalin zu verkaufen versucht. Georg Klaus ist das Gegenteil: Das Beispiel eines Versuchs, bürgerliche Scheinwissenschaften zu praktizieren, und sie als sozialistische Wissenschaft zu verkaufen.

Es folgt morgen Teil IV (Schluss)

4. Fazit

5. Ausblick:

Sozialismus statt Barbarei mehr


[2]  Philosophische Wörterbuch, Band 1, Leipzig 1964, Seite 701

[4]  ebenda

[5]  Gewis = Gesellschaftswissenschaften

[7]  Friedrich Engels: "Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie" in: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 21, 5. Auflage 1975, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 291/307

[8]  Lenin, Wladimir: Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus. 

[9]  Klaus Georg, Sprache der Politik, 1973, Seite 193

[10]  Dietzgen, Josef: Das Wesen der Menschlichen Kopfarbeit, Berlin (DDR) 1954

[11]  Klaus Georg, Sprache der Politik, 1973

[12]  Marx Karl, Das Kapital

[13]  Philosophisches Wörterbuch

[14]  Dietzgen, Josef: Das Wesen der Menschlichen Kopfarbeit, Berlin (DDR) 1954

[15]  W.I. Lenin: Was tun? Brennende Fragen der Bewegung

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Von Günter Ackermann/Januar 2008

Teil IV (Schluss)

4. Fazit

Es ist erschreckend, liest man Steigerwalds Text „Über „Revisionismus“ und „Revisionismus-Kritik“, wie wenig die Ideologen des modernen Revisionismus lernfähig sind. Schon 1967/1968 jammerten sie, sie würden verfolgt, aber die „Maoisten“ nicht. Unsinn! Uns setzte der Klassenfeind ebenso zu und viele landeten, genau wie viele DKP-Genossen, im Berufsverbot. Ich selbst wurde 1971 wegen einer politischen „Straftat“ widerrechtlich inhaftiert, und nur die Solidarität einer demokratischen Öffentlichkeit befreite mich nach einigen Tagen.

Sie ahmten ihren geistigen Stammvater Chruschtschow nach, der sich in einem Brief an die KP-Chinas über die albanische Partei beschwerte und diese des Antisowjetismus bezichtigte. Jegliche Kritik am Revisionismus wird als antisowjetisch oder antisozialistisch verunglimpft – damals wie heute. Sie haben nichts aus der Niederlage von 1990 gelernt und sind unfähig zur Selbstkritik.

Schon damals hatten wir Kritiker des modernen Revisionismus, folgt man den damaligen „Argumenten“, nur die Schädigung des Sozialismus im Sinn. Wenn wir bei Ostermärschen  oder anderen Veranstaltungen auftraten und z.B. Flugblätter verteilten – mit Erlaubnis des Veranstaltungsleiters – kamen DKP-Ordner und hinderten uns gewaltsam.

Damals, gegen Ende der 60er Jahre, gab es neu herangewachsene Kommunisten, die nicht der alten KPD angehört hatten, die einen Weg suchten, sich zu organisieren. Der KPD-Linie, die kritiklos der Moskauer Führung folgte, mochten wir uns nicht anschließen. Da erschien uns die chinesische Position („Ein Vorschlag über die Generallinie der internationalen Kommunistischen Bewegung“ [1] von 1963) und die albanische, die richtige Linie zu sein.

Die Diskussion wurde innerhalb der KPD verboten. Wer sie trotzdem führte, wurde ausgeschlossen und isoliert. Alte Genossen, die in Spanien gekämpft und in KZs gelitten hatten, daher aus der DDR eine Rente bekamen, die die Behörden der BRD ihnen verweigerten, weil sie Kommunisten waren, mussten um diese Rente bangen, wenn sie sich gegen die Politik Chruschtschows stellten und zu Stalin standen. Also schwiegen viele.

Und heute? Steigerwald „beweist“ das angebliche Sektierertum der Kritiker des modernen Revisionismus mit unseren damaligen Fehlern.

Wir waren junge Kommunisten, das Durchschnittsalter der Delegierten des Gründungsparteitags der KPD/ML war 28 Jahre. Wir mussten lernen und machten daher auch Fehler. Aber ändert das etwas an der Problematik des antirevisionistischen Kampfes? Ändert das etwas daran, dass der moderne Revisionismus die einst mächtige und große UdSSR ideologisch entwaffnet und in die Arme des Imperialismus getrieben hat? Ändert es etwas daran, dass heute das sozialistische Lager – bis auf ein paar Restländer, allen voran das sozialistische Kuba – nicht mehr besteht?

Der Imperialismus hat die UdSSR nicht in einem heißen Krieg besiegt, dazu wäre er nicht in der Lage gewesen. Indem, beginnend mit dem XX. Parteitag, die Partei Lenins und Stalins Schritt für Schritt den Marxismus-Leninismus abschüttelte, erstarrte die Partei in Agonie und war in der 1980er Jahren nur noch fähig, die Spitzenfunktionäre, die sichtbar sich wegen Altersbeschwerden kaum noch auf den Beinen halten konnten, nach deren Tod durch ebenso alte und kranke Männer zu ersetzen. Gorbatschow erschien vielen dann als die Erneuerung, die Wiedergeburt der KPdSU. Tatsächlich war es die Vollendung des revisionistischen Verrats, welcher mit Chruschtschow und dem XX. Parteitag begann.

Aber selbst wenn Gorbatschow je eine Erneuerung auf marxistisch-leninistischer Grundlage gewollt hätte, wäre sie unmöglich gewesen: Die Sowjetunion, das sozialistische Lager und deren regierende kommunistische Parteien lagen infolge jahrzehntelanger revisionistischer Entartung in ihren Führungen in Agonie. Sie waren unfähig geworden ihre Arbeiterklassen als revolutionäre Avantgarde zu führen. Und keine Arbeiterklasse wollte mehr von dieser revisionistisch „erneuerten“ Partei geführt werden.

Und das nicht nur in der Sowjetunion: Erinnern wir uns an den Rumänen Nicolae Ceauşescu. Am 21. Dezember 1989 sprach Ceauşescu vor 100.000 Menschen in Bukarest. Er glaubte, alles sei wie immer, und er führe sein Volk unangefochten. Aber die Menge buhte ihn aus. Die Bilder, die man davon sah, die Fassungslosigkeit des „Führers“, der sich lebenslänglich zum Parteichef hatte wählen lassen, steht mir noch vor Augen. Ceauşescu versuchte aus Rumänien zu fliehen, aber er hatte keine Getreuen mehr und wurde am 25. Dezember 1989 zum Tode verurteilt und erschossen.

Ein Führer einer Partei, die einst kommunistisch war, die den Kontakt zum Volk und zur Arbeiterklasse verloren hatte, machte sich Illusionen. Er wähnte sich noch an der Spitze der Massen, dabei hatten sie sich längst gegen ihn gestellt.

So war es auch in anderen Ländern des sozialistischen Lagers: Die regierende Kommunistische Partei stand über dem Volk. Das Volk hatte ihr längst die Gefolgschaft verweigert. Aber sie wähnte sich noch immer als Vorhut, und ihre Führer berauschten sich an Massendemos, die längst zum Ritual verkommen waren. Denken wir an die Massendemo in Berlin zum 40. Jahrestag der DDR. Alles wie gewohnt: Erich Honecker winkt den Demonstranten zu, als wäre alles wie immer. Das genau war es aber doch wohl längst nicht mehr.

Wir sahen in diesem Jahr allerdings Bilder von Menschenmassen, die über alle Grenzen der DDR, über die es einigermaßen gefahrlos ging, das Land verließen. Nach der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und dort in diplomatische Vertretungen der BRD eindrangen, meist über den Zaun, um so ihre Ausreise in die BRD zu erzwingen. Aber Erich Honecker schwafelte noch „Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf“ und prognostizierte der Berliner Mauer noch über 100 Jahre. Bis zum Jahresende war sie nur noch ein Relikt, löchrig wie ein Schweizer Käse. Und Hans Modrow blieb als letztem SED-Regierungschef nur noch die Abwicklung seines Landes. Für mich und wohl jeden Kommunisten damals erschütternde Ereignisse.

Fragt sich Robert Steigerwald nicht, wie das alles so sang- und klanglos passieren konnte? War das wirklich nur den mächtigen Angriffen der Imperialisten anzurechnen? Wenn dem so gewesen wäre, dann wäre der Imperialismus dem Sozialismus überlegen gewesen. Der Imperialismus ist jedoch nicht mal in der Lage, das Problem der Massenarbeitslosigkeit und der Verelendung der Meschen in seinen Mutterländern in den Griff zu bekommen, geschweige denn die Alternative zum Sozialismus zu entwickeln.

Nein, die Festung des Sozialistischen Lagers wurde von innen aufgeweicht. Täter waren die Führer der regierenden Parteien, die, beginnend mit dem XX. Parteitag, den Boden des Marxismus-Leninismus verlassen hatten und sich in den Folgejahren von den Massen entfernten. Die regierenden Parteien verkamen zu Karrieristenvereinen, die sich den Teufel um Marxismus-Leninismus scherten.

Ich habe von 1979 bis 1981 in der Volksrepublik Polen studiert und habe den Kontakt zu Kommunisten gesucht. Ich habe in den zwei Jahren zwei Kommunisten dort gefunden. Der eine war Philosophiedozent an der Universität in Lodz und sagte, er sei „Eurokommunist“. Der andere war wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schlesischen Wissenschaftlichen Instituts in Katowice und gehörte einer Gruppe an, die sich „Forum Katowice“ nannte und sich kritisch mit der Solidarność-Bewegung auseinander setzte. Mehr Kommunisten fand ich nicht. Parteimitglieder, die Karriere machen wollten, machten oder gemacht hatten, fand ich reichlich. Kommunisten aber waren die nicht, das sagten sie auch unumwunden. Auch in Polen wurde die Partei nicht Herr der Lage und musste schließlich zum Mittel des Kriegsrechts greifen, um einigermaßen Ruhe und Ordnung zu erhalten.

Das Ruder konnte Ende der 80er Jahre nur noch eine kommunistische Revolution herumwerfen. Aber ohne eine Kommunistische Partei war das unmöglich. Die Parteien, die sich so nannten, waren ja fest in der Hand von Leuten, die mit Marxismus-Leninismus nichts mehr zu tun hatten, wenn sie denn je Marxisten-Leninisten waren.

In der DDR, schien es mir damals, war es besser. Wenn man aber bedenkt, dass die SED 1989 2,3 Millionen Mitglieder hatte, die Zahl der in der PDS Verbliebenen innerhalb einiger Monate auf ca. 100.000 schrumpfte, so wird klar, wie viele Nichtkommunisten bzw. bürgerliche Karrieristen in dieser Partei waren.

Wir alle aber wissen, dass die PDS nie eine kommunistische Partei war und auch nicht sein wollte. Auch die Mitglieder verstehen sich in der Mehrzahl nicht als Kommunisten. Wo aber sind all die Kommunisten geblieben, die in der SED waren? Weder die DKP, noch die KPD (RF) sind in den Ländern der ehemaligen DDR ein Faktor. Es gibt sie nicht, jedenfalls nicht in größerer Anzahl.

5. Ausblick:

Barbarei oder Sozialismus

Eine kommunistische Partei muss her. Darüber sind sich alle einig. Nur über das Wie nicht. Es gibt eine Vielzahl von kommunistischen „Parteien“, wobei ich bezweifle, ob eine von ihnen das auch wirklich ist.

Das Kriterium einer wirklichen kommunistischen Partei legte einst Lenin fest, indem er schrieb:

...wodurch wird die Disziplin der revolutionären Partei des Proletariats aufrechterhalten? wodurch wird sie kontrolliert? wodurch gestärkt? Erstens durch das Klassenbewusstsein der proletarischen Avantgarde und ihre Ergebenheit für die Revolution, durch ihre Ausdauer, ihre Selbstaufopferung, ihren Heroismus. Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen. Drittens durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen. Ohne diese Bedingungen kann in einer revolutionären Partei, die wirklich fähig ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse zu sein, deren Aufgabe es ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze Gesellschaft umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht werden“ [2]

Diese Kriterien erfüllt keine dieser Gruppen auch nur im Ansatz.

Die DKP, als die zahlenmäßig größte dieser Parteiungen, ist im Revisionismus so zerfressen, dass es kein Entrinnen mehr gibt. Es existiert zwar ein kommunistischer linker Flügel, deren bekanntester Genosse Hans Heinz Holz ist, aber diese Genossen beginnen sich eben erst zu formieren. Ob sie je die Kraft aufbringen, sich aus der Umklammerung der modernen Revisionisten zu befreien, muss man sehen.

Dass H.H. Holz auf den Steigerwaldschen Text kritisch geantwortet hat, ist zwar ein positives Zeichen, das mir Hoffnung macht. Inhaltlich finde ich diesen Text gut und stimme auch mit ihm weitgehend überein. Ob die Gruppe um H.H. Holz aber den Schritt gehen wird, sich eigene Organisationsstrukturen zu geben, wie es die österreichischen Genossen in der „Kommunistischen Initiative“ taten, wird sich zeigen.

Über die anderen Gruppen will ich hier nicht viel schreiben. Ich glaube, im Kern sind viele revolutionär mit marxistisch-leninistischen Ansätzen. Aber sie sind meilenweit von den Klassenkämpfen weg, ihr Masseneinfluss ist gleich Null.

Die „Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen“ müssen sie erst unter Beweis stellen.

Eines ist sicher: Die zukünftige KPD, wie auch wir sie anstreben, kann und wird sich nur im Klassenkampf des Proletariats entwickeln und in der ideologischen Auseinandersetzung mit dem modernen Revisionismus.

Patentrezepte, wie wir Kommunisten endlich zu einer KPD zusammenfinden, gibt es nicht.

Wir stehen am Scheideweg: Der Imperialismus wird die Welt in eine Barbarei stürzen und Opfer in einer nie dagewesen Größenordnung fordert. Einflussreiche Kreise der USA, darunter der Bush-Clan, sprechen offen vom 3. Weltkrieg.

Oder proletarische Revolution, Beseitigung des Imperialismus und Aufbau des Sozialismus. Einen dritten Weg gibt es nicht. Dazu brauchen wir in allen wichtigen Ländern kommunistische Parteien, die die Klassenkämpfe und schließlich die proletarische Revolution anführen. Das aber geht nur, wenn wir den modernen Revisionismus konsequent abschütteln und bekämpfen. Wenn wir an den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin fest halten und an der Spitze der Arbeiterbewegung den Klassenkampf  gegen die deutsche Bourgeoisie und gegen den internationalen Imperialismus führen, dann werden wir unserer historischen Aufgabe gerecht.

Die Frage steht, wie es Rosa Luxemburg einst formulierte: 

Barbarei oder Sozialismus.

G.A.


[2]  W.I. Lenin: Was tun?

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