8,50 Euro multipliziert mit 8 Stunden sind 68 Euro Tageslohn brutto. Das macht bei 22 Arbeitstagen 1496 Euro brutto im Monat. Wer zu diesen Bedingungen arbeitet, schuftet für ein Leben in Armut nach der Definition der OECD. Ist Armut menschenwürdig?

private vorsorge gegen altersarmutIn der DDR meinten Ende der 1980er Jahre Kolleginnen, dass der Kapitalismus im Westen ständig vor sich hin stirbt, aber offenbar doch einen schönen Tod habe … was würden sie wohl heute angesichts von Dumpinglöhnen, Massenarbeitslosigkeit und Altersarmut sagen?

ARME MÄNNER STERBEN MIT 70 – WOHLHABENDE MIT 80 Jahren

von Jens-Torsten Bohlke

„Das gab’s beim Honecker nicht, wir hatten stets demografisch eine gute Entwicklung in der DDR mit Aufwärtstrend bei der Lebenserwartung. Und seinerzeit ekelte niemand sich wie heutzutage vor ‘dem Fraß, welchen die deutsche Industrie und Landwirtschaft derzeit an die Bevölkerung ausliefert’„, müsste ich wahrheitsgemäß heute meinen einstigen Kolleginnen aus jenen DDR-Zeiten sagen. Aber es soll hier nicht um (n)ostalgisches Gerede gehen, sondern um den Inhalt einer wissenschaftlichen Studie der OECD, dem „Datenreport 2013“.

Armutsausdehnung in Deutschland wird immer alarmierender

Als „arm“ werden diejenigen erwachsenen Menschen angesehen, die 2011 weniger als 980 Euro netto verdienten. Wie jeder Sehende in Deutschland heutzutage wahrnehmen muss, nimmt der Anteil nach dieser Definition armer Menschen in allen Altersgruppen ständig zu und liegt schon bei den jungen Menschen aus den Haushalten der Arbeiterklasse im Alter zwischen 18 und 25 Jahren bei ca. 20%, Tendenz weiter steigend.

Deutsche Rentner haben bald nur noch halb soviel Rente wie Niederländer

Am schlechtesten aber sind die Lebensbedingungen in Deutschland für arme Rentner. Das Risiko der Verarmung in der Altersgruppe der Erwachsenen zwischen 55 und 64 Jahren ist in den letzten Jahren geradezu sprunghaft angestiegen. Und wer in Deutschland 2012 zu arbeiten beginnt und lebenslänglich Rentenbeiträge zahlt, wird nach heutigen Regelungen als Rentner nur 42% seines durchschnittlichen Bruttolohns erhalten. Dies ist nicht mal die Hälfte dessen, was im Nachbarland Niederlande zu erwarten wäre, wo der Rentner 89% seines durchschnittlichen Bruttolohns erhält.

Polens Renten für Arme bald höher als Deutschlands Renten für Arme

Deutschlands Rentenbezüge für Geringverdiener werden lt. der OECD-Studie gegen Mitte dieses Jahrhunderts so niedrig sein wie in kaum einem anderen OECD-Land. Mit 49% Rente gemessen am durchschnittlichen Bruttolohn steht sogar Polen noch vor Deutschland.

Die Kapitalisten-Geißel prekäre Beschäftigung verarmt die Arbeiterklasse

Zu den Armen aus der erwerbsabhängigen Bevölkerung zählen nicht nur die Flaschensammler und Bettler, sondern etliche in Minijobs, befristeter Zeit- und Leiharbeit, Praktika sowie Teilzeit ausgebeutete Arbeiter und Angestellte. Der Anteil derartiger prekärer Beschäftigung hat in Deutschland seit Verkündung der „Agenda 2010“ durch den „Genossen der Bosse“ Kanzler Schröder ständig zugenommen.

Deutschland jetzt immerhin noch so sozial wie Bangladesh – wann erreicht die Armut die Ausmaße Haitis oder der Hungerländer in der Sahelzone?

Wer in den öffentlich zugänglichen Statistiken auf der CIA-Website blättert, der findet dort auch Vergleichszahlen zur Lebenserwartung armer Männer in Deutschland, welche mehr oder weniger ähnlich der Lebenserwartung der Bevölkerung in Ländern wie Honduras, Bangladesh oder Iran ist. Den Tiefststand findet man dann bei Ländern wie Haiti oder denen in der Sahelzone. Aber vielleicht will das bürgerliche Deutschland sozialpolitisch genau dort ankommen?

Mit 30%igen Lohnerhöhungen könnte Deutschland ein „China Europas“ werden

Meine belgischen Kollegen bezeichnen Deutschland seit einiger Zeit gerne als „China Europas“. Sie empfinden damit die wirtschaftliche Stärke des Exportweltmeisters in der EU namens Deutschland als beispielhaft, sehen aber dabei nicht über Deutschland als El Dorado der Niedriglöhne und extrem maximierten Ausbeutung zugunsten der Profite hinweg und lassen völlig außer acht, dass es in China in den letzten fünf Jahren auch mal eine Lohnerhöhung von 30% gegeben hat. Während das ach so wirtschaftlich starke Deutschland ja nicht mal Mindestlöhne aufzuweisen hat, sondern da bestenfalls 8,50 Euro Stundenlohn als Minimum für einige ausgewählte Industriezweige anzusprechen bereit ist.

Wie menschenwürdig sind 8,50 Euro Stundenlohn brutto in Deutschland?

8,50 Euro multipliziert mit 8 Stunden sind 68 Euro Tageslohn brutto. Das macht bei 22 Arbeitstagen 1496 Euro brutto im Monat. Wer zu diesen Bedingungen arbeitet, schuftet für ein Leben in Armut nach der Definition der OECD. Ist Armut menschenwürdig? Ist ein alltäglich gewordener Kampf um nacktes Überleben menschenwürdig, wie ihn die Langzeitarbeitslosen und die Geringverdiener sowie armen Rentner in Deutschland führen müssen?

Lohn ist lt. Marx nur das zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft dem Arbeiter vom Kapitalisten als unbedingt notwendig Zugestandene aus dem vom Arbeiter durch Ausbeutung seiner Arbeitskraft erzeugten Wert

Für die bürgerlichen Politiker der CDU/CSU und das hinter ihnen stehende Finanz- und Monopolkapital ist menschenwürdig und dem Volk in Deutschland zumutbar, diese Mindestlohnregelung zugunsten von 8,50 Euro Bruttostundenlohn noch möglichst lange herauszuzögern, wie sich bei den Koalitionsverhandlungen für eine CDU-SPD-Bundesregierung deutlich beobachten ließ. Für die opportunistischen Arbeiteraristokraten der SPD und die Arbeiteraristokraten in den Gewerkschaftsleitungen des opportunistischen DGB sind 8,50 Euro offenbar menschenwürdig genug, da besser als die jetzigen üblen Dumpinglöhne vielerorts. Die kleinbürgerlichen Grünen dürften kaum bessere Mindestlöhne als die SPD verlangen, wenn die sich der CDU als Regierungspartner anbieten, sondern eher der Verzögerungstaktik der CDU noch stärker als die SPD nachgeben. Und die opportunistische Linkspartei lässt zwar auch mal demagogisch die Forderung nach 10 Euro Mindeststundenlohn verlautbaren, würde aber für ein wenig Regierungsbeteiligung auch solche Töne bei sich ganz rasch abstellen und dann eben „das Machbare mitmachen“, d.h. die 8,50 Euro Mindestlohn mittragen.

Kapitalvertreter beherrschen die Mehrheiten bürgerlicher Parlamente

Wer solche Volksvertreter als Volk im Parlament hat, braucht gar keine Volksfeinde mehr! Als einzige Partei gegen den Block aus Monopolkapital und dessen verbeamteten Kriechern stellt sich in jüngster Zeit immer überzeugender die DKP zunehmend auf die Position der Arbeiterklasse. Wir Kommunisten verweisen auf das jüngste Referat des neuen DKP-Vorsitzenden Patrik Köbele vom 16./17. November 2013.

Wir rufen zur Unterstützung der revolutionären marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse auf, zu welcher sich die DKP derzeit überzeugend entwickelt

Wir rufen daher unsere Leser dazu auf, die Kandidatur der DKP zu den Europawahlen zu unterstützen. Die DKP will 6000 Unterschriften sammeln, um als nicht im Parlament vertretene bundesweite Partei zu den Europawahlen kandidieren zu können.

Bei der DKP lässt sich zum Thema Mindestlohn folgendes lesen

„Zur Orientierung: Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitsstunde beträgt gegenwärtig real gut 41 Euro. In der Nominalbetrachtung der Mindestlöhne handelt es sich bei den Lohnuntergrenzen also um etwa ein Siebtel der durchschnittlichen Wertschöpfung je geleisteter Arbeitsstunde in Deutschland.

Ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, so der DGB, brächte etwa 5 Millionen Beschäftigten ein höheres Arbeitsentgelt. Es darf allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass das Altersarmut bedeutet – eine Rente, die unter der Grundsicherung liegt. (…) Der Expansion der Niedriglohnbeschäftigung von einem Sechstel (16,3 Prozent) aller Erwerbstätigen 1994 auf fast ein Viertel (22,4 Prozent) 2009 muss ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden. Rund 1,4 Millionen Beschäftigte bekommen gegenwärtig für ihre Arbeit so geringe Löhne, dass diese nach SGB II mit jährlich 11 Milliarden Euro aus Steuermitteln auf das gesetzliche Grundsicherungsniveau aufgestockt werden müssen.

Fazit

Um steigende Altersarmut zu vermeiden und allen arbeitenden Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, ist ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 12,50 Euro/Stunde erforderlich. Gesetzlich festgelegte Mindestlöhne werden abhängig Beschäftigte nur dann erhalten, wenn Unternehmen sich an das Gesetz halten.“

Für Klassenkampf statt „Sozialpartnerschaft“

Und weiter heißt es ganz richtig bei Genossen Lothar Näthebusch von der DKP: „Um jedoch die Massenerwerbslosigkeit zu bekämpfen und das Kräfteverhältnis zugunsten der (…) Beschäftigten zu verändern, ist eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden die Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich notwendig.

Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft ist das Gebot der Stunde!“

Quellen:

http://www.ovb-online.de/arme-sterben-jahre-frueher-3242690.html

http://news.dkp.de/2013/11/mindestlohn-in-sicht/